Ausstellung im Museum Alte Post: Max Ernst Grafikserien
Um die Wartezeit den Max Ernst Freunden zu verkürzen bis das Museum in Brühl seine Pforten öffnet, hat das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr eine Sonderausstellung der Lichtdruckserie "histoire naturelle" von Max Ernst arrangiert. In den 34 Blättern, die auf Bleistiftzeichnungen in der Frottagetechnik (Durchreibetechnik) basieren, zeigt Max Ernst seine Naturgeschichte.

Dr. Gerdhard Ribbrock mit Arbeiten von Max Ernst
(Foto: Walter Schernstein)
Des weiteren wird in den Vitrinen im Grafikraum des 1. Obergeschosses die Publikation "Maximiliana" aufgeblättert, ebenfalls aus eigenem Museumsbestand.. Max Ernst beschreibt (in "Jenseits der Malerei"), wie er 1925 in der Bretagne durch das Erlebnis einer aktiven Imagination, wie sie etwa bei Rorschach-Bildern oder bestimmten Tagtraum-Zuständen entsteht, die Frottage- (Durchreibe-) Technik erfand: "Von einer Kindheitserinnerung ausgehend, bei der eine imitierte Mahagoni-Vertäfelung gegenüber meinem Bett die Rolle des optischen Provokateurs einer Vision im Halbschlaf gespielt hatte, betrachtete ich bei regnerischem Wetter in einem Gasthaus am Meer die Maserung des stark ausgewaschenen Dielenbodens und war betroffen von der Kraft, die davon ausging. Ich beschloss, die symbolischen Ausdrucksmöglichkeiten dieser zwingenden Gewalt zu erproben; um meinen meditativen und halluzinatorischen Kräften zu helfen, machte ich eine Reihe von Zeichnungen der Dielen, und zwar legte ich Papierbogen darüber, wie es gerade kam, und rieb die Maserung mit weichem Bleistift durch. Aufmerksam betrachtete ich die so entstandenen Zeichnungen, ihre dunklen Partien und die zarten Halbdunkel, und war überrascht von der halluzinatorischen Folge von gegensätzlichen Bildern, die sich mit der Eindringlichkeit und Geschwindigkeit darüber schichteten, wie es Liebeserinnerungen tun." Aus den Frottagen verschiedener Holz- Blätter- oder Korbstrukturen fügte Max Ernst Gebilde einer phantastischen botanischen Welt zusammen, in der die unterlegten Materialstrukturen durch eine neue Gegenständlichkeit entfremdet sind. In "Blitzen unter 14 Jahren" sind Blätterstrukturen als Libellenflügel um eine Kastanienkugel als Körper gelegt. Die darunter liegende Korbstruktur erscheint als Ausschnitt einer Landschaft. Andere Frottagezeichnungen wie "Die faszinierende Zypresse" zeigen Pflanzenformen, die aus der überraschenden Kombination verschiedener Materialstrukturen zusammengesetzt sind. Dabei erzeugen am Horizont angedeutete winzige Gegenstände aus den flächigen Formen eine phantastische Räumlichkeit. Das von Max Ernst 1964 veröffentlichte Buch "Maximiliana oder die widerrechtliche Ausübung der Astronomie" zählt zu den bedeutendsten Künstlerbüchern unseres Jahrhunderts. Es schildert auf 120 Seiten in einer Kombination aus Text, Bildern und einer selbsterfundenen Hieroglyphenschrift das Leben des Astronomen Ernst Wilhelm Leberecht Tempel (1821-1889), dessen Entdeckungen von den offiziellen Astronomen nicht anerkannt wurden, weil Tempel kein Diplom besaß.
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Stand: 10.06.2005













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