50 Jahre Europapreis der parlamentarischen Versammlung des Europarates in Sanitago de Compostela: "Rückblicke und Ausblicke auf eine Zusammenarbeit europäischer Städte" so lautete das Motto.

"Zusammengefasst ist es die ganz besondere Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die diesen Besuch kennzeichnete, gleichauf mit dem Austausch zwischen so unterschiedlichen europäischen Kommunen", so Stadtverordnete Margarete Wietelmann, SPD, die mit Bürgermeister Markus Püll zu der Jubiläumsversammlung nach Spanien reiste.

Die Reden zum 50. Jahrestag würdigten die Ausdauer und die Beständigkeit der beteiligten Kommunen im Hinblick auf städtepartnerschaftliche Beziehungen. Sie enthielten die Hoffnung, die Forderung und auch das Versprechen, weiter am europäischen Haus zu bauen. Gerade vor dem Hintergrund der Ablehnung der Europäischen Verfassung durch Frankreich und die Niederlande wurde dem eine besondere Bedeutung gegeben.

Zur Jubiläumsveranstaltung kamen Vertreter des Europarates mit Vertretern und Vertreterinnen zahlreicher Städte zusammen, die in den letzten 50 Jahren mit dem Europapreis ausgezeichnet wurden. So war etwa Ram Lakha, Lord Mayor von Coventry, anwesend - Coventry hatte 1955 die allererste Auszeichnung erhalten. Besondere Präsenz zeigten auch die "neuen" Europäer, die vornehmlich in den letzten Jahren geehrt worden waren wie Gydnia, Czestochowa (beide Polen) oder Klaipeda (Litauen).

Der Sankt Pöltener Stadtrat Willy Stiowicek hatte die Stadt Santiago de Compostela sogar als Pilger zu Fuß über den Jakobsweg erreicht - der Jakobsweg als Sinnbild für das Entstehen Europas. Gleich zwei Redner erinnerten an das Goethewort "Europa entstand über den Jakobsweg." Die diesjährige Preisträgerin, die Stadt Kaliningrad, war wegen der zeitgleich stattfindenden 750-Jahrfeier nicht vertreten und erhält den Preis später.

50 Jahre Europapreis: Der Weg von Coventry nach Kaliningrad spiegelt auch die europäische Geschichte wider. Neben der Feierstunde, an der Bürgermeister Püll einen zum Jubiläum erschienen Bildband mit allen Preisträgerstädten und eine Plakette mit dem Namen der Stadt Mülheim an der Ruhr und dem Jahr der Preisübergabe entgegennahm, dem Festkonzert und der Enthüllung einer Gedenktafel zu Erinnerung an dieses Jubiläum wurde natürlich auch gearbeitet. - Die Plakette kann in der Mülheimer Stadtbücherei in der Städtepartnerschaftsvitrine angeschaut werden. -

Foto: Preisübergabe durch Santiagos Oberbürgermeister, Xose Antonio Sanchez (links) und den Vizepräsidenten des Europarates, Claudio Azzolini (Mitte), an Bürgermeister Markus Püll.

An der Präsidiumssitzung der Europapreisträgerstädte nahmen die beiden Mülheimer Delegierten teil. Zunächst wurde über einen entsprechend dem Corporate Design gestalteten Internetauftritt der Preisträgerstädte diskutiert. Dann ging es natürlich um die weitere Arbeit. Österreich obliegt in der ersten Hälfte des nächsten Jahres die Europäische Ratspräsidentschaft und da liegt es nahe, die für 2006 geplante Generalversammlung vom 5. bis 7. Mai in Graz abzuhalten. Beschäftigen wird man sich dann mit der Frage nach den Auswirkungen der EU-Gesetzgebung auf die Kommunen.

Einig war man sich: Entscheidend für die Zukunft Europas ist die Jugend. Der nächstjährige Europatag der Jugendorganisationen in der Steiermark, an dem auch wieder junge Menschen aus Mülheim teilnehmen werden, steht dann unter dem Slogan "Eurotopia". Hintergrund ist die Erweiterung und zukünftige Ausrichtung Europas und soll die Visionen junger Europäer widerspiegeln. Schon im Vorfeld sollen die Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren Vorschläge erarbeiten und zum neuen Jugendtreffen mitbringen. Interessant war der Einwand der jüngsten Diskussionsteilnehmerin, der Europabeauftragten aus dem Berliner Bezirk Neukölln. Sie gehörte ganz offensichtlich noch zu dem vorgenannten Personenkreis und warf ein, junge Menschen interessierten weniger Visionen denn klare Vorstellungen, wie sich ihre Zukunft entwickeln soll. Letztlich ging es noch um die nächsten Präsidiumssitzungen. Passau, das eigentlich im nächsten Jahr an der Reihe wäre, verzichtete zugunsten der kleine hessischen Kommune Braunfels, die 2006 ihre 25-Jahr-Feier der Verleihung des Europapreises feierlich begehen möchte. Passau wird dann 2007 Gastgeberin sein.

Zum Stichwort Jubiläum: Im Jahr des Mülheimer Stadtjubiläums 2008 kann auch Mülheim ein kleines Europajubiläum feiern: Die Stadt an der Ruhr erhielt 1993 den Europapreis.

"Für uns sollte das zugleich Ansporn sein, die Aktivitäten in Richtung Europa zu verstärken - nicht zuletzt um zu zeigen: Europa hat Zukunft, auch wenn es im Moment so scheint, als sei es in einer Sackgasse. Doch Europa ist mehr als europäische Politik, als europäische Gesetze oder eine einheitliche Währung. Das hat dieses Treffen deutlich gemacht", so Margarete Wietelmann.

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Stand: 13.07.2005

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