"25 Jahre ginko" - Grußworte der Oberbürgermeisterin

Prominenz zum Jubiläum: v.l.n.r. Ministerin Birgit Fischer, Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Ministerin Hannelore Kraft, Dr. Hans-Jürgen Hallmann (ginko), Ellen Grossmann-Hensel (ginko) und Hans-Jürgen Gass (ginko)
Foto: Walter Schernstein
"Sehr geehrte Herren und Damen, vielen Dank für die herzliche Begrüßung. Ich bedanke mich bei Ihnen Herr Dr. Hallmann und Ihnen Herr Gass für die freundliche Einladung zu Ihrer Veranstaltung,... und ich freue mich sehr über Ihren Besuch, verehrte Frau Ministerin Fischer, machen Sie hiermit doch für uns alle die Bedeutung dieses Jubiläums deutlich. Ich bin sehr gerne gekommen, um Ihnen im Namen der Stadt Mülheim an der Ruhr wie auch persönlich herzlich zu gratulieren. Wenn eine für unsere Stadt so wichtige und inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus aktive und angesehene Einrichtung wie ginko ihren 25-jährigen Geburtstag feiert, dann ist das für mich mehr als eine willkommene Gelegenheit, allen hier tätigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für ihre langjährige und engagierte Arbeit Dank und Anerkennung auszusprechen. Hier schließe ich auch den Paritätischen Wohlfahrtsverband ein, dem Ihre Einrichtung angeschlossen ist. Ginko ist aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken und die Hilfe, die Sie anbieten, ist heute wichtiger denn je. In einer Abhandlung über das Phänomen Sucht findet sich die Aussage "Sucht ist eine Mangelkrankheit der modernen Industriegesellschaft geworden. Sie ist ein Protest, dem die Sprache fehlt, und der letztendlich in der Selbstzerstörung endet." Diese Aussage beschreibt sehr gut eine Grundproblematik unserer Gesellschaft; einer Gesellschaft, die sich im Umbruch befindet. Zusätzlich müssen junge Menschen die Phase des Erwachsenwerdens bewältigen. Dies ist nicht für alle einfach und birgt neben Chancen und Herausforderungen auch Risiken. Nicht umsonst besteht eine enge Verwandtschaft der Begriffe "Sucht", "Suche" und "Sehnsucht"... Damit Suche und Sehnsucht unserer jungen Menschen nicht in der Sucht enden, brauchen wir Vereine wie ginko. Wir freuen uns nicht nur, sie zu haben, wir brauchen sie... Und damit meine ich auch jeden einzelnen Mitarbeiter und jede einzelne Mitarbeiterin. Es freut mich daher besonders, dass der Rat der Stadt am 29.04.04 beschlossen hat, Frau Grossmann-Hensel, die Gründungsmitglied von ginko e.V. und des Fördervereins ist und somit ginko in den 25 Jahren seines Bestehens erfolgreich begleitet hat, die Ehrenspange zu verleihen. Sehr gefreut hat mich auch der Einsatz von Herrn Peter Hemmerle im Rahmen des CBE-Projektes "Corporate Citizenship - das Unternehmen als (Mit-)Bürger", der sechs Tage bei der Drogenhilfe der AWO arbeiten wird. Ehrenamtliches Engagement ist heute wichtiger als je zuvor. In einer Zeit, in der Verdienst im materiellen Sinne häufig als alleiniger Maßstab für Leistung angesehen wird, tut es gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die Zeit und Arbeitskraft der Gemeinschaft zur Verfügung stellen... Mir ist es ein ganz wichtiges Anliegen, meiner persönlichen Verbundenheit mit ginko, die eine einzigartige Kombination von Jugendberatung und Suchtvorbeugung bietet, Ausdruck zu verleihen. Ich habe viele Jahre im Rahmen meiner Lehrtätigkeit eng mit Jugendlichen zusammengearbeitet und viel von ihren Sorgen und Nöten, Wünschen und Sehnsüchten erfahren... Ich finde es daher gut, dass ginko auch auf der diesjährigen "Schools-Out"-Veranstaltung auf dem Viktoriaplatz/Platz der Synagoge aktiv vertreten war... Hier konnte man sich direkt vor Ort sehr gut davon ein Bild machen, wie wichtig Suchtprävention heute ist und dass die Konsumenten von z.B. Alcopops immer jünger werden. Eine Situation mit der ich mich auch als Oberbürgermeisterin dieser Stadt nicht abfinden möchte... Im Grunde war ginko immer seiner Zeit voraus. War vor 25 Jahren die Lage noch nicht so prekär wie heute, so haben die ginko-Initiatoren bereits geahnt, dass die Situation auch bei uns problematischer werden würde und deshalb eine Anlaufstelle erforderlich ist, die aktiv vor Ort Hilfe anbietet. Suchtprävention ist eine politische und kommunale Querschnittsaufgabe, die eine enge Kooperation der sachlich zuständigen Träger bedingt. Präventionsarbeit setzt da an, wo Menschen zusammen kommen und erreicht werden können - in Schulen, in Jugendeinrichtungen, in Vereinen etc. Voraussetzung für eine erfolgreiche und konkrete Präventionsarbeit ist ein lokales Netzwerk. Der Städte und Gemeindebund hat in diesem Zusammenhang die Kommune als "Katalysator der Präventionsarbeit" bezeichnet. Es ist wichtig, die gesellschaftlichen Probleme, die Suchtgefährdungen oder -erkrankungen hervorrufen, auf unterschiedlichen Ebenen anzugehen. Die Mehrdimensionalität der Suchtentstehung muss in ein geeignetes zielgruppenorientiertes Maßnahmenbündel einfließen. Wichtig ist der frühzeitige Beginn der Maßnahmen und deren Langfristigkeit. Ziel muss im Endeffekt die Förderung der Lebenskompetenz und die Verbesserung der Lebensbedingungen sein. Dies ist ohne funktionierende Strukturen und aufeinander abgestimmt arbeitende Akteure nicht möglich. Durch die Bildung örtlicher Arbeitsgemeinschaften, wie der in Mülheim von ginko, Gesundheitsamt und dem Amt für Kinder, Jugend und Schule gegründete Kommunale Arbeitskreis Suchtvorbeugung, konnte die Transparenz und die Abstimmung verbessert werden. Die Prophylaxefachkräfte und die Fachstellen für Suchtvorbeugung kooperieren mit den örtlichen Institutionen, sei es in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, den Schulen, den Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Krankenkassen oder der Kriminalitätsvorbeugung. Gemeinden, wie Mülheim, kommt hier auch die Aufgabe zu, die Verbindungen zu den lokalen Institutionen herzustellen. Es wurde erkannt, dass ein Suchtverhalten nicht eindimensionale sondern komplexe Problemlösungsansätze braucht. Entsprechend vielschichtig waren und sind die Maßnahmen zur Suchtvorbeugung, die ginko anbietet. Besondere Anerkennung hat ginko bereits 1983 erfahren, als der Verein mit der Koordination der Suchtvorbeugung auf Landesebene betraut wurde. Heute koordinieren Sie die Tätigkeit von rund 100 Prophylaxefachkräften. Sie haben durch die Mülheimer Arbeit weit über den kommunalen Bereich hinaus Akzente gesetzt und Impulse gegeben. Bei uns in Mülheim gibt es inzwischen ein funktionierendes Netzwerk vieler Akteure, in dem ginko eine entscheidende Rolle spielt. Die Verantwortlichen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen - ob in Schulen, Kindergärten oder in der Jugendarbeit - schätzen Ihre Arbeit sehr. Wer Ihre Homepage besucht hat und Ihre Öffentlichkeitsarbeit kennt, der weiß, dass Sie höchst professionell arbeiten. ginko nutzt nicht nur effektiv moderne Technologien, sondern hat in seiner Arbeit dem gesellschaftlichen Wandel stets Rechnung getragen. Dies ist sicher ein Grund dafür, dass Sie - zu unser aller Glück - nach 25 Jahren weiterhin erfolgreich präsent sind. Angesichts dessen, dass Sucht ein multifaktoriell begründetes und komplexes Phänomen ist, ist es ein ganz besonderer Verdienst von ginko, sich bei der vorbeugenden Drogenarbeit prioritär den Bedingungen und nicht den Substanzen zu widmen, die zur Sucht führen. Sie schauen in den Spiegel der gesellschaftlichen Probleme und nehmen die Störungen, die Sie dort sehen zum Anlass - ganz bodenständig - zu handeln. Dies verdient unseren größten Respekt. Sie nennen sich bewusst Gesprächs-, Informations- und Kontaktzentrum. Denn fehlende Gespräche, Informationen und Kontakte sind es häufig, die Sucht erst möglich machen... und nur durch Gespräche, Informationen und Kontakte ist es möglich, der Sucht zu begegnen. Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat ginko finanziell von Anfang an gefördert und hat das Thema Sucht in den unterschiedlichen Schnittstellen aufgegriffen. Über Delegationsverträge wurde ginko mit Aufgaben im Rahmen der Suchtprävention betraut. Unsere kommunale Gesundheitskonferenz befasst sich regelmäßig mit dem Thema Sucht und Suchtprävention. Der sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes bietet Unterstützung in seelischen und sozialen Notlagen, Streetworker, die vor Ort - z.B. an Schulen - präsent sind, ergänzen das Konzept... Und es gibt inzwischen eine rathausinterne Dienstvereinbarung zum Umgang mit suchtmittelgefährdeten und –erkrankten Beschäftigten und zur Suchtprävention. Sie sehen, Suchtprävention ist auch aus kommunaler Sicht ein großes Thema..... . und ich werde mich dafür einsetzen, dass trotz der angespannten Haushaltslage weiterhin eine Unterstützung Ihrer Arbeit möglich sein wird. Der kurze und gute Draht zu ginko hat uns die Arbeit auf allen Ebenen erheblich erleichtert und gemeinschaftlich konnte manch´ gutes Ergebnis erzielt werden. ch wünsche ginko als Institution und den Menschen, die ginko ausmachen, für die Zukunft alles Gute."
Kontakt
Stand: 18.05.2004













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