2 Jahre Familienforum Saarn (2011)

Berichtvorlage

der Geschäftsführerin des "Mülheimer Bündnisses für Familie",
Dr. Claudia Roos, über die Arbeit des "Saarner Familienforums"

für die Bezirksvertretung 3 am 6. Mai 2011:

Das „Mülheimer Bündnis für Familie“ engagiert sich seit Ende 2004 in sehr unterschiedlicher Weise dafür, die Interessen und Bedürfnisse von Familien in Mülheim an der Ruhr in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und des Handelns zu rücken. Mit finanzieller Unterstützung der Leonhard-Stinnes-Stiftung hat es so unter anderem 2009 das „Saarner Familienforum“ ins Leben gerufen. Diese Entscheidung fiel auch aufgrund der Ergebnisse des Familienberichts der Stadt Mülheim an der Ruhr, der auch für den Stadtteil Saarn sozialraumbezogene Defizite in Sachen Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit dokumentiert, und weil in diesem Stadtteil keine anderen Netzwerkaktivitäten für Familien zu erkennen waren.

Seit zwei Jahren arbeiten nun Ehrenamtliche aus dem Stadtteil unter organisatorischer und inhaltlicher Begleitung einer Netzwerkkoordinatorin daran, Saarn aus Sicht der Bürger und Bürgerinnen noch kinder-, jugend- und familienfreundlicher zu gestalten. Die Aktivitäten, die aus den inzwischen fünf Saarner Familienforen hervorgegangen sind, sollen nachfolgend der Bezirksvertretung 3 zur Kenntnis gebracht werden.:

Saarner Familienforen:

Ein Ergebnis des Mülheimer Familienberichts ist die Feststellung, dass Familien häufig nicht wissen, was in ihrem Stadtteil alles für ihre Zielgruppe angeboten wird und dass sie sich mehr Transparenz und Information darüber wünschen. Das galt auch für Saarn. Der Kontakt zu möglichen Netzwerkpartnern in Saarn hatte zudem offenbart, dass sich auch die am Thema arbeitenden professionellen Anbieter untereinander häufig nicht kannten. Das „Mülheimer Bündnis für Familie“ übernahm deshalb die Planung, Organisation und Durchführung eines ersten „Saarner Familienforums“, das dem gegenseitigen Kennenlernen der Anbieter sowie einer Information der Familien dienen sollte.

Das erste „Saarner Familienforum“ fand im Juni 2009 im Gemeindezentrum Christuskirche  statt. Der Zuspruch von Seiten der Experten bzw. der Institutionen, die sich mit dem Thema Familie beschäftigen, war groß: Hebammen, Tagesmütternetzwerk, Kindergärten, Kirchengemeinden, Sport- und Musikvereine, Logopäden, Gesundheitsamt, Familienbesuchsdienst, Musikschule und zahlreiche andere Organisationen stellten sich und ihre Arbeit vor und knüpften untereinander Kontakte. Eine Umfrage im Anschluss an die Veranstaltung zeigte, dass die große Mehrheit der Teilnehmer sehr zufrieden mit diesem ersten Vernetzungstreffen war und weitere Treffen wünschte. Dieses klare Votum für den Aufbau eines Familiennetzwerks in Saarn bestätigte die Entscheidung für diesen Sozialraum.

Das „Mülheimer Bündnis für Familie“ griff die Anregungen aus dem ersten Forum auf. Mit Hilfe eines externen Moderators wurde ein Konzept für das zweite „Saarner Familienforum“ und damit für erfolgversprechende Netzwerkarbeit unter Einbeziehung von Experten und Familien im Stadtteil erarbeitet. Zentrale Herausforderung sollte sein, keine eigenen inhaltlichen Vorgaben zu machen, sondern auf die Ideen und Wünsche der Teilnehmer und Teilnehmerinnen explizit einzugehen und diese gemeinsam mit ihnen weiter zu verfolgen. So soll mittelfristig ein freiwilliges und nachhaltiges Engagement von Saarner Bürgern und Bürgerinnen sowie Experten und Expertinnen für mehr Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit in ihrem Stadtteil  erreicht werden. Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Netzwerk mittelfristig möglichst selbstständig arbeiten kann.

Das zweite „Saarner Familienforum“ unter dem Motto „Visionen für einen kinderfreundlichen Stadtteil“ fand im November 2009 statt. An dieser sechs Stunden dauernden Veranstaltung nahmen rund 40 Saarner Bürger und Bürgerinnen teil. Aus den Visionen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen entwickelten sich im Verlauf dieser Veranstaltung Projektgruppen, die noch im Jahr 2009 mit organisatorischer Unterstützung der Netzwerkkoordinatorin ihre Arbeit aufnahmen. Es bestand Konsens, zweimal jährlich ein Familienforum einzuberufen, um dort über die Arbeit der Projektgruppen zu berichten und neue Ideen zu verfolgen.

Im April 2010 fand das dritte „Saarner Familienforum“ unter dem Titel „Gemeinsam für einen familienfreundlichen Stadtteil“ in der Begegnungsstätte Kloster Saarn statt. Neben dem Austausch über den Stand der bisherigen Projekte wurden Ideen für die Weiterentwicklung eines kinder-, jugend- und familienfreundlichen Stadtteils Saarn gesammelt. Am Ende der Veranstaltung verabschiedeten die TeilnehmerInnen eine „Saarner Erklärung“ zur Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit im Stadtteil, die für die Arbeit im Stadtteil handlungsbestimmend sein sollte.

Das vierte „Saaner Familienforum“ mit dem Titel „Familienfreundliche Strukturen in Saarn festigen“ tagte im September 2010 in den Räumen der Turnerschaft Saarn. Eine Referentin aus Altena (Westf.) berichtete über erfolgreiche intergenerative Netzwerkarbeit. Zudem fand erneut ein Austausch der Projektgruppen statt. Im Anschluss an das Familienforum bot das „Netzwerk der Generationen“ einen Rundgang durch das Dorf Saarn mit mölmschen Anekdoten an.

Das fünfte „Saarner Familienforum“ kam im Februar 2011 im Treffpunkt Behinderte und Nichtbehinderte der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt zusammen. Neben dem Austausch über die einzelnen Projektstände ging es diesmal um die Planung eines Familien-Stadtteilfestes, das im Juli 2011 stattfinden soll. Außerdem stellten sich weitere Initiativen (Generationenwerkstatt des CBEs, Saarner Bürgerverein, Sportpark Saarner Ruhraue, Spielplatzpaten, generationenübergreifendes Theater) vor, um über mögliche Kooperationen zu sprechen.

Projektgruppen:

Die aus dem zweiten „Saarner Familienforum“ hervorgegangenen Workshops werden seit 2010 kontinuierlich inhaltlich und organisatorisch vom „Mülheimer Bündnis für Familie“ begleitet. Folgende Projektgruppen sind derzeit aktiv:

Die Projektgruppe „Stammtisch für Familien in Saarn“ hat in ehrenamtlicher Arbeit einen Einladungs- und Informationsflyer entwickelt, gestaltet und in Saarn verteilt. Seit Februar 2010 treffen sich an jedem zweiten Freitag im Monat Alt- und Neusaarner zum Stammtisch. Die Resonanz ist stetig gestiegen. Derzeit nehmen bis zu 15 Personen an den Treffen teil. Die Runden werden sowohl von neu nach Saarn gezogenen Familien als auch von in Saarn etablierten Familien als Möglichkeit des Austauschs genutzt.

Die Projektgruppe „Saarner Jugendforum“ vernetzte sich von Anfang an mit den in der Jugendarbeit in Saarn aktiven und am Familienforum teilnehmenden Institutionen bzw. den dahinter stehenden Personen, die sich schnell zu einer festen Gruppe formierten und seitdem kontinuierlich zusammen arbeiten. In der Gruppe wurde zunächst überlegt, wie mit den Jugendlichen im Stadtteil am besten in Kontakt getreten werden könne. Die bisherigen Bemühungen im Stadtteil wurden als wenig erfolgversprechend angesehen. In Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit der Gesamtschule in Saarn wurde ein Fragebogen für Jugendliche entwickelt, mit dem die Interessen von Jugendlichen in Saarn abgefragt werden sollen, um dann zielgerechte Angebote vorhalten oder bestehende Angebote anpassen zu können. Anfang 2011 ist es gelungen, die Gesamtschule in Saarn als Partner für die Verteilung der Fragebögen an die Zielgruppe zu gewinnen. Auch der Jugendstadtrat ist einbezogen, um mit dessen Hilfe weitere Multiplikatoren zu gewinnen. Das Bildungsbüro und das Jugendamt sind über das entstehende Jugendforum informiert.

Die Projektpartner (Ev. Kirche, Treffpunkt für Behinderte und Nichtbehindert, Begegnungsstätte Saarn, Schulsozialarbeit der Gesamtschule Saarn - unter Leitung der Netzwerkkoordinatorin) einigten sich darauf, als einen ersten Zwischenschritt zum Jugendforum das Projekt „Saarn unter der Linse“ zu entwickeln und zu starten. Es wurden Jugendliche ab 13 Jahren gesucht und gefunden, mit denen die Netzwerkkoordinatorin im November 2010 einen Streifzug durch Saarn plante und durchführte. Die Jugendlichen haben „ihre Orte“ (positive oder negative) im Stadtteil fotografisch festgehalten und beschrieben. Diese Eindrücke vom Stadtteil werden in das Jugendforum einfließen und die Fragebogenaktion begleiten.

Die Projektgruppe „Saarner Kompass“  erarbeitete und layoutete mit Hilfe der Netzwerkkoordinatorin eine erste Auflage der Publikation, die für Familien relevante Angebote in Saarn enthalten wird. Der Kompass soll einen Überblick über Dienstleistungen, Ansprechpartner, Freizeitangebote etc. beinhalten und Familien im Stadtteil die Orientierung erleichtern. Die Veröffentlichung ist für das zweite Quartal 2011 geplant.

Die Projektgruppe „Gebäude in Saarn“ machte sich auf die Suche nach einem Gebäude in Saarn, in dem sich Familien treffen können bzw. in dem familienrelevante Aktivitäten stattfinden könnten. Da ein solcher Treffpunkt schon aus Kostengründen unwahrscheinlich scheint, wurde überlegt, welche anderen Räumlichkeiten genutzt werden könnten. Da die Begegnungsstätte Kloster Saarn ausgebucht ist, wurde darüber nachgedacht, das  Raumangebot der Familienzentren oder Schulen zu nutzen. Die Diskussion darüber hält an.

Die Projektgruppe „Kita-Vernetzung“ trifft sich regelmäßig. Im Mittelpunkt steht der Informationsaustausch zu Themen, die alle Kindertagesstätten betreffen oder interessieren (z.B. „Übergang Kita zur Grundschule – Vorstellung des Berliner Modells“, „Early Excellence Center“ etc.). Eine stärkere Vernetzung wird gewünscht.

Die Projektgruppe „Saarn im Koffer“ kooperiert mit dem „Netzwerk der Generationen – AG Saarn“. Es wurde ein Koffer entwickelt, in dem sich saarntypische Erinnerungen befinden. Anhand dieses Koffers soll der Kontakt und der Austausch zwischen den Generationen sowie eine Sensibilisierung für die Geschichte des eigenen Stadtteils hergestellt werden. Senioren und Seniorinnen gehen in Kindergärten und/oder Grundschulen und erzählen den Kindern anhand des Kofferinhaltes ihre Geschichte. Das Projekt könnte so ausgeweitet werden, dass auch Jugendliche einbezogen werden und diese ggf. in Senioreneinrichtungen über „ihr Saarn“ berichten. Es entstand zudem die Idee, das Kofferprojekt mit einem intergenerativen Besuchsdienst zu verknüpfen. Diese Möglichkeit wird weiter diskutiert.

Das „Saarner Familienforum“ und die einzelnen Arbeitsgruppen sind offen für alle Bürger und Bürgerinnen. Politik und Verwaltung sind jederzeit als Partner willkommen.

Kontakt


Stand: 24.05.2011

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