Archiv-Beitrag vom 15.04.2003Ausstellung im Museum Alte Post - Robert Schad – Skulptur & Jobst Tilmann - Malerei »voyage« 3. April – 11. Mai 2003
Jobst Tilmann und Robert Schad stehen mit ihrem Werk für zwei bedeutsame Beiträge zur aktuellen Kunst der Gegenwart. Erstmals werden beide auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Positionen im Rahmen einer Ausstellung gemeinsam präsentiert, um neben der Individualität des jeweiligen künstlerischen Ansatzes jene inhaltlichen wie formalen Querverbindungen erfahrbar werden zu lassen, die durch ihren werkübergreifenden Charakter die Malerei mit dem skulpturalen Werk in Verbindung bringen. Bei beiden Künstlern geht es um Linearität und Bewegung, Körperhaftigkeit und Transparenz, Fülle und Leere, um die Dynamisierung des Blicks und eine sich durch die Anschauung einstellende physische wie emotionale Raumerfahrung.

Die Ausstellung schafft Räume für ein individuelles Erleben von künstlerischen Zusammenhängen, ohne dabei die Eigenständigkeit der jeweils gezeigten Werke in den Hintergrund zu drängen. Dem Betrachter sollen sich auf diese Weise Wege für ein vergleichendes Sehen öffnen und damit Zugänge zu einem übergreifenden, auf Korrespondenzen und Unterschiede aufbauenden Kunsterleben erschließen.
Robert Schad mit der Skulptur "Alltag"
Fotos: Walter Schernstein
Robert Schads Intention ist es, „im Prozess der Wahrnehmung selbst Bewegung zu erleben als eine Eigenschaft des Raumes, eine Eigenschaft der eigenen Körperlichkeit und als eine Eigenschaft gefühlsmäßiger Bestimmung.“ Seine Bildhauerei beschreibt das spannungsreiche Verhältnis zwischen offener und geschlossener Form, zwischen nicht selten vehement linearer Bewegung im Raum und ruhender Statik. Schads Skulpturen bestehen aus Vierkantmetallstäben, die, auf besondere Weise zusammengefügt und miteinander verschweißt, kantige Richtungsverläufe und abgewinkelte Liniensysteme definieren. Bei aller durch das Material vorgegebenen Schwere vermitteln seine Werke stets den Eindruck von Leichtigkeit. Mit ihrer materiellen Transparenz bringen sie den Raum gleichsam in Bewegung und erwecken so beim Betrachter ein intensives Gefühl für Ausdehnung und Dimensionen. Seine Skulpturen verstehen sich als körperhafte Form. In diesem Sinne birgt sein Werk stets einen konkret nachweisbaren Bezug zur eigenen, menschlichen Gestalt und deren Befindlichkeit, wie zum Verlauf möglicher körperlicher und emotional motivierter Bewegungen.
Jobst Tilmanns Malerei konfrontiert den Betrachter mit einer Vielfalt von scheinbar unvereinbaren Erfahrungswerten. In seinen Bildern gewinnt das konträre Verhältnis von Statik und Dynamik, Kontinuität und Wandel, Gleichmäßigkeit und Abweichung eine optisch wirksame Qualität. Die Abmessungen seiner Bilder verweisen auf das eigene körperliche Maß. Der eigentümliche Rhythmus des Arbeitsprozesses bleibt in ihnen ebenso sichtbar wie das eigene, während der Bildentstehung wirksame emotionale und körperliche Befinden. Die daraus resultierenden Unregelmäßigkeiten, die den Farbauftrag und Pinselduktus beeinflussen, werden vom Künstler in ihrem jeweiligen Ausmaß toleriert. Tilmanns Malerei variiert zwischen ruhevoller Flächigkeit und feinnerviger Linearität. Die mit dem Pinsel erzeugten Farbbahnen sondieren das Bildfeld und schaffen einen Flächenraum, der sich mit seiner vielschichtigen Struktur für den Betrachter im Vorgang des Sehens erst erschließt.
Die Ausstellung findet bis zum 11. Mai 2003 im Museum Alte Post statt.
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Stand: 15.04.2003
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