Ausstellung: Kava Kava- Facetten der Angst

 Ausstellung im Museum Alte Post:

Dennis Del Favero, Katharina Jahnke, Johannes Jensen/Andreas Schmitten, Michal Kosakowski, Anke Lohrer, Nira Pereg, Stefan Plessner/Christian Wiener, Ene-Liis Semper, Eva Teppe, Sandra Vásquez de la Horra, Stefan à Wengen, Thomas Zitzwitz

"Die Angst ist am Zug" – "Das Unwohlsein wächst" – "Lebensgefühl Angst". Schlagzeilen wie diese zeugen von einer zunehmenden Verunsicherung, die in immer größeren Teilen der Gesellschaft zu finden ist. Trotz guter Sicherheitsstandards, einem im internationalen Vergleich nach wie vor hohen Wohlstandsniveau und der Möglichkeit sich gegen alle erdenklichen Gefahren durch eine passende Versicherung zu schützen, scheint sich das Gefühl einer latenten, ständig präsenten Unsicherheit und Bedrohung zunehmend als gesellschaftliches wie individuelles Grundgefühl zu manifestieren.

KAVA KAVA - Facetten der Angst. 1. April bis 10. Juni 2007. Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post, Viktoriaplatz 1. Anke Lohrer: Books of Fear und The Wolf, 2007.

Die Ausstellung KAVA KAVA – Facetten der Angst spürt dem Phänomen der Angst aus einer zeitgenössischen, aktuellen Perspektive nach und zeigt anhand von zwölf internationalen künstlerischen Positionen ein offenes Arrangement von sehr persönlichen Wahrnehmungsweisen.

KAVA KAVA - Facetten der Angst. Ines Wiskemann, Kuratorin der Ausstellung mit einer Rauminstallation der Künstlerin Katharina Jahnke: Don´t look now, 2007

Fotos: Walter Schernstein

Neben der Frage nach den Entstehungsmomenten und verschiedenen Atmosphären von Angst werden auch Mechanismen von kollektiver wie individueller Angst und mögliche Bewältigungsstrategien aufgezeigt und zur Diskussion gestellt. Mit einer breiten Spanne an künstlerischen Arbeiten und Medien – von Zeichnung, Malerei und Fotografie über Video und Multimedia bis hin zu Skulptur und Installation – nähern sich die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler dem Thema aus divergenten Richtungen und lassen einen vielschichtigen, diskursiv sich verschränkenden Ausstellungsparcours entstehen.

Der Ausstellungstitel KAVA KAVA – Facetten der Angst verweist auf die Kava Kava-Wurzel, deren Extrakt als Mittel gegen Angstzustände eingesetzt wird.

Populärkulturelle Zitate der Angst und die der Angst innewohnende Ambivalenz zwischen dem Zerstörerischen und Schönen bilden für Katharina Jahnke den Ausgangspunkt für netzartige Rauminstallationen, fragile Skulpturen und dokumentarische Zeichenserien. Die Arbeit Krieg der Welten beschäftigt sich nicht nur mit den wechselnden Moden in der Ikonografie der Angst in den letzten 50 Jahren, sondern verweist durch die Zitation des medientheoretischen Klassikers auch auf die Frage, inwieweit Medien die Grenzen zwischen Fiktion und Realem aufzulösen vermögen. Eine Frage, der auch Michal Kosakowski in seiner Videoarbeit Just like the Movies nachgeht. Indem er mit fiktiven Bildern aus Katastrophenfilmen das reale historische Ereignis "11. September" filmisch nachstellt, wirft er zudem die Frage nach den Entstehungsmomenten und Möglichkeiten des gefahrlosen Auslebens kollektiver Ängste durch die Unterhaltungsindustrie auf. Stefan à Wengen spürt in seinen Leinwandarbeiten den dunklen Seiten des menschlichen Seins nach. Verlassene Orte und Szenerien rufen kollektive Bilder latenter Gefahr und ein subtiles Unbehagen im Betrachter hervor und konfrontieren ihn mit eigenen Erinnerungen und Erlebnissen. Die Geisterporträts schaffen ihm hingegen eine Begegnung Auge in Auge mit dem Bösen und mit der Frage, wie das Böse erkannt werden kann und wer es möglicherweise in sich trägt. Moderne Überwachungs- und Kontrolltechnologien, die Bedrohungsängste abmildern sollen, sie jedoch gleichzeitig auslösen, sind Ausgangspunkt der eigens für die Ausstellung in Mülheim entstandenen Arbeit Re: Spiegeltest der beiden Multimediakünstler Stefan Plessner und Christian Wiener. Sie thematisieren die Möglichkeiten und Folgen neuer Technologien und medialer Anwendungen, die neue spielerische Formen der eigenen Identitätskonstruktion erlauben, jedoch auch Identitätsverlust und existenzielle Angst bedeuten können. Eine andere Art der Überwachung bildet das Schweigegebot der Mafia. In der fünfteiligen Videoinstallation Omertà lässt Eva Teppe eine subtile Atmosphäre von Misstrauen, Bedrohung und Angst entstehen und thematisiert damit die Grenzen zwischen Innen und Außen, fragt nach Täter und Opfer und den Möglichkeiten des Einzelnen. Kollektives Verhalten, intuitive Reflexe sowie die Anpassungsfähigkeit in Gefangenschaft und an bedrohlich wirkende Situationen beobachtet die israelische Künstlerin Nira Pereg anhand von Flamingos im Zoo. Körperlich spürbar wird das Gefühl von Ausgegrenztsein, akuter Bedrohung, Panik und Flucht in der Arbeit Run der estländischen Künstlerin Ene-Liis Semper. Die Auseinandersetzung mit psychischen Traumata und möglichen Behandlungsmethoden sowie die Visualisierung des mentalen Zustandes der Angst und der psychischen Verwundbarkeit stehen im Zentrum der filmischen und fotografischen Arbeiten des australischen Künstlers Dennis Del Favero. Dass Angst immer ein ganz subjektives, individuelles Erleben ist und auf welche subtile Weise Ängste ausgelöst und angstbesetzte Erinnerungen wachgerufen werden können, wird in der Geruch-Klang-Situation von Thomas Zitzwitz erlebbar. Anke Lohrer geht in ihren Künstlerbüchern und Zeichnungen auf poetische und spielerische Weise anhand bekannter Figuren aus Märchen und Fabeln dem Wesen der Angst nach und eröffnet vielschichtige Assoziationsräume. Die chilenische Künstlerin Sandra Vásquez de la Horra verarbeitet eigene Angsterfahrungen während des Pinochet-Regimes in ihrem Heimatland sowie Mythen und Symbole südamerikanischer Indianervölker auf fantasievolle und philosophische Weise. In ihrer begehbaren Rauminstallation mit labyrinthischen, schleusenartigen Gängen lassen die beiden Künstler Johannes Jensen und Andreas Schmitten den Betrachter klaustrophobische Gefühle, Beklemmung und Einsamkeit nachspüren.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag, Bielefeld, 130 Seiten, diverse Farbabbildungen, dt./engl., mit Texten von Beate Ermacora, Nadia Ismail, Thomas Janzen, Miriam Jung, Christoph Kohl, Ernst-Uwe Küster, Ines Wiskemann.

Vortrag mit Filmbeispielen von Hitchcock, Kubrick u. a.

Do., 19.04.2007, 19.00 Uhr

Warte bis es dunkel ist. Grenzbereiche des Sehens und die Blickführung der Angst im Psychothriller
Thomas Janzen, Kunstmuseen Krefeld

Matinée des Mülheimer Kunstvereins

So., 29.04.2007, 11.00 Uhr
Lesung mit Barbara Schmidt
Ausdruckstanz mit Britta Wessel



Symposium

18. – 20.05.2007

Anlässlich der stücke ´07 findet in Kooperation mit dem Theaterbüro ein Symposium zum Thema Angst im Theater an der Ruhr statt.

Führungen mit Künstlergespräch

So., 22.04.2007, 15.00 Uhr
Ines Wiskemann, Kuratorin der Ausstellung im Gespräch mit Katharina Jahnke und Thomas Zitzwitz

So., 13.05.2007, 15.00 Uhr
Ines Wiskemann, Kuratorin der Ausstellung im Gespräch mit Anke Lohrer, Sandra Vásquez de la Horra, Stefan à Wengen

Führungen des Mülheimer Kunstvereins

So., 11.00 Uhr: 08.04. (Ostersonntag), 15.04., 06.05., 27.05., 03.06., 10.06.2007

mit Meike Burgsmüller oder Anja Bauer M.A.

Pressetext und Bildmaterial zum downloaden finden Sie unter >http://www.kunstmuseum-mh.de/downloads<

Öffnungszeiten:

Di., Mi, Fr 11.00 – 17.00 Uhr, Do. 11.00 – 21.00 Uhr,
Sa., So. sowie Ostersonntag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag, Pfingstmontag, Fronleichnam 10.00 – 17.00 Uhr

Mo. sowie Karfreitag und 1. Mai geschlossen



Mit freundlicher Unterstützung von:

Sparkasse Mülheim an der Ruhr

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Stand: 02.04.2007

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