15 Jahre Städtepartnerschaft mit dem polnischen Oppeln

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld zum Empfang der offiziellen Delegation aus Oppeln am Dienstag, 11.05.04, 19.00 Uhr im Schloß Broich ***

von links: Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Miroslaw Pietrucha (Referent des Stadtpräsidenten, Public Relations), Elzbieta Cholodnik (Schule, Sport), Janusz Karpinski (Leiter der Abt. für internationale Beziehungen), Ryszard Zembaczynski (Stadtpräsident)

Foto: Walter Schernstein

"Es ist mir eine große Freude, Sie heute Abend anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Oppeln und Mülheim an der Ruhr im Rittersaal von Schloß Broich begrüßen zu dürfen. Inzwischen ist es zur lieben Gewohnheit geworden, dass wir Gäste aus Oppeln in unserer schönen Stadt an der Ruhr empfangen können. Doch dieser heutige Besuch geschieht unter ganz neuen politischen Vorzeichen. Es ist gerade einmal 11 Tage her, dass wir Deutschen gemeinsam mit unseren polnischen Nachbarn den Beitritt ihres Landes zur EU gefeiert haben. In einer Videobotschaft, die am Vorabend des 1. Mai in Oppeln auf einer Großleinwand gezeigt wurde, habe ich unseren FreundInnen bereits zu diesem historischen Ereignis gratuliert. Mit der Erweiterung der EU wurde die durch den 2. Weltkrieg verursachte und den Kalten Krieg herbeigeführte Spaltung Europas endgültig überwunden. Die neue Staatengemeinschaft gibt uns Europäern die Chance auf einen dauerhaften Frieden auf unserem Kontinent und auf das Wohlergehen der Menschen, die hier leben. Ich wünsche mir, dass alle Hoffnungen, die wir in den alten und neuen Ländern in die EU-Erweiterung setzen, in Erfüllung gehen mögen. Und ich hoffe, dass unsere städtepartnerschaftliche Freundschaft durch den EU-Beitritt Polens weiter gestärkt wird. Lassen Sie uns zurückblicken auf die Anfänge der sich rasch entwickelnden Freundschaft zwischen Oppeln und Mülheim vor 15 Jahren. Am 5. September 1987 besuchte eine Oppelner Delegation die Evangelische Akademie in Mülheim und führte dabei erste Gespräch mit VertreterInnen der SPD über eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen Oppeln und Mülheim. Noch im selben Monat gab es einen Ratsbeschluss über die Aufnahme dieser Städtepartnerschaft. Seitdem wurden eine Vielzahl von Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen organisiert. In den ersten zehn Jahren unserer städtepartnerschaftlichen Beziehung kam bereits die stolze Zahl von rund 140 Begegnungen zu Stande. Viele sind in den vergangenen fünf Jahren hinzu gekommen. Wir haben das Zählen aufgegeben, zumal die vielen persönlichen, nicht über die Stadt organisierten Besuche von solchen Statistiken gar nicht erfasst werden können. Es ist auf jeden Fall eine stolze Bilanz. Sie belegt, dass von beiden Seiten mit großem Interesse, mit wachsendem Engagement und viel Idealismus die Freundschaft zwischen unseren BürgerInnen gepflegt wird. Ich bin sicher, dass die nun offenen Grenzen mit den damit verbundenen Reiseerleichterungen diesen Austausch weiter intensivieren werden. Apropos Reiseerleichterungen: Wenn wir unsere Amateurfunker auf beiden Seiten der Grenze nicht gehabt hätten, dann wäre unsere Freundschaft gar nicht so schnell gewachsen. Die FunkerInnen waren nämlich gerade zu Anfang der Beziehungen oft die einzige Möglichkeit, ohne komplizierte und langwierige Postwege mit einander zu kommunizieren. Das mit dem Telefonieren klappte nicht immer. Verbindungen kamen nicht zustande oder wurden unterbrochen. Fax und Internet waren noch nicht verbreitet. Da haben wir es heute leichter. Doch trotz leichterer Kommunikation hat sich der Kontakt zwischen den FunkerInnen weiter entwickelt und vertieft. Ich möchte eine zweite Gruppe nennen, über deren städtepartnerschaftliches Engagement ich mich besonders freue. Das sind die SchülerInnen, die in der Geo-AG der Karl-Ziegler-Schule mitarbeiten. Diese jungen Leute tragen einen wichtigen Teil dazu bei, das Wissen der MülheimerInnen über Polen und damit auch das Verständnis für die Menschen dort zu erweitern. Davon konnte ich mich erst am vergangenen Samstag überzeugen. Da nämlich waren die SchülerInnen erneut wie bereits im Vorjahr mit einem Stand beim "Fest der Kulturen" in der Schloßstraße vertreten. Nur schlagwortartig möchte ich an einige Höhepunkte unserer städtepartnerschaftlichen Verbindung erinnern. - 1989 fanden die "Tage polnischer Kultur im Ruhrgebiet" statt. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag in Mülheim. - Im Gegenzug reisten 1990 rund 120 Mülheimer KünstlerInnen mit einer offiziellen Delegation nach Oppeln. - 1992 nahm eine offizielle Delegation unter Leitung des Stadtpräsidenten der Stadt Oppeln an der Eröffnung der Mülheimer Landesgartenschau teil. Im "Oppelner Pavillon" auf dem MüGa-Gelände boten Oppelner Firmen ihre Waren an. - Anlässlich der Europapreis-Verleihung konnten wir 1993 eine Delegation aus Oppeln begrüßen. - 1994 nahmen SchülerInnen der bereits erwähnten Geo-AG am "Ökologischen Forum der Jugend" in Oppeln teil. Aus dieser Veranstaltung heraus hat sich ein dauerhafter und reger Schüleraustausch entwickelt. Er besteht nun schon seit 10 Jahren. - Im Sommer 1997 suchte die Jahrhundertflut Oppeln heim. Tausende Einwohner wurden obdachlos. Mit Geldspenden und Arbeitseinsatz halfen die MülheimerInnen ihren FreundInnen durch diese schwere Zeit. - 1998 besuchte eine Mülheimer Delegation Oppeln. Die TeilnehmerInnen waren Gäste der "Oppelner Partnertage", in deren Verlauf der Stadt Oppeln die Ehrenfahne des Europarates verliehen wurde. - 1999 erneuerten die Repräsentanten unserer Städte den politischen Willen zur Fortsetzung und Erweiterung der gegenseitigen Kontakte mit einer Unterschrift." Meine Aufzählung ist mitnichten vollständig. Viele offizielle und inoffizielle Treffen zwischen SeniorInnen, im Jugend-, Sport, Sozial- und Kulturbereich habe ich nicht genannt. Ich beende die Liste aber hier, damit uns im Anschluss an den offiziellen Teil noch genügend Zeit zum gemeinsamen Gespräch bleibt. Ich möchte Sie aber nicht zum Büffet einladen, bevor ich Ihnen noch einige Anmerkungen zu Mülheim mit auf den Weg gegeben habe. Wir befinden uns hier im Schloß Broich in einer Karolingerfestung, die 883/4 zum Schutz einer wichtigen Handelsstraße errichtet wurde. Inzwischen dient das Schloß der städtischen Repräsentation und als besondere Kulisse für die verschiedensten Veranstaltungen. Auch Brautpaare nutzen die Möglichkeit, sich im ausgefallenen Ambiente unseres Trausaals das Ja-Wort zu geben. Mülheim wurde 1093 erstmals urkundlich erwähnt. 1808 wurden uns die Stadtrechte verliehen. Und pünktlich zum 100-jährigen Stadtbestehen wurde Mülheim an der Ruhr durch die Geburt des 100.000 Einwohners zur Großstadt. Mülheim hat heute ca. 172.000 Einwohner. Trotz ihrer zentralen Lage mitten im Ballungsraum Ruhrgebiet hat unsere Stadt einen hohen Erholungs- und Freitzeitwert. Sie werden es mit Erstaunen bereits selbst gesehen haben: Mehr als 50 Prozent unseres 91 km2 großen Stadtgebietes ist mit Wäldern, Wiesen und Feldern bedeckt. Wir haben zahlreiche schöne Rad- und Spazierwege und mit der Ruhr einen Fluss, der zum Bootsfahren einlädt. Die Ruhr war Jahrhunderte lang eine wichtige Lebensader unserer Stadt. Mit unserem neuen und ehrgeizigen Stadtentwicklungsprojekt Ruhrbania wollen wir den Fluss nun wieder zum Mittelpunkt der Stadtgestaltung machen. Unter dem Motto "Wohnen, Arbeiten und Erleben am Wasser" soll am Ruhrufer ein ganz neues Stadtquartier entstehen. Der städtebauliche Wettbewerb als ein Baustein des Ruhrbania-Projekts ist gerade abgeschlossen. Nun sind die MülheimerInnen aufgefordert, gemeinsam mit Fachleuten in den Dialog über das neue Gesicht ihrer Ruhrpromenade zu treten. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Ideen verwirklicht werden. Und wenn Sie, liebe Gäste aus Oppeln, in den kommenden Jahren unserer Stadt immer mal wieder einen Besuch abstatten, werden Sie sich von den Fortschritten überzeugen können. Glauben Sie mir: Mülheim wird noch schöner werden. Abschließend möchte ich all jenen danken, die sich über viele Jahre ehrenamtlich und mit viel persönlichem Einsatz um die Förderung unserer Städtepartnerschaft verdient gemacht haben."

Kontakt


Stand: 12.05.2004

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