Aktuell

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FORUM/City-Center, Mülheim an der Ruhr, 1976 | © Medienkompetenzzentrum, Mülheim an der Ruhr

gestern die stadt von morgen
Ausstellungsprojekt von Urbane Künste Ruhr
und dem Netzwerk der RuhrKunstMuseen
22. Juni
7. September 2014

Bereits 2013 wurde das von 1970 bis 1976 erbaute Mülheimer FORUM mit seinen Wohntürmen zum künstlerischen Thema. Im Rahmen der Ausstellung SCHAUPLATZ STADT arbeitete die Zeichnerin Pia Linz über mehrere Wochen in der Einkaufsgalerie an ihrer Gehäuse-Gravur „FORUM Mülheim“.

Konzept:
In Kooperation mit den Urbanen Künsten Ruhr und dem Netzwerk der RuhrKunstMuseen aktiviert das Kunstmuseum Mülheim erneut den künstlerischen Blick auf sein städtebaulich dominantes Umfeld. Mit vier Stadtbild prägenden Wohntürmen, Einkaufszentrum und mehrschichtigen Verkehrsflächen folgt das FORUM der Utopie einer für alle erreichbaren, sozialen und auf eine (neue) Mitte hin konzentrierten Stadt. Auch in anderen Ruhrgebietsstädten künden großflächige Architekturkomplexe wie der Marler Stern und die Ruhr-Universität Bochum von einer in den 1960er-Jahren beginnenden wirtschaftlich-sozialen und ästhetischen Umbruch- und Aufbruchstimmung und einer bildungspolitischen Offensive. Wurde 1974 zeitgleich zum FORUM der Marler Stern als künstliche Stadtmitte fertig gestellt, so dauerte in Bochum die Fertigstellung der ersten Campus-Universität des Ruhrgebiets von 1964 bis 1984.

Im Laufe der Jahrzehnte sind diese überdimensionierten Großprojekte – mehr oder weniger gelungen – in Gebrauch und Betrieb genommen. Inwieweit sich die mit diesen Projekten verbundenen utopischen Ideale eingelöst haben, ist Anlass für dieses Ausstellungsprojekt. Es umfasst Arbeiten, die im öffentlichen oder halb-öffentlichen Raum entstanden sind sowie eigens in den beteiligten Museen ausgerichtete Ausstellungen.

Arbeiten im öffentlichen Raum:
In Kooperation mit den Urbanen Künsten Ruhr haben sich folgende Künstler vor Ort mit den jeweiligen Architektursituationen auseinander gesetzt:
Martin Kaltwasser, KONSORTIUM (Lars Breuer, Sebastian Freytag, Guido Münch), Michaela Melián, Denise Ritter, Corinna Schnitt und Nico Joana Weber.

In Mülheim an der Ruhr wurden folgende Arbeiten realisiert:

KONSORTIUM, DOOM VOID HOPE, FORUM City Mülheim an der Ruhr, 2014 | Wandmalerei, Fassadenfarbe auf Beton | © KONSORTIUM
KONSORTIUM, „DOOM VOID HOPE“, 2014
FORUM City Mülheim an der Ruhr
Wandmalerei, Fassadenfarbe auf Beton

Michaela Melián, Viktoriaplatz  Synagogenplatz, Mülheim an der Ruhr, 2014 | Glaskubus, 150 x 50 x 50 cm, keramische Schmelzfarbe, Tonspur, 13:25 Min. | © VG Bild-Kunst, Bonn
Michaela Melián, „Viktoriaplatz – Synagogenplatz“, 2014
Mülheim an der Ruhr, Glaskubus, 150 x 50 x 50 cm, keramische Schmelzfarbe,
Tonspur, 13:25 Min.
Link zum Audiotrack: http://www.meso.net/melian/index.html
Stimmen: Mona Harry, Thomas Meinecke, Mense Reents, Badrieh Wanli
Toningenieur: Felix Raeithel
Programmierung: Stefan Ammon, Meso Web Scapes, Frankfurt am Main
Glasarbeiten: Mayer'sche Hofkunstanstalt, München

Corinna Schnitt, Zeichen setzen, 2014 | HD Videodokumentation, 10 Min., Videostill | © VG Bild-Kunst, Bonn
Corinna Schnitt, „Zeichen setzen“, 2014
FORUM City/Hans-Böckler-Platz, Mülheim an der Ruhr
HD Videodokumentation, 10 Min.

Begleitausstellung im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr:
Parallel zu den realisierten Arbeiten im Außenraum vertiefen Ausstellungen in den beteiligten Museen den thematischen Ansatz des Projekts. Die Begleitausstellung im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr ist zweigeteilt:
Neben den Ausstellungssälen im 2. OG ist diesmal auch das Foyer des Kunstmuseums einbezogen, das vom öffentlichen Stadtraum in den Innenraum des Museums überleitet.

Dokumente und Modelle aus den 1970er-Jahren sowie eine Fotografie der Wohnbebauung am Marler Stern von Niels Mlynek (*1982 in Bottrop) geben im Foyer einen Einblick in das Thema. Die erweiterte Audio-Collage „City Telling Ruhr“ des Stadtsoziologen Ingo Starz lässt in Interviews auch die Passanten im FORUM zu Wort kommen. Als weitere Verweise auf die Ausstellungsorte werden die künstlerische Filmdokumentation „Zeichen setzen“ von Corinna Schnitt (*1964 in Duisburg) über ihre Intervention an den Hochhäusern des Mülheimer FORUMs und das Video „Markasit“ von Nico Joana Weber (*1983 in Bonn) gezeigt, das auf dem Gelände der Ruhr-Universität Bochum entstanden ist.

Niels Mlynek, Marlerstern 07072010 NULLzuEINS, 2010 | Inkjet Print, 155 x 240 cm | © Niels Mlynek Nico Joana Weber, Markasit, 2014 | HD Video, 26 Min., Videostill | © Nico Joana Weber

In den Ausstellungssälen im 2. Obergeschoss des Kunstmuseums reflektieren raumgreifende filmische Projektionen urbane Wandlungsprozesse in Ost und West: In seinem bekannten Kurzfilm „Silberhöhe“ widmet sich Clemens von Wedemeyer (*1974 in Göttingen) der Umgestaltung der 1979 begonnenen Plattenbausiedlung „Silberhöhe“ in Halle (Saale), die nach der Wiedervereinigung mit dem großflächigen Abriss leerstehender Wohngebäude einherging. Maya Schweizer (*1976 in Maisons-Alfort, Frankreich) rückt die slowakische Hauptstadt Bratislava und die Umgestaltung eines Stadtviertels in den Blick.

Clemens von Wedemeyer, Silberhöhe, 2003 | 35mm/DVD, 10 Min., Filmstill | courtesy Galerie Jocelyn Wolff, Paris | © Clemens von Wedemeyer Maya Schweizer, A Memorial, a Synagogue, a Bridge and a Church, 2012 HD Video, 11 Min., Videostill © Maya Schweizer

Mit Niklas Goldbach (*1973 in Witten) wurde erneut ein Künstler eingeladen, der bereits 2013 in der Ausstellung „Schauplatz Stadt“ mit seiner Videoarbeit „Habitat C3B“ für Aufmerksamkeit sorgte. In seinen Video- und Fotoarbeiten nimmt er am Beispiel von Dubai Bezug auf die weltweit entstehenden Wohlstandsresidenzen.

Niklas Goldbach, The World, 2012 | HD Video, 13 Min., Videostill | © Niklas Goldbach Niklas Goldbach, Untitled (Building Series), 2008 | Digital C-Print on Photo Archive Paper, 24 x 30 cm | © Niklas Goldbach Niklas Goldbach, Untitled (Building Series), 2008 | Digital C-Print on Photo Archive Paper, 24 x 30 cm | © Niklas Goldbach Niklas Goldbach, Untitled (Building Series), 2008 | Digital C-Print on Photo Archive Paper, 24 x 30 cm | © Niklas Goldbach

Begleitveranstaltungen:

Öffentliche Führungen zu „gestern die stadt von morgen“:
Sonntag, 29.6.2014, 11.30 Uhr, mit Georg Mallitz
Sonntag, 20.7.2014, 11.30 Uhr, mit Anja Bauer M.A.
Sonntag, 10.8.2014, 11.30 Uhr, mit Georg Mallitz

Künstlergespräch mit KONSORTIUM
im Rahmen des Sommerfestes am 23. und 24. August 2014
Sonntag, 24.8.2014, 13.00 Uhr

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Heinrich Siepmann, Lyrische Improvisation II, 1960 | Gouache | Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr | © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Alexander Voß Hommage à Heinrich Siepmann
26. Juni – 16. November 2014
| Grafikraum

Eröffnung: Mittwoch, 25. Juni 2014, 18 Uhr
mit einem einführenden Vortrag von Dr. Gerhard Ribbrock

Das Kunstmuseum der Stadt Mülheim an der Ruhr verfügt über umfangreiche Sammlungsbestände des Malers Heinrich Siepmann. Zurückgehend auf Erwerbungen von Werner Kruse und Christel Denecke umfassen sie auch frühe Zeichnungen und Aquarelle aus den 1930er- und 1940er-Jahren, die auf Siepmanns Anfänge als gegenständlicher Zeichner von Architekturen, Städten und Landschaften zurückführen. Über diese Motive fand er 1945, nach Kapitulation und Kriegsende, zu ungegenständlichen, spannungsvoll ausbalancierten Kompositionen. Die konstruktive Gestalt und die räumliche Anordnung von Architekturen, Gegenständen und Landschaften wurden in diesen Jahren zum Ausgangspunkt neuer Formfindungen. Wie die Papierarbeiten anschaulich zeigen, führte der Weg auch über die Auseinandersetzung mit Strukturen, Licht und Transparenz, Bild- und Gittergerüsten sowie Rhythmisierung und Bilddynamik. In ihrer Handschriftlichkeit und empfindsamen Farbgebung lassen sie immer auch den forschenden und suchenden Künstler erkennen.

Als Mitbegründer der Künstlergruppe „junger westen“ wirkte Siepmann nach 1945 am geistig-künstlerischen Aufbau des westdeutschen Kunst- und Kulturlebens wesentlich mit. Auch wenn er in der Verbindung von konstruktiven und malerischen Ansätzen einen eigenen variantenreichen Weg innerhalb dieses Kreises und der konstruktiven Kunst beschritt, so fand er zunächst in Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Gustav Deppe, Ernst Hermanns und Hans Werdehausen einen Kreis von Gleichgesinnten.
In den 1960er-Jahren traten große Aufträge für den öffentlichen Raum neben sein freies künstlerisches Werk. Zu nennen sind hier das 1964 entstandene, 6,30 m hohe Mosaik für den Rathaus-Neubau der Stadt Mülheim an der Ruhr, das zerstörte Mosaik am Gesundheitsamt oder die heute eingelagerte Glasfensterwand für die ehemalige Stadtbücherei und der Wandteppich im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen. 1965, kurz nach der Fertigstellung des Mosaiks im Rathaus, hob Siepmann die Notwendigkeit hervor, das Malen immer wieder neu überdenken zu müssen: „Impulse kommen in der Infragestellung des Erworbenen, im Wagnis und Experiment.“

Der überregionale Durchbruch im Kontext einer konkret-konstruktiven Kunst gelang in den 1970er-Jahren. Siepmann arbeitete bis zu seinem Tod und schuf mit den Collagen ein beeindruckendes Alterswerk. Trotz des reduzierten Repertoires an Formen und Farben entfaltet er in den Collagen eine ungeahnte Variationsbreite und Bilddynamik, die erkennen lassen, dass Siepmann sich auch im hohen Alter nicht auf einmal gefundene Formen festlegen ließ.

Diese Ausstellung mit Papierarbeiten anlässlich des 110. Geburtstags begleitet die Re-Installation von Siepmanns Mosaik im Rathaus. Sie versteht sich aber auch, so Museumsleiterin Dr. Beate Reese, „als ’Vorgeschmack’ auf die für 2016/2017 geplante Werkschau zu Siepmann, mit deren Vorbereitungen in diesem Jahr begonnen wird.“

Mit einzelnen Werken lenkt sie den Blick auch auf jene Künstler und Künstlerinnen, die neben bekannten Größen wie Emil Schumacher in seiner Heimatstadt seinen Weg begleiteten und mit ihm in Austausch standen. Zu diesem Kreis bekannter und befreundeter Künstler gehörten u. a. der Bildhauer Ernst Rasche, der am Bauhaus geschulte Werner Graeff und seine Frau, die Künstlerin Ursula Hirsch, Kurt Rehm, mit dem er zusammen ausstellte, sowie die Fotografin Evelyn Serwotke, die sich in ihrer Fotografie vor allem mit der Konstruktion von Architekturen auseinander setzte. Dass das Erbe von Heinrich Siepmann bis heute nachwirkt, dafür steht exemplarisch die Papierarbeit von Thomas Koch.
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Stahl + Stadt ist ein langfristig angelegtes Fotografie-Projekt, das 2011 im Hoesch-Museum in Dortmund erstmals präsentiert wurde. In veränderter Zusammenstellung erfährt es nun eine weitere Ausstellung im Grafikraum des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr. Am Beispiel der Städte Duisburg und Dortmund im Westen und Osten widmet es sich der im Ruhrgebiet traditionell engen und prägenden Verwebung von Schwerindustrie und Stadtraum. Während sich in Duisburg eines der größten Hüttenwerke der Welt kilometerlang am Rhein entlang zieht, wurde die Stahlproduktion 2001 in Dortmund eingestellt.

 

Für die beiden Fotografen Bernd Langmack und Haiko Hebig ist Stahl + Stadt nicht allein ein Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, sondern eine Thematik, die in Hinblick auf die strukturelle Prägung regionaler Topografien in allen traditionellen Montanregionen Europas beobachtet werden kann.

 

Bernd Langmack: Thyssen-Krupp und Duisburg-Bruckhausen

 

In seinen Fotografien thematisiert der seit 1969 im Ruhrgebiet lebende Bernd Langmack am Beispiel von Duisburg-Bruckhausen das Zusammentreffen von Stahlwerk und Wohnbebauung. Nur durch eine Straße sind Werksanlagen und städtischer Raum voneinander getrennt, so dass die Industrieanlagen auch im Lebensbereich der Menschen sichtbar bleiben. In den Blick gerückt sind effiziente Produktionsstätten und abgewohnte Wohnhäuser und Leerstände. Manche Industrielandschaften erinnern mit ihrer von Schloten beherrschten Silhouette an malerische Formen dieses Bildtyps und ein „veraltetes“ Image des Ruhrgebiets. Doch Langmack verbleibt nicht in der bekannten Ruhrgebietsästhetik von Tristesse und Hässlichkeit, sondern verleiht seinen Ansichten Gestalt, Farbigkeit und atmosphärische Stimmungen.

 

 

 

 

Haiko Hebig: Ehemalige Standorte der Schwerindustrie in Dortmund

 

Haiko Hebigs Fotografien aus Dortmund rücken riesige abgeräumte und brachliegende Flächen in den Fokus. Sie sind nach der Stilllegung von ehemals zentralen Standorten der Schwerindustrie entstanden und – sofern von Schwermetallen unbelastet – in Teilen wiederum für Freizeit und Wohnbebauung wie am Phönix See, aber auch für Logistik und Gewerbe neu erschlossen worden. Diese abgeräumten Flächen, die in Innenstadtlage zum Teil weiterhin mit Restproduktionen belegt sind, erstrecken sich auf über tausend Hektar. Diese wenig vorzeigbaren Nicht-Orte sichtbar zu machen, ist ein Anliegen von Haiko Hebig, der mit einem nüchternen Blick auch die beginnenden Neunutzungen und städteplanerischen Gestaltungen der ehemaligen Industrieareale beobachtet.

 

Zur Ausstellung liegt ein Katalog mit einem Nachwort von Andreas Rossmann vor, der 2011 im Klartext-Verlag, Essen, erschienen ist.

Stand: 21.08.2014

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