Archiv-Beitrag vom 26.11.2008Auftaktveranstaltung zur Sozialraumorientierung in den Hilfen zur Erziehung

Diskussion mit Experten und Fachkräften aus Erziehung und Bildung


In Kooperation mit den Wohlfahrtsverbänden möchte die Stadt Mülheim an der Ruhr ein fachliches Konzept zur Sozialraumorientierung der Hilfen zur Erziehung entwickeln. Fachliche Begleitung und Unterstützung erhält dieses Projekt durch das Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB), einer wissenschaftlichen Einrichtung der Universität Duisburg / Essen. Das ISSAB beschäftigt sich unter anderem mit der Erarbeitung von Grundlagen und Ansätzen sozialraumorientierter sozialer Arbeit.

Sozialdezernent Ulrich Ernst lud daher zu einer Auftaktveranstaltung zur Sozialraumorientierung in den Hilfen zur Erziehung am 24. November in die Stadthalle Experten der ISSAB und Fachkräfte aus Erziehung und Bildung, um ausführlich über dieses Projekt zu informieren. Der Einladung des Sozialdezernenten folgten rund 90 Personen (Fachkräfte des Kommunalen Sozialen Dienstes, Geschäftsführer und Fachkräfte der Wohlfahrtsverbände, VertreterInnen aus den Fachbereichen der Verwaltung sowie Vertreter der Fraktionen aus dem Mülheimer Sozialdialog). Eine erfreuliche Anzahl, zeigte dies doch das rege Interesse an dem Thema und den Willen aller aktiv mit dabei sein zu wollen.

Auftaktveranstaltung; Hilfen zur Erziehung (ISSAB), Stadthalle. 24.11.2008 Foto: Walter Schernstein

Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld begrüßte die Gäste zur Auftaktveranstaltung zur Sozialraumorientierung in den Hilfen zur Erziehung im gut gefüllten Foyer der Stadthalle - Foto: Walter Schernstein

 


 

In ihrer Begrüßungsrede wies Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld auf die besondere Bedeutung des Themas in unserer Stadt hin. Schwierige Problemlagen, wie Arbeitslosigkeit, Überschuldung, Armut, drohender Wohnungsverlust, Trennung, Scheidung, erzieherische Überforderung bilden den fundamentalen Bezugsrahmen kommunaler sozialer Hilfen und kommunaler sozialer Arbeit. "Diese professionelle soziale Arbeit wird von den Sozialen Diensten der Stadt sowie der Wohlfahrtsverbände geleistet", so Dagmar Mühlenfeld. "Ziel der Jugendhilfe ist, positive Lebensbedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien zu schaffen. Dafür engagieren Sie sich tagtäglich".

Ein wesentlicher Beitrag werde durch die Hilfen zur Erziehung sichergestellt.
Das Fachkonzept "Sozialraumorientierung" finde vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe breite Aufmerksamkeit.
Es arbeite an den Möglichkeiten und Ressourcen des Quartiers, ebenso wie es an denen der dort lebenden Menschen ansetze, um zur Verbesserung dieser Lebensbedingungen beizutragen. Unterstützungen und Hilfen für Kinder und Eltern sollen also organisiert werden, dort wo sie gebraucht werden.

Konkret bedeute dies:

 Hilfen gemeinsam mit den Ratsuchenden zu entwickeln
 Fähigkeiten und Stärken der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen
 Bestehende Hilfe durch die Familie, die Nachbarschaft und das Viertel zu nutzen
 Hilfen für Kinder und Jugendliche außerhalb der Familie möglichst zu vermeiden und
 Anregungen und Wünsche von Bürgerinnen und Bürgern aufzugreifen.

 

Auftaktveranstaltung; Hilfen zur Erziehung (ISSAB), Stadthalle. 24.11.2008 Foto: Walter Schernstein

Sozialderzernent Ulrich Ernst mit seinem Vortrag zur "Sozialraumorientierung als Chance und Herausforderung für die Stadt Mülheim an der Ruhr - Foto: Walter Schernstein


 

Ulrich Ernst richtete in dem Zusammenhang in seiner anschließende Rede zur "Sozialraumorientierung als Chance und Herausforderung für die Stadt Mülheim an der Ruhr den Blick auch auf weitere wichtige Projekte in Mülheim an der Ruhr, wie Zukunftsschule Mülheim/Eppinghofen, Stadtteilmanagement Eppinghofen, "Prima Leben", Erziehungs- und Bildungspatenschaften im Stadtteil Eppinghofen und nicht zuletzt die gute pädagogische Arbeit in der Kindertagesstätten (Kitas) vor Ort. "Es leben überproportional viele Kinder in Armut, mit wenig Bildungschancen.", so Ernst. Alle diese Projekte steuern dieser Entwicklung massiv entgegen und verbessern so die Bildungs- und Betreuungssituation durch Kooperationen und engere Vernetzung der Angebote von Schule und Kindergärten nachhaltig.

 

 

Auftaktveranstaltung; Hilfen zur Erziehung (ISSAB), Stadthalle. 24.11.2008 Foto: Walter Schernstein

 

Prof. Dr. Wolfgang Hinte von der ISAAB bei seinem Vortrag zum Thema "Sozialorientierung in der Jugendhilfe - Foto: Walter Schernstein

 

 


 

Prof. Dr. Wolfgang Hinte sieht die Hilfen zur Erziehung ebenfalls als einen wichtigen Bestandteil bei Sozialraumorientierung. In seinem Impulsreferat zur "Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe" gab er konkrete Beispiele."Es geht, um das auch ganz deutlich zu sagen, hier nicht um die Frage, wie man am besten sparen kann, sondern um die Frage, wie man das vorhandene Geld am besten im Sinne der gesetzlichen Vorgaben und des Wohlergehens der Kinder, der Jugendlichen und ihrer Familien einsetzt.", so Hinte in seinem Vortrag.

Das Konzept der sozialraumorientierten Jugendhilfe verfolge eine Abkehr von der bisherigen Versäulung der Hilfen zur Erziehung. Es habe zum Ziel, traditionelle, institutsbezogene und auch etatistische Betrachtungsweisen und Lösungsansätze zugunsten von Problemlösungs-strategien, die auf Ganzheitlichkeit, Vernetzung, Kommunikation und Kooperation angelegt sind, zu verändern.

Dieses Ziel und die damit verbundene Ausrichtung auf Sozialräume trage inhaltlich zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit bei und überwinde so  das "Bereichsdenken" sowie eine "Segmentierung" von Kindern und Jugendlichen nach Zuständigkeiten, die sich meist auf Gesetze berufen.

 

Klaus Konietzka, Leiter des Sozialamtes der Stadt Mülheim an der Ruhr, freute sich abschließend, dass mit der Veranstaltung "der Blick nicht in der Leere des Raumes hängen bleibt, sondern man habe heute viele Anregungen bekommen, wie wir den Herausforderungen begegnen können und uns neu aufstellen sollten".

Auftaktveranstaltung; Hilfen zur Erziehung (ISSAB), Stadthalle. 24.11.2008 Foto: Walter Schernstein

vorne v.l.: Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Sozialdezernent Ulrich Ernst und Sozialamtsleiter Klaus Konietzka - Foto: Walter Schernstein

 


 

Wie geht es weiter?

 

Für die kommende Arbeit, wurde bereits eine Arbeitsstruktur gebildet und wird ganz im Sinne der bisherigen guten Zusammenarbeit die Ziele gemeinsam entwickeln und auch realisieren. "Wir sind gut gerüstet und ich schaue dem optimistisch entgegen, wie wir mit Mut und auch Lernbereitschaft neue Wege in Richtung einer wirkungsvollen und fachlich hochwertigen Jugendhilfe einschlagen werden.", so Klaus Konietzka in seinem Fazit und Ausblick.


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Stand: 01.12.2008

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