(Kleine Vorbemerkung. Dieser Beitrag kommt mit einem Augenzwinkern daher; -). Denn wir sind uns bewusst, dass möglicherweise einige Leser nach der „Ernsthaftigkeit“ fragen werden. Unser wichtiges und ernsthaftes Thema Migration also einmal anders gesehen. Oder: Migration auf vier Beinen.)
Ich kann mich noch genau erinnern, und ich erzähle diese Geschichte immer wieder gerne, immer noch mit einem Schmunzeln mitten im Gesicht. Es ist eine etwas andere Geschichte über Migration, etwas für Katzen-Liebhaber-Herzen. Also, vor ungefähr zehn Jahren rief mich mein jüngster Sohn aus Portugal an, damals 12 Jahre jung. Die Familie war an der Algarve und ließ es sich gut gehen, während ich hier schauen musste, wie die Jobs auf dem Schreibtisch geregelt wurden. „Papa, Papa, hier in unserem Bungalow sind sechs ganz kleine Katzen. Die sind süß! Die rennen über alle Möbel und die Vorhänge rauf und runter.“ „Bringt die bloß nicht alle mit!“, war meine Antwort, oder eher mein Flehen oder mein verzweifelter Aufschrei. Wie auch immer, ich war beunruhigt.
Um das verstehen zu können, um mein heftiges Rufen ins Telefon richtig einordnen zu können, hier ein kleiner Rückblick in das Haus Arnhild und Klaus Wichmann. Das ist ein Katzenhaus. Hier bei uns, solange wir verheiratet unter einem Dach wohnen, gab es immer Katzen. Viele Katzen. Nicht alle haben uns gehört, viele waren nur auf Besuch, in Urlaubsvertretung zum Beispiel. Andere wurden aufgepäppelt, nachdem sie draußen irgendwo, weil wild oder ausgesetzt, eingefangen wurden um dann weiter vermittelt zu werden, in hoffentlich gute Hände. Das war Teil der Arbeit meiner Frau, die sich im Catsitter-Club nützlich machte. Und auch die beiden Söhne hatten immer Spaß an den Schmusetieren. Dann gab es da noch die Katzen meiner Schwägerin, meines Schwiegervaters, auch die fühlten sich bei uns zu Besuch recht wohl.
Und so sind in den vergangenen 30 Jahren mehrere Dutzend Katzen bei uns ein und ausgegangen. Die eigenen hatten es recht komfortabel. Fast immer konnten sie nach draußen, machten den Weg über die Katzenklappe ins Freie. Da waren Pitti, Fritzi, Mohri, Gräuli, Oskar, Mohrenkopf, Kater Karl, Öhrchen und und und.. . deshalb hängen bei uns auch die Wände voller selbst gemalter Bilder von den Samtpfoten und etliche Bücher mit Illustrationen zu diesem Katzenglück gibt es auch.
Also: „Bringt die bloß nicht alle mit!“, war eine spontane Äußerung, die ich nicht unbegründet ausgerufen habe. Kannte ich doch meine Familie. Alles, was vier Pfoten besaß und schnurren konnte, war nach kurzem Hinsehen schon Teil der Familie. Man beruhigte mich; man versprach nicht alle sechs Katzen mitzubringen und ich konnte darauf in Ruhe ein Bier trinken und an was anderes denken.
Der Tag kam, da ich mich mit dem Auto auf nach Düsseldorf machte um die Familienbande vom Flughafen abzuholen. Winkend sah man sich von weitem. Sie kennen das, da an der Ausgangstür, wo man mit Blumen oder in Begleitung von Oma wartet. Die Begrüßung war herzlich, mein ältester Sohn, damals 15 Jahre und schon um Einiges größer als ich, weshalb ich zu ihm aufschauen musste, grinst wie blöd. Und ich habe es nicht geschnallt, wegen Blickrichtung nach oben. Lässig – an seiner Hand – baumelte unten ein kleines Katzenkörbchen. Ich glaube rot war das, womöglich wegen der Farbe der Airline. Und der begleitende Spruch war ganz einfach: „Wir haben nicht alle Katzen mitgebracht, nur zwei!“ Na klasse, zwei weitere Katzen im Haus. Glaube, ich habe recht gelassen reagiert – und lachen musste ich auch. PS: Natürlich waren die Katzen vorher beim Tierarzt, hatten eine Wurmkur in Portugal bekommen, hatten einen internationalen Impfpass und waren auch ordentlich bei der Fluggesellschaft angemeldet. Wenn meine Familie sich solche Scherze ausdenkt, dann auch richtig.
Seit dem lebt der Vierbeiner Anna bei uns in Deutschland, die Migrantin aus Portugal. Ihre Schwester ist leider schon ganz früh von einem Auto überfahren worden. Das Katzenteam hieß damals „Chaoscats“, siehe oben, wegen der Gardinen. Anna ist unser Liebling, eine richtige kleine Schönheit, so richtig bunt, weiß und rot und grau und getigert. Gut gebaut, nicht dick, sie hat sich gut gehalten, auch mit jetzt zwölf Jahren. Sie hält unseren Garten und den der Nachbarn frei von Mäusen. Und ab und zu bringt sie auch mal anderes Getier mit nach Hause, das Biest. So ist sie, Anna, die Schöne aus Portugal.
Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im Juli 2009
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