Geschichte des Vereins

"Die Geschichte der Stadt Mülheim und ihrer Umgebung zu erforschen und die diesbezüglichen Objekte zu sammeln und zu erhalten" lautete der im Gründungsaufruf vom 4. April 1906 formulierte Vereinszweck.

Treibende Kraft für die Gründung des Geschichtsvereins war Robert Rheinen. Im Jahre 1844 im Schatten von Schloß Broich geboren, war der Sohn des ehemaligen Land-bürgermeisters mit Blick auf die Mülheimer Geschichte aufgewachsen. Einen maß-geblichen Mitstreiter fand Rheinen im damaligen Oberbürgermeister Paul Lembke. Der übernahm denn auch den Vereinsvorsitz, weil er in der Rückbesinnung auf die Geschichte Mülheims eine identitätsfördernde Wirkung erkannte, die das Zusam-menwachsen der ehemaligen Landbürgermeistereien zur neuen Großstadt Mülheim befördern werde.

Dass Lembke damit nicht ganz falsch lag, wurde durch das rasche Wachstum und die Aktivitäten des neuen Vereins belegt. Bereits in seinem ersten Jahr wurde mit der Zeitschrift des Mülheimer Geschichtsvereins ein bis heute für die Erforschung und Dokumentation der Stadtgeschichte unschätzbares Publikationsorgan geschaffen. Dessen Themenspektrum reicht, um nur einige Beispiele aufzuzählen, vom eiszeitlichen Gräberfeld an der Holzstraße oder dem Gerichtswesen der Herrschaft Broich über den alten Kommunalfriedhof Holthausen bis zur Geschichte der Friedrich-Wilhelms-Hütte. "Kein größrer Genuss, keine reichere Belehnung, keine bessere Schule zum tiefen Verständnis der Gegenwart, mit ihren Licht- und Schattenseiten, ihren Fragen und Aufgaben, als die Beschäftigung mit der Vergangenheit" heißt es im Geleitwort der ersten Zeitschriften-Ausgabe anno 1906.

Schon Ende 1906 hatten sich dem Geschichtsverein, der Räume an der Schollenstraße bezog, 224 Mülheimer angeschlossen. Auch ein im Mai 1906 veröffentlichter Aufruf, Karten, Bilder, Hausgeräte, Drucke, Schriften und persönliche Erinnerungen zu stiften, damit sie "durch unseren Verein der Nachwelt in geeigneter Weise bewahrt werden", fand in der Bürgerschaft offensichtlich Anklang. Denn schon nach seinem ersten Jahr registrierte der Geschichtsverein 48 Atlanten, 102 Broschüren und Blätter, 243 Urkunden, 52 Bilder und Gemälde und 83 Hausgeräte in seiner Sammlung, die er als Grundstock für ein geplantes Heimatmuseum begriff.


Zeitlich interessant

Renommee erwarb sich der damals noch junge Geschichtsverein auch mit einer fundierten Festschrift, die er 1908 zur Feier des 100. Stadtgeburtstages herausgab. Mit Hilfe der Firma Stinnes wurde diese Schrift zum 175. Stadtgeburtstag (1983) neu aufgelegt. Seither ist sie für Geschichtsinteressierte unter anderem in der Stadtbücherei und im Stadtarchiv einzusehen. Und als die Zeiten härter wurden und die Stadt während des Ersten Weltkrieges und in den Jahren danach Notgeld drucken ließ, war der Geschichtsverein zur Stelle, als es um eine geeignete Gestaltung der Banknoten ging, die unter anderem von Sprüchen auf Mölmsch Platt geziert wurden.

Zwischen den beiden Weltkriegen beförderte der Verein unter anderem mit einer großen Heimatausstellung (1927), der auf Wilhelm Klewer zurückgehenden Gründung des Plattdütschen Kringks (1930) und vielbeachteten Veröffentlichungen, wie zum Beispiel der 1926 herausgegebenen Dokumentation "Urkunden und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr 796 - 1508" und der 1939 veröffentlichten Schrift "Mülheim an der Ruhr von seinen Anfängen bis zum Übergang an Preußen", das historische Interesse der Mülheimer.

Der Zweite Weltkrieg brachte die Arbeit des Geschichtsvereines dann zum Erliegen. Für Publikationen fehlte das Papier. Und das Altstadt-Haus an der Bogenstraße, in dem der Geschichtsverein seit Mitte der 30er Jahre residierte, wurde in der Bomben-Nacht vom 22./23. Juni 1943 völlig zerstört. Unter den mehr als 100 Opfern des Luftangriffs war auch Karl Deicke, der nach dem Tode Lembkes (1939) die Führung des Geschichtsvereins übernommen hatte.

Erst 1949 kam es zu einer Neugründung des Vereins, der sich mit der Bürgergesellschaft Mausefalle, dem Mölmschen Kringk, der Gesellschaft für Natur- und Heimatkunde zur Arbeitsgemeinschaft heimatkundlicher Vereine zusammenschloss. Einen verstärkten Mitgliederzuwachs konnte der Geschichtsverein ab Mitte der 60er Jahre verzeichnen, als er sich unter anderem für den Erhalt und die archäologische Erforschung von Schloss Broich und seiner bis ins 9. Jahrhundert zurückreichenden Fundamente stark machte. Bei anderen Baudenkmälern, wie etwa dem Neuhof Spiekerts, der einem Kindergarten am Hans-Böckler-Platz weichen musste, war der Einsatz des Geschichtsvereins vergeblich.


Rückkauf eines Porträts

Bis heute leistet der Verein nicht nur ehrenamtliche Arbeit, sondern nimmt auch Geld in die Hand, um Zeugnisse der Stadtgeschichte den Mülheimern zugänglich zu machen. So finanzierte er in den 90er Jahren Glasvitrinen, um die Mülheimer Fossiliensammlung Klaumann im Tersteegenhaus präsentieren zu können, und sorgte 2005 für den Rückkauf eines Wilhelm-Wirich-Porträts, das so nach 300 Jahren ins Schloss Broich zurückkehren konnte.


Geschichts- und Bürgersinn

Seit 1991 hat der Geschichtsverein seine Arbeitsräume im Dachgeschoss des Kunstmuseums Alte Post. Samstags (9.00 - 10.30 Uhr) stehen Mitglieder des Geschichtsvereins interessierten Bürgern dort für Anfragen zur Verfügung. Ins Kunstmuseum Alte Post lädt der Verein auch zu seinen monatlichen Vortragsveranstaltungen. Ehrenamtlich betreuen die Mitglieder des Vereins das samstags und sonntags geöffnete Museum im Hochschloss Broich sowie das sonntags und dienstags geöffnete Tersteegenhaus in der Altstadt. Seinen 100. Geburtstag feierte der seit 1998 von Hans Fischer geführte Geschichtsverein im Juni 2006 mit einem Festakt im Ringlokschuppen und auf Schloß Broich.

Autor: Thomas Emons


Stand: 27.07.2011

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