Ausstellung "Einmal ROT sein" im Bürgermeisterzimmer

Sind Politik und Kunst ein Widerspruch? Ist nicht Politik auch Leben? Und nimmt nicht auch gerade das die Kunst für sich in Anspruch? Tendenziell darf man also davon ausgehen, dass diese beiden zunächst so widersprüchlich erscheinenden Dinge, durchaus etwas miteinander zu tun haben.

Mag man diese Aussage im Allgemeinen noch anzweifeln, so hat im Besonderen die Malerei von Dirk Salz zumindest insoweit mit Politik zu tun, als er sie im Bürgermeisterzimmer des Rathauses ausstellt und somit an einem Ort politischer Diskussion.

Unzweifelhaft werden damit auch die Gemälde Zeugen oder sogar Gegenstand politischer Diskussion. Sie nehmen also direkt oder indirekt Einfluss auf die Gespräche an diesem Ort.

Dies alles, obwohl die Bilder selbst 'zutiefst unpolitisch' sind, wie dem Künstler zu entlocken ist. 'Gleiches gilt übrigens auch für den Titel der Ausstellung', fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Was er damit meint und was sich hinter dem geheimnisvollen Titel 'Einmal ROT sein' verbirgt, erfährt der Interessierte, wenn er sich etwas näher mit der Malerei von Dirk Salz und dem Konzept dieser Ausstellung auseinandersetzt.

(Foto: Walter Schernstein)

Dirk Salz (auf dem Foto links mit Bürgermeister Markus Püll) ist ein Künstler, der die Philosophie, also die Frage menschlicher Wirklichkeitswahrnehmung im Sinne der Schopenhauer'schen Erkenntnistheorie zum Gegenstand seiner Kunst macht. Dirk Salz will den Betrachter mit seiner Malerei außerhalb der rein visuellen Ebene berühren. Das gelingt ihm, indem er in seinen Arbeiten unterschwellig und für den Betrachter nicht direkt erkennbar -'und das ist wichtig' – fundamentale Eigenschaften des menschlichen Seins thematisiert. Dies sind z.B. einander bedingende Gegensätze. In unserem täglichen Leben denken wir an Tag/Nacht, Sommer/Winter, Leben/Tod etc.. In Salz' Bildern repräsentiert sich dieser Gegensatz in 'Chaos und Regel', also gewollten und bewusst gesetzten Elementen im Spannungsfeld mit zufällig während des Produktionsprozess entstandenen und etwas weiterem, das - wie wir seit Einstein wissen - keineswegs absolut ist, aber unser Leben wie kaum etwas anderes prägt: die Zeit.

'So wird die entstandene Konzeption ganz wesentlich dadurch vermittelt, das die Bilder durch ihre spezielle Struktur der rhythmisierten Sequenzen und Streifen quasi eine sichtbar gewordene Erinnerung ihrer eigenen Entstehung sind'.

Werfen wir nun einen Blick auf die hier thematisierte Ausstellung. Zunächst ist es etwas besonderes, dass die bereits traditionelle Ausstellung im Bürgermeisterzimmer einem durchgängigen Konzept folgt. Das Thema ist auch hier die menschliche Sehnsucht nach Erkenntnis. Dabei arbeitet Dirk Salz in seinem Konzept mit der Idee einer versteckten, aber aufgrund dem Werk unterlegten Systematik unbedingt zu vermutenden Anwesenheit einer Komponente: das EINE ROTE BILD. Es fehlt! - Auffällig. Dirk Salz zeigt uns auf seinen Tafelbildern jeweils eine andere Farbe, streng durchexerziert als einzelne Bestandteile des Farbkreises. An der Position, wo der Betrachter das rote Bild erwartet, - ja vielleicht herbeisehnt -, findet er allerdings nur ein weißes. Diese unerwartete Neutralität erweckt die angesprochene Sehnsucht, die hier eine noch größere Sehnsucht symbolisieren soll.

'Neben dem Ziel einer Gesamtkonzeption zu folgen, war es mir wichtig, dass jede Arbeit auch für sich stehen kann', spricht der Künstler und drückt damit aus, was der Betrachter erfährt, wenn er durch die Ausstellung geht.

Eine Ausstellung der anderen Art also, eine besondere Ausstellung allemal. Eine Ausstellung mit Anspruch und trotzdem unterhaltsam und vielleicht auch ganz einfach schön.

Die Ausstellung wurde jetzt durch den Kunsthistoriker und stellvertretenden Leiter des Kunstmuseums Alte Post Dr. Gerhard Ribbrock eröffnet. Zu sehen sind die Arbeiten zu den öffentlichen Sprechzeiten und nach Vereinbarung.

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Stand: 18.09.2007

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