100 Jahre Augenheilanstalt: Das Buch!

"... zur Errichtung und zum Betriebe einer Augenheilanstalt für Unbemittelte und Arme.. .", formulierte die Präambel den Stifterwillen der "Schenkung Augenheilanstalt" im Schenkungsvertrag vom 23.4.1904.

Bei der Buchvrostellung: Autorin Dr. Monika von Alemann-Schwartz und Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

In diesem Jahr (2007) erinnern die Leonhard-Stinnes-Stiftung und die Stadt Mülheim an der Ruhr mit einer 120-seitigen Festschrift an das 100-jährige Bestehen der Augenklinik/Augenheilanstalt, die zwischen 1905 und 1907 entstand und am 4. Juli 1907 feierlich eingeweiht wurde. Am 16. Juli 1907 begann der Klinikbetrieb. Der Klinikgründer Dr. phil. und med. Johann Hermann Wilhelm Leonhard (1835-1905) erlebte "seine" Klinik nicht mehr, er starb schon im November 1905.

Gründung und Gründerpersönlichkeiten der Augenheilanstalt, Dr. med. J. H. W. Leonhard und seine Frau Margarete Stinnes (1840-1911), die jüngste Tochter des Firmengründer Mathias Stinnes, sind in Mülheim weitgehend bekannt und häufig gewürdigt worden. Vielschichtig waren ihre Motive zur Gründung der Augenheilanstalt. Es wird immer wieder hervorgehoben, dass Dr. Leonhards Interesse an der Augenheilkunde mit seinem schon in Studienzeiten ausgebrochenen chronischen Augenleiden zusammenhänge. Aus eigener Anschauung kannte er zudem die oft unzulängliche Behandlung armer Augenkranker. Durch seine Kliniktätigkeit am Evangelischen Krankenhaus 1864-1884 wusste er, dass spezielle Augenärzte und -behandlungsmethoden noch fehlten. Immer wieder neu wird auch überliefert, Dr. Leonhard habe sich schon lange mit der Gründung einer Augenheilanstalt getragen, sie aber erst nach dem Schock über den Tod seiner zweiten Tochter Gretchen, damit der unmittelbaren Erbin des nicht unbeträchtlichen Vermögens, endgültig verwirklicht.

Das Jubiläumsbuch bietet über die bisherigen Darstellungen hinaus einen ausführlicheren biographischen Rückblick auf Werdegang und Elternhaus von Dr. Leonhard. Auch das noch kleinstädtische Mülheim an der Ruhr, die Stadt, in die er 1835 hineingeboren wurde und aufwuchs, wird kurz skizziert.

Die Schenkung der Augenheilanstalt sollte möglichst schnell praktisch umgesetzt werden. Die Vorgeschichte beschreibt die Auffindung eines Grundstücks noch 1904, die Umstände dessen Erwerbs und die Verhandlungen mit dem Vorbesitzer der sog. Johannesburg, dem Gastwirt Johann Schmitz. Eine Würdigung der fertigen stadtbildprägenden Architektur der Augenheilanstalt und ihrer Innenausstattung, die nach Plänen des Bg. Linnemann erfolgte, schließt die Entstehungsgeschichte ab. Das langwierige Genehmigungsprocedere mit der Königlichen Regierung in Düsseldorf verdeutlicht die engen Vorschriften für Bau und Inbetriebnahme eines solchen Projektes und die neu-alten Diskussionen um Verteuerung im Gesundheitswesen.

Ein größerer Komplex beschäftigt sich mit der Entwicklung der medizinischen Fachrichtung Augenheilkunde. Sie wuchs erst allmählich und nicht ohne Widerstände aus der Chirurgie heraus zum selbständigen medizinischen Fach. Vorher behandelten häufig mehr schlecht als recht herumreisende Starstecher, Bruchschneider oder Kräuterweiblein sogar auf Jahrmärkten die Augenkranken, vielfach Scharlatane. Die Erfindung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz 1850 und seine Durchsetzung in der Praxis durch den bedeutenden Ophthalmologen Albrecht von Graefe professionalisierten die Augenheilkunde. Sie wurde schließlich Universitätsfach. Noch gering war gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der ausgewiesenen Augenspezialisten, erst recht der Augenkliniken. Die Mülheimer Klinik stellte 1907 in Größe und Ausstattung eine "im weiten Umfeld einzig dastehende Augenheilanstalt" in den preußischen Rheinlanden dar. Im Buchanhang findet sich eine Liste von Augenärzten in Mülheim und Umfeld bis 1913 sowie eine Aufstellung im Regierungsbezirk Düsseldorf und Köln bis 1903 vorhandener kleiner Privataugenheilanstalten.

Ärzte, Schwesternschaft und Patienten behandeln je eigene Kapitel. Statistische Aussagen über Patienten und deren Krankheiten vermitteln die Verwaltungsberichte der Klinik der ersten fünf Jahre. Fünf Chefärzte leiteten die Klinik seit 1907 in großer Kontinuität und medizinischer Kompetenz. Die Aufbauphase mit Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg leistete Dr. Otto Stuelp 1907-1930. Dr. Walter Roggenkämper hatte den Klinikbetrieb 1930-1951 während der krisenhaften Anfänge der Dreißiger Jahre, des Zweiten Weltkriegs und des Wiederaufbau zu bewältigen. Prof. Dr. Dieter Schulte (1952-1977) modernisierte die Klinik nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend und beschwor schon in den 60er Jahren die Notwendigkeit eines Neubaus im Umfeld eines Allgemeinkrankenhauses. In die Zeit Prof. Dr. Eckhard Riehms (1978-1995) fiel ein besonderer Umbruch, der Betriebsführungsvertrag mit dem Ev. Krankenhaus von 1982 und der Neubau in der Wertgasse bis 1984. Die Herausforderungen für den jetzigen Chefarzt Dr. Cay Christian Lösche (ab 1996) liegen in den Zwängen der Umstrukturierung des Gesundheitswesens, der Konkurrenz durch freie Großpraxen und Diagnostikzentren. Kreative Strategien, Kooperationen und wissenschaftlicher Austausch lassen sich dem entgegensetzen.

In jedem Fall war und ist die Augenklinik medizinisch, auch mit Hilfe der Leonhard-Stinnes-Stiftung, immer auf dem neuesten Stand der medizinischen Ausstattung. Die jeweils fortschrittlichsten medizinischen Behandlungsmethoden fanden und finden hier Anwendung. Die Klinik deckt das ganze Behandlungsspektrum der Augenheilkunde ab, herausragende Schwerpunkte sind heute die Mikro- und die Laserchirurgie. Der patientenorientierte Anspruch der alten Augenheilanstalt lebt in der modernen Augenklinik fort.

Titel des Buches:.. . im weiten Umkreis einzig dastehende 

                            Augenheilanstalt......

Autorin: Dr. Monika von Alemann-Schwartz

Verlag: Edition Werry, Düsseldorfer Straße 12 in Mülheim

Preis: 24 EURO

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Stand: 03.08.2007

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