Migration · Integration · Interkulturelles Leben
Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen

Migration und Geschichte: Beitrag Zwangsarbeiter

1939 bis 1945: Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Mülheim an der Ruhr

Zwangsarbeit (Zwangsmigration) während des NS-Faschismus ist eines der dunklen Kapitel, dessen Spuren sich noch heute in den Städten finden und denen Tausende von Verschleppten physisch und psysisch zum Opfer fielen.

Spätestens mit dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg war den Nationalsozialisten klar, dass ein Volk unter Waffen nicht gleichzeitig Krieg führen und zu dem die Produktion aufrechterhalten konnte. Wie im Ersten Weltkrieg (siehe auch Beitrag von Dr. Kai Rawe, „Ausländerbeschäftigung im Ruhrbergbau 1914-1918. Ein Beispiel für Zwangsmigration“) mussten auch im Zweiten Weltkrieg ausländische Arbeitskräfte, Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen die Kriegsproduktion in den Betrieben aufrechterhalten. Das war für die Betroffenen, die von 1939 bis 1945 für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten mussten, eine unmenschliche Belastung.

Besonders schwer war dies für die nach Deutschland verschleppten Menschen aus den slawischen Ländern, die in der Rassenlehre der Faschisten keine Lebensberechtigung hatten. Kleidung, Unterkunft und Verpflegung wurde von der Naziregierung zugeteilt und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, auch im Krankheitsfall, war ihnen untersagt. Die Kontakte zu Deutschen waren verboten oder nur auf ein Minimum beschränkt. Eine Unterstützung mit Lebensmitteln war den Deutschen bei Strafe untersagt und konnte bei einer Anzeige die Einlieferung in ein Konzentrationslager zur Folge haben. Es gab eine Lagerleitung. Die Lagerinsassen wurden beim Verlassen und bei der Rückkehr kontrolliert. Ein Verlassen der Lager war unter Strafandrohung verboten.

Allein in Mülheim an der Ruhr waren über 24.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter interniert und beschäftigt, überwiegend in Groß- und Rüstungsbetrieben. Sie wurden in 55 unterschiedlichen Lagern, nach Nationalität und Herkunftsland geordnet, untergebracht. Standorte und Anzahl der Lager: Mülheim-Styrum 11, Mülheim-Mellinghofen 9, Mülheim-Eppinghofen 2, Mülheim-Heißen 3, Mülheim-Speldorf 3, Mülheim-Broich 10, Mülheim-Saarn 10, Mülheim Richtung Flughafen 3 und im Bereich Mülheim-Stadtmitte 4.

Die Lager waren untergliedert in ZAL – Zivil- oder Zwangsarbeiterlager, KGF – Kriegsgefangenenlager, AEL – Arbeitserziehungslager und OT – Lager der Organisation Todt. Die Belegungszahlen reichten von 20 bis über 2.000 Personen. Die meisten Lager bestanden aus extra erstellten Holzbaracken. So war auf dem Flughafengelände ein Barackenlager, in dem Zwangsarbeiter aus Holland untergebracht waren. Erstellt wurde das Lager für 500 Personen. 1945 waren aber dort bis 2.000 eingesperrt.

Arbeiten mussten die Zwangsarbeiter in den Betrieben in zwei oder drei Schichten. Nicht selten mussten sich zwei oder drei Personen eine Pritsche zum Schlafen teilen. Auch gab es gravierende Unterschiede zwischen den Lagerinsassen, die aus den westlich besetzten Ländern und den im Osten besetzten Ländern stammten. Das alle wurde aus dem Programm der Herrenmenschen in der NSDAP abgeleitet. Sie bestimmten über lebenswertes und nicht lebenswertes Leben bei den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Von den nach Mülheim an der Ruhr zur Zwangsarbeit Verschleppten haben über 400 von ihnen ihre Heimat nicht wieder gesehen. Sie wurden nach ihrem zum Teil gewaltsamen Tod auf Mülheimer Friedhöfen begraben. Die meisten Toten fanden auf dem Altstadtfriedhof auf zwei Gräberfeldern ihre letzte Ruhestätte.

Weitere Informationen über das Leben dieser deportierten Menschen von 1933 bis 1945 in Mülheim an der Ruhr werden bei den Antifaschistischen Stadtrundfahrten vermittelt. Es gibt ein Buch, eine Broschüre, einen Film und eine Ausstellung „1933 bis 1945 – Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr“, die zur Zeit komplett überarbeitet wird.

VVN - Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten, Kreisvereinigung Mülheim an der Ruhr, Kreisvorsitzender Helmut Hermann, Telefon: 02 08 / 47 35 71

Helmut Hermann, im Februar 2008/Klaus Wichmann, im Juni 2009


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
kw@wichmann-kommunikation.de
http://www.kulturbetrieb.de
http://vhs.muelheim-ruhr.de
Das Projekt Migration & Geschichte
wurde durch die Leonhard-Stinnes-
Stiftung gefördert.

Impressum
Stand: 09.07.2009

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