200 Jahre Friedrich Wilhelms-Hütte

Grußwort von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zur Festveranstaltung "200 Jahre FWH"

am Freitag, 24.06.11, 12.30 Uhr

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Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Kraft,

sehr geehrter Herr Wiebelshaus, 

sehr geehrter Herr Dr.  Großmann, 

sehr geehrte Herren und Damen,

vor drei Jahren haben wir in Mülheim an der Ruhr unser 200-jähriges Stadtrechtejubiläum gefeiert. Wir haben damals stolz unsere lange Tradition als Gründer- und Unternehmerstadt betont und dabei auf die engen Verbindungen hingewiesen, die zwischen den innovativen Köpfen und Unternehmerpersönlichkeiten und unserer Stadt schon immer bestanden.

Heute, nur drei Jahre später, feiern wir den 200. Geburtstag eines Unternehmens, das wie vielleicht kein anderes mit unserer Stadt, mit unserer Geschichte, unserer Entwicklung und vor allem den Menschen verbunden ist.

Die FWH gehört zu unserer Stadt. Und zwar eigentlich schon immer. Sie hat über zwei Jahrhunderte hinweg mit wechselnden Inhaben, als selbstständiges Unternehmen, als Tochtergesellschaft oder als unselbstständiger Betrieb eine "große Beständigkeit gegenüber wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen" aufgewiesen. So steht es in der Dokumentation des Mülheimer Geschichtsvereins. Und so erleben wir die FWH auch heute, als einen die Stadt prägenden Industriebetrieb mitten in Mülheim, einer der sich in guten und weniger guten Zeiten als verlässlicher Unternehmer, Arbeitgeber und Partner unserer Stadt erwiesen hat.

Nach 200 Jahren steht fest: Es war ein Glücksfall für Mülheim an der Ruhr, dass sich Johann Dinnendahl 1811 ausgerechnet hier niederließ. In seiner Schmiede mit mechanischer Werkstatt baute der junge Unternehmer zunächst Dampfmaschinen. Doch schon bald gründete er eine Eisengießerei, um von Zulieferbetrieben unabhängig zu sein. Ein weitsichtiger Entschluss, wie wir heute urteilen können.

Nachdem Dinnendahl seine Anteile an der "Eisenhütte Friedrich Wilhelm" verkauft hatte, blieb die Innovationskraft des Betriebs dank umsichtiger neuer Besitzer erhalten. 1849/50 wurde unter Julius Römheld auf der FWH der erste Kokshochofen im Ruhrgebiet (!) in Betrieb genommen. Naja, dieser erste Versuch soll nicht besonders erfolgreich gewesen sein... so steht es in den Annalen. Doch die damals rund 400 Arbeiter waren bestimmt trotzdem stolz auf "ihre" FWH.

Die mechanischen Werkstätten der FWH leisteten in dieser Zeit einen wesentlichen Beitrag zur Industrialisierung des Ruhrgebietes. Die Dampfmaschinen und Ausrüstungsgegenstände "made in Mülheim" waren von enormer Bedeutung für die entstehenden Eisen- und Stahlwerke sowie Kohlezechen - und sie trugen den guten Ruf Mülheims als Industrie- und Unternehmerstadt weit über die Stadtgrenzen hinaus. In den Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende entwickelte sich die FWH so zu einem der bedeutendsten Großmaschinenbau-Unternehmen in Deutschland.

Für den Erfolg investierte das Unternehmen in die Infrastruktur in unserer Stadt. Die Anbindung an das Eisenbahnnetz 1862 war da ein wichtiger Schritt. Und dass die FWH auch soziale Verantwortung übernahm, zeigte sich beispielhaft an dem Erwerb der stillgelegten Eppinghofer Zinkhütte, wo Arbeiterwohnungen für die über 1000 Arbeiter entstanden. Und auch heute wird die FWH zum Beispiel als begehrter Ausbildungsbetrieb dieser Verantwortung gerecht.

Mülheim an der Ruhr ist stolz auf seinen "gesunden Wirtschaftsmix": ein Drittel Handel, ein Drittel Dienstleistungen, aber vor allem ein Drittel Industrie. Diese Verteilung trägt ganz entscheidend dazu bei, dass unsere Stadt ein begehrter und erfolgreicher Wirtschaftsstandort im Ruhrgebiet ist. Dass sich produzierendes Gewerbe in der Innenstadt und attraktiver Wohnstandort nicht ausschließen, beweist sich tagtäglich in unserer Stadt am Fluss.

Viele unserer Mülheimer Industrieunternehmen sind energieintensiv, auch die FWH. Sie alle brauchen eine stabile Stromversorgung und Energie zu konkurrenzfähigen Preisen. Nur dann können sie weiter weltweit erfolgreich sein. Nur dann werden sie – hoffentlich - in ihren Standort investieren und nicht ins Ausland abwandern.

Der in Berlin nun beschlossene Atomausstieg darf deshalb nicht dazu führen, dass unsere Stadt, dass unser Land seine Industrie und damit seine wesentliche wirtschaftliche Grundlage gefährdet oder gar verliert. Ich betone das gerade deshalb, weil Mülheim an der Ruhr sich zur "Klimazone" entwickelt. Und das ist kein Widerspruch: Wir wollen die Energiewende - aber umsichtig, gut geplant und zukunftssichernd. Damit auch die FWH in den kommenden Jahrzehnten an ihrem Standort festhalten und Teil unserer Stadt bleiben kann.

In diesem Sinne gratuliere ich dem Unternehmen zu 200 Jahren erfolgreicher Entwicklung und wünsche der FWH eine lange und gedeihliche Fortsetzung dieser Tradition.

Glück auf.

Kontakt


Stand: 29.06.2011

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