Ausstellung im Museum Alte Post: Vier Positionen künstlerischer Fotografie

Vom 21. September bis 16. November 2003 präsentieren sich vier fotografische Positionen in einer gemeinsamen Ausstellung in Mülheim an der Ruhr. Das Spektrum reicht dabei von klassischer Dokumentarfotografie bis hin zu digitalen Fotosetzungen und berührt dabei drei Generationen fotografischer Kunst der letzten 40 Jahre. Gemeinsam ist allen Fotografen die Auseinandersetzung mit einem ganz bestimmten Ort, an dem sie für kürzere oder längere Zeit gelebt haben oder den sie in bewusster Suche nach Motiven und Themen durchforscht haben, um über das Bild der Örtlichkeit letztlich ein Bild der Menschen, die mit den Orten zu tun haben, zu entwickeln.

Der englische Fotograf Harold Chapman, der 1927 in Deal in England geboren wurde, ist dabei der „älteste“ teilnehmende Künstler.

Er gehört zu den sogenannten „streunenden“ Fotografen, die bei der Suche nach ihren Motiven die Straßen und Orte nach Bildereignissen durchstreifen. In den 50er und 60er Jahren arbeitete Harold Chapman in Paris, wo er im später berühmten Beat Hotel wohnte, ein Ort für Literaten und Künstler. Chapman lebte dort als junger Fotograf inmitten einer illustren Schar von Gästen, die er fotografierte. Neben den Fotos aus dem Beat Hotel werden auch Bilder der berühmten Pariser Markthallen gezeigt und die berühmten Plakatbilder Harold Chapmans, in denen er immer wieder unerwartete und höchst vergnügliche Situationen dokumentiert. Jedoch sind diese Fotos nicht inszeniert, sondern wurden vom Fotografen „erwartet“. Er sagt: „Ich habe die Dinge nie arrangiert, außer in meinem Kopf, und dann habe ich gehofft, dass sie geschehen.“

Eine andere Form der Herangehensweise an Orte und Motive hat die 1940 in Krefeld geborene Künstlerin Tata Ronkholz, die leider bereits 1997 verstarb.

Sie gehörte zu den ersten Studentinnen von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihr fotografisches Werk entstand in den Jahren 1978 bis 1985. Sie entwickelte eine Reihe von Schwarzweiß-Aufnahmen von Industrietoren, die sie mit ihrer Plattenkamera ausschließlich in den Wintermonaten erstellte, damit kein Pflanzenbewuchs die Struktur der Tore verdeckte. Am bekanntesten wurden ihre Aufnahmen von Trinkhallen und Kiosken im Ruhrgebiet, in Düsseldorf und in Köln. Hierzu betonte sie: „Mir ging es weder um einen sozialen Aspekt noch um das Design, sondern ich fühlte mich zum Alltag hingezogen. Ich wollte das Büdchen um die Ecke in seiner ganzen Liebenswürdigkeit zeigen.“

Die 1954 in Amberg geborene Maria Maier arbeitet als Malerin und Graphikerin seit Jahren in besonderer Weise mit den Mitteln der Fotografie.

Die Regensburgerin lässt sich dabei immer wieder von Aufenthalten in anderen Städten und Orten beeinflussen. In der Präsentation liegt der Schwerpunkt auf den Werken, die in New York entstanden sind. In diesen Arbeiten thematisiert Maier Zeit und Raum und kombiniert ihre Malerei mit Fotografie und Objekten in immer neuen Konstellationen. Malerei wie Fotografie antworten aufeinander und stellen die vorgefundene Realität, der die Künstlerin an den unterschiedlichsten Orten begegnet, in einen inhaltlichen Bezug zur Geschichte und Gesellschaft.

Den intimsten Ort wählt der 1955 in der Slowakei geborene Künstler Lubo Laco für sein Werk aus.

Er begleitet Familien in ihren eigentlichen Lebensraum, nämlich ihre Wohnung, und entwickelt dort ein Wechselspiel von Künstlerinszenierung und Selbstdarstellung, in dem das Wesen und die besondere Atmosphäre der dargestellten Familie Eingang findet. Der Fotograf Lubo Laco sucht dabei unmittelbar die Lebens- oder Arbeitsräume der Porträtierten auf, in denen sie sich dann darstellen lassen, um die Identität von Sein und Ort miteinander in Beziehung zu setzen.

Fotos: Walter Schernstein

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Stand: 22.09.2003

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