Abenteuer Integration: Eine Schule betritt Neuland

Schüler und Lehrer des Berufskollegs Lehnerstraße setzen Projekte zur Integration von geflüchteten Jugendlichen um

Entwickelt haben sie die Ideen in einem Workshop, der von „Das macht Schule“ initiiert worden ist. Am 26. September 2017 präsentieren sie ihre Ergebnisse interessierten Schulen aus Nordrhein-Westfalen.

Ein Schüler wird durch den Raum geschubst. Er ist neu an der Schule, die Familie ist vom Land in die Stadt gezogen. Die anderen beschimpfen ihn als Landei, schließen ihn aus. Eine Schülerin, versucht zu vermitteln. Der neue Schüler spielt gerne Fußball, sie nimmt ihn mit zu einem Spiel. Die anderen maulen herum, er soll zurückgehen, wo er herkommt. Die Schülerin bleibt hartnäckig, sie sollen ihm doch eine Chance geben. Sie einigen sich, er darf mitspielen. Das Eis ist nach der ersten Halbzeit gebrochen. Den neuen Schüler gibt es nicht, es ist ein Rollenspiel an einem Samstagnachmittag im Berufskolleg Lehnerstraße in Mülheim. Drei Gruppen präsentieren in einem Workshop ihre Ideen wie sie geflüchtete Jugendliche an ihrer Schule integrieren können. Zwei Tage investierten Schüler, Lehrer und Eltern an diesem Wochenende, um gemeinsam der Frage auf den Grund zu gehen wie sie durch erlebnisorientierte Projekte ein aktives Schulleben entwickeln können? Ins Leben gerufen hat den Willkommens-Workshop „Das macht Schule“ – professionell unterstützt wurden die 21 Teilnehmenden von Moderatoren der „Initiative Neues Lernen“.

Schüler und Lehrer des Berufskollegs Lehnerstraße setzen Projekte zur Integration von geflüchteten Jugendlichen um.

Vom Lernraum zum Lebensraum

Aufmerksam auf den Workshop wurde die Bürgerstiftung Mülheim an der Ruhr, die sofort an das Berufskolleg Lehnerstraße dachte, das rund 80 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, die aus Krisengebieten geflohen sind. Das Schulleben integrativ zu gestalten, stellt die Lehrerinnen und Lehrer im Berufskolleg mit insgesamt 1.400 Schülern vor besondere organisatorische Herausforderungen. Die Schülerinnen und Schüler streben unterschiedliche Bildungsgänge an wie zum Beispiel die Allgemeine Hochschulreife, die Fachhochschulreife oder die Berufsschule. Hinzu kommt die kulturelle Vielfalt in den internationalen Förderklassen. „Der schulische Hintergrund ist sehr unterschiedlich und geht von fehlender Alphabetisierung bis hin zu vorhandenen schulischen Erfahrungen. Die internationale Förderklasse, die seit zwei Jahren bei uns ist, kann dem Unterricht mittlerweile sehr gut folgen“, sagt Schulleiterin Roswitha Neumann-Weber.

Mut zur Integration

Auch Jugendliche aus den internationalen Förderklassen waren mutig genug, um an dem Workshop teilzunehmen, ihre Deutschkenntnisse unter Beweis zu stellen und ihre Wünsche zu äußern. Sie fühlen sich zwar zugehörig zu ihrem Bildungsgang, aber nicht in die Schule integriert. Es gibt keine Anknüpfungspunkte. In dem Workshop kristallisierte sich heraus, dass auch die anderen Schüler ähnliche Erfahrungen gemacht haben und so gut wie keine Kontakte über ihre Klasse hinaus besitzen. „Dass der Wunsch nach einem Schulleben, unabhängig von Bildungsgängen und Klassenzusammensetzungen, da war, das war für uns eine sehr wichtige neue Erkenntnis“, so Neumann-Weber.

Eine Landkarte der Ideen

In Teams zielgerichtet zu arbeiten, kommt in einem Berufskolleg eher selten vor. Die Motivation war groß, die Schüler liefen zu Hochtouren auf. Wo stehen wir heute? Wohin soll unsere Reise gehen? Schüler, Lehrer und Eltern diskutierten Ideen, fütterten die weißen Blätter der Flipcharts mit Sätzen, markierten mit pinkfarbenen Notizzetteln die ersten Abläufe. Eine Landkarte der Ideen ist entstanden. Die offene Arbeitsatmosphäre war für alle eine Bereicherung, sagt Schulleiterin Roswitha Neumann-Weber: „Es hat uns sehr berührt und überrascht, wie konstruktiv die jungen Erwachsenen sich mit dem Leben an der Schule auseinandergesetzt haben, um dieses voranzubringen.“ Vier Monate später steht das erste gemeinsame Projekt auf den Beinen. Die Schule veranstaltet im Juni ein Klassen übergreifendes Kicker-Turnier an dem alle Schüler und Lehrer teilnehmen, um das Wir-Gefühl zu stärken. Ebenfalls war der Workshop der Startschuss für eine erste Arbeitsgemeinschaft von Schülern und Lehrern, die weitere Veranstaltungen umsetzen werden.

Erlebnisse und Ergebnisse teilen

So viel motivierende Erfahrungen sollte man weitergeben. Im vergangenen Jahr fanden bundesweit insgesamt zehn Workshops statt, die von „Das macht Schule“ vermittelt worden sind. Damit auch andere Schulen in Nordrhein-Westfalen davon profitieren können, präsentieren die Schüler und Lehrer aus dem Workshop des Berufskollegs Lehnerstraße ihre Ergebnisse am Dienstag, 26. September 2017, von
16.00 bis 20.30 Uhr im Forum, Lehnerstraße 67, 45481 Mülheim an der Ruhr.
Die Veranstaltung bietet interessierten Lehrern, Schülern und Eltern die Möglichkeit, eigene Ideen zu reflektieren und sich vor Ort auszutauschen.

Wer Interesse hat, an der Veranstaltung teilzunehmen, kann sich hier anmelden:

www.das-macht-schule.net/anmeldung-abenteuer-integration

 


Stand: 13.09.2017

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