Ausbilder und die "Jugend von heute"

Arbeitskreis Berufsausbildung des Unternehmerverbandes tauschte sich über „Recruiting“ und „Digitalisierte Bildung“ aus

Wie gewinnt man den passenden Azubi für sein Unternehmen? Wie hält man ihn bei der Stange und vermeidet Ausbildungsabbrüche? Wie macht man technische Berufe auch für Mädchen und soziale Berufe auch für Jungen attraktiv? Über diese Fragen tauschten sich bei einer regen Diskussion Personalverantwortliche hiesiger Unternehmen aus, die zum „Arbeitskreis Berufsausbildung“ des Unternehmerverbandes nun im HAUS DER UNTERNEHMER zusammenkamen.

Beim Arbeitskreis Berufsausbildung des Unternehmerverbandes diskutierten (v. l.) Jörg Brodka und Silke Nocker vom Berufskolleg Stadtmitte mit Personalverantwortlichen hiesiger Unternehmen. Organisiert wurde der rege Austausch vom Vorsitzenden des Arbeitskreises, Ferdinand Walbaum, Siemens Mülheim, sowie Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmverbandes.

Beim Arbeitskreis Berufsausbildung des Unternehmerverbandes diskutierten (v. l.) Jörg Brodka und Silke Nocker vom Berufskolleg Stadtmitte mit Personalverantwortlichen hiesiger Unternehmen. Organisiert wurde der rege Austausch vom Vorsitzenden des Arbeitskreises, Ferdinand Walbaum, Siemens Mülheim, sowie Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmverbandes.

(Foto: Unternehmerverband)

„Mechaniker, Einzelhandelskaufleute, Erzieher oder Pflegekräfte – auch wenn die Branchen sehr unterschiedlich sind, haben die Unternehmen in Sachen Ausbildung doch sehr ähnliche Herausforderungen“, stellte Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, fest. Ihnen erfolgreich zu begegnen war Ziel dieses Austausches. Schmitz: „Es gibt häufig ebenso viele unversorgte Bewerber wie unbesetzte Stellen. Gerade in technischen wie auch sozialen Berufen müssen wir es schaffen, diese passgenau zusammenbringen.“

„Dieses Matching-Problem beruht nicht nur auf regional unterschiedlichen Bewerberzahlen und Ausbildungsangeboten. Manchmal fehlt es bei den Bewerbern auch an den für den gewünschten Beruf erforderlichen Kompetenzen sowie häufig an eine geringe Flexibilität bei der Wahl des Ausbildungsstandortes“, erläuterte Ferdinand Walbaum, Siemens Professional Education (Mülheim), der dem Arbeitskreis vorsteht. Ihre Erfahrungen bei Recruiting und Auswahlverfahren tauschten die 20 Teilnehmer dann offen aus. Beim Lebensmittel-Einzelhändler etwa hat sich ein Pflichtpraktikum bewährt. Dabei können auch Schüler mit weniger guten Noten unter Beweis stellen, dass sie gute praktische Fähigkeiten haben und auch verlässlich sind. Auch ein Krankenhaus in dieser Region testet bei Praktika vorab, ob die Bewerber sich aller Konsequenzen ihrer Berufswahl – pflegerische Tätigkeiten sind nun mal intim und körperlich anstrengend – bewusst sind.

Alle Personalverantwortlichen waren sich einig, dass die Eltern sowohl bei Berufswahl als auch Erziehung mehr Verantwortung übernehmen müssen. Walbaum fasste zusammen: „Entscheidend muss sein, wie sich Jugendliche beruflich entwickeln wollen, und nicht das, was ihre Eltern als angemessen für sie erachten. Denn bei der schulischen Bildung legt das Abitur nicht unbedingt den Grundstein für eine tolle berufliche Karriere!“ Für Heiterkeit und Bedauern zugleich sorgte der Austausch über Jugendliche in Bewerbungsgesprächen – diese Situationen erleben die Ausbilder fast täglich: Sitzenbleiben bei der Begrüßung, Hände in den Taschen und Kaugummi kauen beim Vorstellungsgespräch oder die umgangssprachliche Ausdrucksweise. „Die erzieherische Verantwortung für ein respektvolles Verhalten im täglichen Umgang mit Menschen betrifft Eltern, Lehrer in Schulen sowie Mitarbeiter in den Unternehmen gemeinsam“, war Walbaums Plädoyer.

Rege Diskussion über Ausbildung zwischen Schule und Unternehmen

Eine weitere Sichtweise auf die „Jugend von heute“ nahmen zwei Pädagogen ein: Der Schulleiter des Berufskollegs Stadtmitte der Stadt Mülheim an der Ruhr, Oberstudienrat Dipl.-Ing. Jörg Brodka, und seine Abteilungsleiterin für Erziehungsberufe Silke Nocker stellten zur Diskussion, ob nicht Schüler z. B. durch mangelnde Betreuung während eines Praktikums auch von der Berufswelt abgeschreckt würden. „Es ist dann für Viele offenbar sicherer und vielleicht auch bequemer, weiter Zeit in der bekannten und sicheren Schulwelt zu verbringen“, gab Nocker zu bedenken. In der Diskussion, ob soziale Berufe besser in vollzeitschulischer oder in dualer Ausbildung erlernt werden könnten, bezog sie klar Position: „Die breitgefächerte Erzieher-Ausbildung kann am besten in der Schule mit vertiefenden Praktika erlernt werden. So werden alle Bereiche von Kleinkindern über Jugendliche bis hin zu beeinträchtigten Menschen abgedeckt“, betonte Nocker. Schulleiter Brodka stellte zudem seine Ansätze zur Digitalisierung der Bildung beziehungsweise eLearning vor. „Wir können nicht jeden technischen Trend vermitteln, aber die Fähigkeit und die Haltung, sich diese aneignen zu wollen und zu können.“ So stünden heute WhatsApp, Facebook & Co. derart auf dem Stundenplan, dass über Datenschutz, Persönlichkeits- und Urheberrechte informiert werde.

Der Arbeitskreis Berufsausbildung besteht aus Ausbildern sowie Personalverantwortlichen und -leitern hiesiger Unternehmen. Neue Mitglieder sind willkommen, Voraussetzung ist die Mitgliedschaft der Firma im Unternehmerverband. Weitere Informationen unter www.unternehmerverband.org (Leistungen/Arbeitskreise).


Stand: 14.11.2017

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