20 Jahre Oder-Hochwasser

Als im Juni 1997 die Oder über ihre Ufer trat und in der Tschechischen Republik, in Polen und Deutschland ganze Landstriche überflutete, traf es Mülheims polnische Partnerstadt besonders hart. Viele Menschen sprachen daher von einem "Jahrhundert-Hochwasser".

Foto vom Oder-Hochwasser 1997 in unserer polnischen Partnerstadt Oppeln - Luftaufnahme mit dem Ausmaß der Überschwemmungen

Das Luftbild zeigt das Ausmaß des "Jahrhundert-Hochwassers" in der polnischen Partnerstadt Oppeln.

Fotos: Feuerwehr Mülheim an der Ruhr

Mehr als anderthalb Meter hoch stand das Wasser auf den Straßen, flutete Gebäude, riss mit, was ihm im Weg stand. Damals reiste eine Mülheimer Delegation, bestehend aus Vertretern der Stadt, der Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Technischen Hilfswerkes (THW), nach Oppeln, um zu helfen. Für ihren Einsatz vor 20 Jahren erhielten drei Mülheimer Feuerwehrmänner nun einen Orden für ihre Verdienste um die Stadt Oppeln.

Foto vom Oder-Hochwasser 1997 in unserer polnischen Partnerstadt Oppeln

In Oppeln waren Keller und Erdgeschosse überflutet und die Menschen in Obergeschossen gefangen. Viele Bewohner von Hochhäusern flüchteten sich auf Dächer und saßen dort fest.

20 Jahre ist das Oder-Hochwasser nun her. "Alles begann mit einem Funkspruch. Lokale Amateurfunker waren damals die ersten, die Kontakt mit Oppeln hatten und von dortigen Funkern über die dramatische Lage informiert wurden," erinnert sich Burkhard Klein, der Leiter der Mülheimer Feuerwehr.

Die Verantwortlichen der Stadt Mülheim schickten daraufhin ein Telefax in die Partnerstadt, in dem sie ihr Mitgefühl mit Oppeln ausdrückten und ihre Hilfe anboten. „Das war ein Freitag und schon am Sonntag kam dann ein Anruf aus Polen", so Klein.

Foto vom Oder-Hochwasser 1997 in unserer polnischen Partnerstadt Oppeln

Die Hilfskräfte vor Ort trafen auf einen "See, der einmal eine Stadt war"

Es wurde sofort ein „interdisziplinärer Krisenstab“ unter Leitung des damaligen Beigeordneten Wilfried Cleven eingerichtet und dort beschlossen, ein „Vorauskommando“ nach Oppeln zu schicken, welches sich ein Bild von den Ausmaßen vor Ort machen sollte. Am Sonntagabend brachen zwei Mülheimer Feuerwehrleute, Hans Dammann und Rudolf Wilczek, mit Frank Langer vom DRK sowie Rudolf Kaluza, Mitarbeiter des Tiefbauamts und THW-Mitglied auf.

Sie trafen dort auf einen "See, der einmal eine Stadt war." Bis zu drei Meter hoch stand das Wasser. Eine Deichsicherung war gar nicht mehr möglich. Besonders die Weststadt Oppelns war verwüstet. Dort waren Keller und Erdgeschosse überflutet und die Menschen in Obergeschossen gefangen. Burkhard Klein: "Viele Bewohner von Hochhäusern flüchteten sich auf Dächer und saßen dort fest. Die Versorgung erfolgte über Hubschrauber. Von den rund 130.000 Einwohnern waren rund 18.500 durch das Hochwasser plötzlich obdachlos".

Das hieß für die Helfer: Wasser abpumpen, Menschen evakuieren und versorgen. Es wurden aus Mülheim danach umgehend weitere Helfer, Geräte und Hilfsgüter - von der Windel bis zu Medikamenten und Desinfektionsmitteln - nach Oppeln gesandt. Anschließend wurden durch Saugwagen des Tiefbauamtes die Kanäle gereinigt. „Insgesamt waren 17 Mann drei Wochen im Pump- und Saugeinsatz vor Ort und haben zudem medizinische Betreuung geleistet“, sagt Burkhard Klein, der damals erst drei Wochen Amtsleiter war und in Mülheim als Teil des Krisenstabs die Hilfe koordinierte.

Viele Mülheimerinnen und Mülheimer haben damals Sachmittel und Geld als "Hilfe für Oppeln" gespendet. Mehr als 100.000 DM kamen so zusammen.

20 Jahre Oder-Hochwasser - Auzeichnung auch für Vertreter der Mülheimer Berufsfeuerwehr. Von links nach rechts: Pavel Kielar Kommandant der Feuerwehr Oppeln, Witold Trojnar stellv. Kommandant Feuerwehr Land Oppeln Hans Dammann Feuerwehr MH, Burkhard Klein, Leiter der Feuerwehr MH,  Marek Gajek ehem. Kommandant Feuerwehr Oppeln, Rudolf Wilczek Feuerwehr MH, Jan Bednarek ehem. Feuerwehr Oppeln, Marcin Ociepa Vorsitzender des Rates der Stadt Oppeln und Maciej Wujec, 1. Vertreter des Präsidenten der Stadt Oppeln.

Im Rahmen des Florianstags Anfang Mai wurden auch drei Mülheimer Feuerwehrleute für ihren Einsatz von damals mit einem Orden ausgezeichnet.
Von links nach rechts: Pavel Kielar (Kommandant der Feuerwehr Oppeln), Witold Trojnar (stellvertretender Kommandant Feuerwehr Land Oppeln), Hans Dammann (Feuerwehr MH), Burkhard Klein (Leiter der Feuerwehr MH), Marek Gajek (ehemaliger Kommandant Feuerwehr Oppeln), Rudolf Wilczek (Feuerwehr MH) Jan Bednarek (ehemalig Feuerwehr Oppeln), Marcin Ociepa (Vorsitzender des Rates der Stadt Oppeln) und Maciej Wujec (Erster Vertreter des Präsidenten der Stadt Oppeln).

Aus dem Einsatz vor 20 Jahren ist mittlerweile eine enge persönliche Freundschaft mit den Oppelner Kollegen entstanden. "Seit dem Hochwasser besteht ein intensiver Kontakt. Austausche, Treffen und gemeinsame Übungen finden noch immer regelmäßig statt. Zuletzt waren Mülheimer Feuerwehrmänner anlässlich des Florianstags Anfang Mai in Polen. Dort erhielten Rudolf Wilczek, Hans Dammann und Burkhard Klein während eines Feuerwehrfestes den Orden der Stadt. Und so hat letzten Endes die Flut für Burkhard Klein doch etwas Gutes bewirkt: „Es war ein schreckliches Ereignis, aber in dieser Zeit hat sich gezeigt, was Freundschaft und Städtepartnerschaft wirklich bedeutet - Hilfe in Not. Insofern war es für alle irgendwo auch ein Glücksfall."

Kontakt


Stand: 31.05.2017

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