Ausstellung Heinrich Wächter, zum 100. Geburtstag

In diesem Jahr, am 26. Dezember, würde der Mülheimer Heinrich Wächter seinen 100. Geburtstag begehen. Geboren wurde er 1904 in Minden in Westfalen. Nach einer Lehre und Beschäftigung als technischer Zeichner kam er 1928 nach Mülheim an die Ruhr, wo er sich 1930 mit Karoline Wächter, geb. Friedrich vermählte. Nach anfänglichen Studien 1924/25 bei Prof. Böckstiegel in Werther / Westfalen, nahm Heinrich Wächter während seiner Tätigkeit als Bauzeichner bei den Röhrenwerken an Abendkurse an der Folkwangschule Essen teil. Nach dem frühen Ausscheiden aus dem Berufsleben, aus gesundheitlichen Gründen, lebte Heinrich Wächter ganz für seine Kunst. Am 29. September 1986 ist er 81 jährig in Mülheim verstorben In der Ausstellung im Graphikraum des Kunstmuseums Alte Post werden 40 Werke gezeigt. Zur Hälfte sind Zeichnungen mit landschaftlichen Motiven aus Mülheim und der Oberpfalz zu sehen. Zum anderen werden Werke gezeigt, die mit der Heinrich Wächters eigenen Schabetechnik ausgeführt wurden. Neben dem Doppelzyklus "Entstehung der Erde" beschäftigen sie sich vorwiegend mit der Darstellung von Pflanzen, Kristallen und anderen amorphen Formen. Bestimmend für seine Arbeiten sind zwei Phänomene – nämlich einerseits der Versuch, eine Form der Annäherung an Naturgestalten zu finden, deren faszinierender Reichtum Heinrich Wächter zum Anlass seiner Bilderfindungen nimmt. Zum anderen sind diese Naturformen Grundlage seiner Weltdeutung, in der er seiner Fantasie und seinen Träumen freien Lauf gewähren kann. Das Studium der Natur schlägt sich nieder in der großen Zahl von sehr präzise darstellenden Pflanzenstudien. Jedes Detail scheint wichtig genug, abgebildet zu werden. Aus diesen Arbeiten spricht die Fähigkeit zu staunen und angesichts des schöpferischen Reichtums der Natur ehrfurchtsvoll zu schweigen und in der Betrachtung zu verharren. In zahlreichen weiteren Arbeiten setzt sich Heinrich Wächter mit Gesteinsformationen auseinander. Kristalline Gebilde, die in ihrer Konstruktivität auf eine höhere Gesetzmäßigkeit zu verweisen scheinen, stehen neben eruptiven Ausbrüchen einer bildnerischen Kraft, die die Urgewalt der Erde, die Vulkane zum Thema nimmt. Diesen explosiven, dynamischen Moment der Natur stellt Heinrich Wächter in einer Doppelserie, die somit im Kontrast steht zu der festgefügten menschlichen Ordnung der Landschaft, wie sie in den Zeichnungen zum Ausdruck gebracht wird. Denn erst im Gegensatz zwischen eruptiver Naturgewalt und der vom Menschen kultivierten Naturform der Stadtlandschaft gewinnen wir die Erkenntnis über unser menschliches Dasein und der Allgewalt des umgebenden Kosmos. Heinrich Wächter hat mit dem ihm gegebenen Mitteln versucht, seine Deutung der menschlichen Existenz in künstlerische Gestaltung zu übersetzen. Noch bis zum 21. November 2004 sind seine Werke im Graphikraum (1. Stock) zu besichtigen.

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Stand: 15.10.2004

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