Archiv-Beitrag vom 18.02.2009Anstieg der Jugendkriminalität?

Prof. Dr. jur. Christian Pfeiffer Gastredner zum Thema "Was tun gegen Jugendkriminalität?"

 

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld konnte am Dienstag (17.02.2009) rund 300  Vertreter von Verwaltung, Polizei, Schule und Kirche in der Stadthalle zur Fachtagung "Anstieg der Jugendkriminalität?" begrüßen. Und sie machte bereits in ihrer Begrüßungsrede deutlich, wie wichtig ihr dieses Thema ist.

"Wenn über die Sicherheit in Städten gesprochen wird, ist es leider inzwischen so, dass auch der Umgang mit Jugendkriminalität ein zentrales Thema ist. Daran, dass es eine gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Kirche, der Polizei und der Verwaltung ist, kann man ablesen, dass wichtige Partner in der Stadt diese Einschätzung teilen.", so die Oberbügermeisterin.
In Mülheim seien die Probleme im Vergleich mit anderen Großstädten im Revier zwar sicherlich noch überschaubar, allerdings dürfe dies kein Grund dafür sein, sich "aufs Ruhekissen zu legen". Auch in Mülheim sei spürbar, dass sich etwas verändert hat im Zusammenhang mit Jugendkriminalität."

Daten zur Quantität lieferten Petra Dahles von der Polizeiinspektion Essen/Mülheim und Denis Leusmann von der Jugendgerichtshilfe. Hier wird auch deutlich, dass sich von nackten Zahlen unabhängig die Qualität von Kriminalität im Jugendbereich verändert. Dass bereits ganz junge Menschen -fast noch Kinder- schwere Körperverletzungen begehen, sich gegenseitig berauben, auch dass zunehmend Mädchen an solchen Taten beteiligt sind, ist erschreckend und alarmierend. Auch wenn diese Zahlen im Vergleich zu Essen noch relativ gering sind.

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld möchte für Mülheim weiteren Entwicklungen ins Negative vorbeugen. "Maßnahmen, die präventiv wirken, vorzuhalten, ist das Eine. Da gibt es eine ganze Reihe von Angeboten, vielleicht gibt es aber auch noch sinnvolle Ergänzungen dieser Palette.  Aber auf der anderen Seite muss auch die Botschaft stehen: "Bis hierhin und nicht weiter!" Wenn es den Elternhäusern nicht mehr in jedem Fall gelingt, diese Grenze zu setzen, muss es die Gesellschaft tun."

"Wir müssen den Nachmittag der Kinder retten!" forderte denn auch Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminoligischen Forschungsinstitiuts Niedersachsen, in seinem Vortrag. Um das "wie" entspann sich eine lebhafte Diskussion.

 

Podium zur Fachtagung Anstieg der Jugendkriminalität? am 17.02.2009 in der Stadthalle

Podiumsteilnehmer: (von links nach rechts - Denis Leusmann, Petra Dahles, Birgit Hirsch-Palepu, Ulrike Nixdorff, Martin Rieth, Katrin Schmidt und Prof. Dr. Christian Pfeiffer) - Foto: Annika Lante

 

 

In vielen Zielvorstellungen stimmten die Praktikerinnen und Praktiker mit dem Gastreferenten überein. Prof. Pfeiffer: "Wir haben gerade Milliarden für die Bankenkrise ausgegeben. Haben wir denn nicht auch eine Erziehungskrise?" Hierzu gab es viel Applaus.

Ein weiteres Ergebnis aus einer Studie, allerdings nur in Hannover: "Besonders viele kriminelle Jugendliche mit hohem Gewaltpotential sind unter den Besuchern von Jugendzentren zu finden", so Pfeiffer. Diese Aussage provoziert allerdings in Mülheim Widerstand und wird von vielen Teilnehmern nicht geteilt.

Ein richtiger Lösungsansatz ist hier sicherlich ein Modell, das in allen Diskussionsbeiträgen und im engagierten Vortrag von Prof. Dr. Pfeiffer stetig mitschwang: das Modell der Zukunftsschule. Stadteilzentren sind sowohl aus Forschungs- und aus pädagogischer Sicht der richtige Weg. 

Diese Plädoyer für Stadtteilschule teilt Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld uneingeschränkt: "Für eine gute Erziehung braucht es ein ganzes Dorf" zitiert Dagmar Mühlenfeld ein afrikanisches Sprichwort.

Mit der Zukunftsschule wird in Mülheim -allerdings zunächst nur in Eppinghofen- ein Bildungsstandort geschaffen, der für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Teilhabe, Integration und Bildungschancen innerhalb der Stadtgesellschaft verbessert. Die Verzahnung von Kindertageseinrichtung, Grund- und weiterführender Schule sowie der Jugendhilfe und der offenen Kinder- und Jugendarbeit soll dazu dienen, Angebote und Aufgaben des Bildungssystems und auch des Jugendhilfesystems aufeinander abzustimmen.

Dazu gehört aus Sicht der Oberbürgermeisterin ebenfalls die Zusammenarbeit mit den Jugendzentren, die seit Jahren erfolgreich praktiziert wird. Trotzdem stellt sich die Frage nach weiterer Optimierung und Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Schulen.

Letztenendes kann die Frage nach einem Anstieg der Jugendkriminalität für Mülheim verneint werden. Die Zahl der Anzeigen ist gestiegen und damit die Bereitschaft der Opfer sich zu wehren....

 

 

 

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Stand: 24.02.2009

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