Archiv-Beitrag vom 08.07.2009Aktion "Stolpersteine" in Mülheim an der Ruhr

Das Geschichts- und Erinnerungsprojekt zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur


Die Realschule Stadtmitte hatte im Jahre 2004 begonnen, in der Erinnerung an ehemalige Schülerinnen und Schüler dieser Schule gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig die von ihm entwickelten "Stolpersteine" zu verlegen. Die MIT – Mülheimer Initiative für Toleranz hat es übernommen, diese wichtige Aufgabe zur Aufbereitung eines wesentlichen Teiles unserer Stadtgeschichte fortzuführen.

Seit jetzt drei Jahren ist der Arbeitskreis "Stolpersteine" der MIT tätig. Mülheimer recherchieren mit Unterstützung des Stadtarchivs die Schicksale von Mitbürgerinnen und Mitbürgern jüdischen Glaubens, politisch Verfolgten, Sinti und Roma, Lesben und Schwulen, Behinderten, Zeugen Jehovas und Deserteuren, die Opfer der Nazis wurden.

 

Hermann Haber, in dern 1920er Jahren eine stadtbekannte Persönlichkeitm, Maler, Zeichner und Karrikaturist, der in der Mülheimer Zeitung eine feste Kolumne hatte

Postkarte von Hermann Haber aus dem Exil in Amsterdam an seinen Künstlerkollegen Heinrich Siepmann

Foto links:
Hermann Haber, in den 1920er Jahren eine stadtbekannte Persönlichkeit, Maler, Zeichner und Karrikaturist, der in der Mülheimer Zeitung eine feste Kolumne hatte.

Foto rechts:
Postkarte von Hermann Haber aus dem Exil in Amsterdam an seinen Künstlerkollegen Heinrich Siepmann


Die Akteure ziehen jetzt eine Zwischenbilanz:

Die letzten Verlegungen von "Stolpersteinen" in Mülheim an der Ruhr fanden statt am 5. Dezember 2008 und 2. April 2009, die dazu gehörenden Opfer-Biografien sind jetzt erschienen.

Im Dezember 2008 wurden "Stolpersteine" verlegt für: Familie Brav, Familie Brender, Wilhelm Bross, Otto Gaudig, Eleonore Kaiser, Hermann Meynen, Familie Rosenbaum und Familie Saß

Im April 2009 wurden "Stolpersteine" verlegt für: Eheleute Haber, Johann Hörstgen, Eheleute Kaufmann, Anna Lehnkering, Paul Meister und Fritz Terres.

 Anna Lehnkering, 1935 im Ev. Krankenhaus, erstes Euthanasie-Opfer aus Mülheim an der Ruhr, das mit einem Stolperstein geehrt wurde.

Foto:
Anna Lehnkering, 1935 im Ev. Krankenhaus, erstes Euthanasie-Opfer aus Mülheim an der Ruhr, das mit einem Stolperstein geehrt wurde.

 

Inzwischen liegen 52 "Stolpersteine" an 37 Stellen im Stadtgebiet.

Für Anfang Dezember 2009 ist die nächste Verlegung mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig verabredet.  Der Arbeitskreis "Stolpersteine" der MIT hofft, dass bei der Dezember-Verlegung an 12 Stellen weitere 21 "Stolpersteine" verlegt werden können. In diesem Rahmen wollen will er die Vorarbeiten zur Recherche von Opfer-Biografien erstellen.

Für 2010 ist eine weitere Verlegung durch Gunter Demnig zugesagt.

 

alle Fotos: MIT - Mülheimer Initiative für Toleranz

 

Die Recherchen nach den Opfern der Nazi-Diktatur müssen weiter gehen

Die Akteure ziehen eine Zwischenbilanz (Stimmen):

 

Hans-Dieter Strunck: "Die von uns herausgegebene und von der Sparkassen-Stiftung finanzierte Dokumentationsmappe mit den Beschreibungen der einzelnen Opfer-Biografien erfreut sich einer großen Aufmerksamkeit. Viele Schulen, Jugendheime, Pfarrerinnen und Pfarrer haben diese Dokumentation angefordert, um damit zu arbeiten. Die neuen Opfer-Biografien werden jetzt automatisch an die Bezieher der Dokumentations-Mappe verschickt."

 

Friedrich-Wilhelm von Gehlen: "Als besonders erfreulich möchte ich die Tatsache erwähnen, dass eine Mülheimer Tageszeitung in ihrer lokalen Berichterstattung unserer Arbeit einen breiten Raum widmet. Bislang wurden, neben der normalen Berichterstattung die Biografien der Opfer, an die wir mit den, Stolpersteinen' erinnern, im Einzelnen der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir sind zuversichtlich, dass diese besondere Form der Unterstützung auch künftig beibehalten werden wird."

 

Jens Roepstorff: "22 Schülerinnen und Schüler der Realschule Mellinghofer Straße haben sich zur Übernahme einer Patenschaft für einen oder mehrere, Stolpersteine' bereit erklärt. Sie pflegen die Steine und schauen, dass sie nicht zerstört werden. Ihr Einsatz wurde inzwischen durch die Bürgerstiftung mit einem besonderen Preis für ihr Engagement für Zivilcourage anerkannt und ausgezeichnet."

 

Friedrich-Wilhelm von Gehlen: "Erwähnen möchte ich auch ein Projekt der Realschule Broich zu diesem Thema. Hier haben Schülerinnen und Schüler unter anderem durch eine Befragung von Passanten an vier verschiedenen Verlegeorten ermittelt, dass sich 85 % der Befragten für eine Fortsetzung der Verlegung von, Stolpersteinen' aussprechen. Allein dieses zufällige Ergebnis motiviert uns, im Arbeitskreis an diesem Thema weiter zu arbeiten.

 

Hans-Dieter Strunck: "Zur Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit sind Mitglieder des Arbeitskreises inzwischen in vier kirchlichen Gruppen von drei evangelischen Kirchengemeinden unterwegs gewesen und haben die Arbeit der Aktion, Stolpersteine' vorgestellt. Treffen mit zwei weiteren Gemeinden zur Information über die Aktion sind bereits vereinbart. Aus meiner Sicht spielt unsere Aktion in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit aber insgesamt eine nur untergeordnete Rolle."

 

Jens Roepstorff: "Die Recherchen der Opfer-Biografien fallen zunehmend schwerer. Das Material und die Quellen sind dünn. Über 60 Jahre nach Ende der Diktatur sind viele Schicksale nur noch bruchstückhaft zu ermitteln."

 

Friedrich-Wilhelm von Gehlen: "Wir können und wollen weiter machen. Der Arbeitskreis, Stolpersteine' verfügt noch über Finanzmittel für die Verlegung von 40 weiteren, Stolpersteinen'.
Die Aktion ist auf der Internetseite www.stolpersteine-mh.de immer aktualisiert präsent."

 

Kontakt


Stand: 06.10.2009

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