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Plakat zur Ausstellung RUHR KUNST SZENE: Der subversive Geist, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, 7. September bis 16. November 2014RUHR KUNST SZENE – Fünfzig Positionen, zehn Museen, eine Ausstellung.

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr:
DER SUBVERSIVE GEIST

7. September – 16. November 2014 | EG + 2. OG

Fotografien, Filme, Aktionen, Installationen von:

Laas Abendroth, Alexander Braun, Johannes Gramm, Dore O., Matthias Schamp, Johanna Schwarz, Klaus Urbons sowie Martin Kippenberger und Christoph Schlingensief

Das erste große gemeinsame Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen widmet sich unter dem Titel „RuhrKunstSzene“ wegweisenden Tendenzen und Strömungen, die für die gegenwärtige Kunst des Ruhrgebiets charakteristisch sind. Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen zeigen zehn Museen fünfzig künstlerische Positionen, zum Teil aus der aktuellsten Produktion, zum Teil auf historische Entwicklungen zurückgreifend. Jedes der zehn teilnehmenden Museen hat ein eigenes Konzept entwickelt. Zusammen gesehen vermitteln alle zehn Ausstellungen ein reich facettiertes Bild einer „RuhrKunstSzene“.

Mit Blick auf das Wirken von Werner Nekes und Dore O., Christoph Schlingensief und Helge Schneider, die Mülheims Ruf als experimentelle Film- und Medienstadt in den 1970er- und 1980er-Jahren begründeten, hat das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr neben Dore O. Künstler und Künstlerinnen eingeladen, denen die Offenheit für künstlerische Experimente sowie ein medien- und grenzübergreifender Ansatz trotz aller Unterschiedlichkeit gemein ist.

Licht und Belichtung sind für die documenta-Teilnehmerin Dore O. der Ausgangspunkt, um das Ephemere einer vermeintlichen Wirklichkeit zu erfassen und die verbindende Realität von Schattenbildern und Körpern mittels Projektionen und Fotografien/Polaroids herauszustellen. Der Körperschatten und das Schattenportrait sind zentrale Motive ihres Kunstkonzepts, das sie mit dem Copy-Art Künstler Klaus Urbons verbindet. Mit seinem 1984 eröffneten „Kunstschutzkeller“, der erstmals in dieser Ausstellung dokumentiert wird, begründete er einen ersten „off-space“ im Ruhrgebiet, der wiederum für Matthias Schamp anregend wurde. Bekannt wurde Schamp durch seine in der „Titanic“ veröffentlichte Fotoserie der „Schlechten Verstecke“ und seinem 1998 gegründeten „MYTHOS-GRILL“, der temporär in der ehemaligen „Palette“ im Mülheimer Kunstmuseum Station macht.

Mit seinen Selbstinszenierungen wirkt Martin Kippenberger als „Kind des Ruhrgebiets“ und „enfant terrible“ des Kunstbetriebs ebenso nach wie Christoph Schlingensief, von dem die zum Teil in Mülheim an der Ruhr gedrehten ZAK-Beiträge für den WDR gezeigt werden. Aus dem Freundeskreis des 2010 verstorbenen Schlingensief kommt der 1967 geborene Laas Abendroth, der mit gespielter Naivität und Penetranz in jene Gehirnareale eindringt, in denen Werturteile und Klischees über Kunst gespeichert sind.

Die Lust an medialen Grenzüberschreitungen, an Rollenspiel und Maskerade, an Verwandlung und Inszenierung verbindet in unterschiedlicher Weise die im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr versammelten Künstler und Künstlerinnen. Mit Sprachwitz, Humor und Selbstironie hinterfragen und unterlaufen sie bestehende Ordnungssysteme, das eigene Selbst, die Alltagskultur des Ruhrgebiets und den Kunstbetrieb. Sie arbeiten mit Fotografie, Film, Copy-Art, Aktionen und Poesie, wobei die Grenzen zum Anti-Spektakel, zum Banalen, Trivialen bewusst ausgelotet und zum Teil auch überschritten werden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

BEGLEITPROGRAMM

Sonntag, 28. September 2014 | 11:30 Uhr
Führung und Künstlergespräch mit Anja Bauer M.A.

Reflektieren und Frittieren im temporären „MYTHOS-GRILL“ von Matthias Schamp
Eintritt frei | Termine:

  • Donnerstag, 9. Oktober 2014 | 18:30 Uhr
    „Kunstschutzkeller reloaded“ mit Klaus Urbons und John Waszek
  • Donnerstag, 16. Oktober 2014 | 18:30 Uhr
    „Rollator-Mitfahrt“ – Ein Film von Wolfgang Wendland
  • Donnerstag, 30. Oktober 2014 | 18:30 Uhr
    „Feindliche Übernahme“ mit Ruppe Koselleck

Sonntag, 12. Oktober 2014 | 11:30 Uhr
Führung mit Museumsleiterin Dr. Beate Reese

Sonntag, 19. Oktober 2014 | 11–16.45 Uhr
Busfahrt vom Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zum Kunstmuseum Gelsenkirchen
mit Führungen

Freitag, 24.Oktober 2014 | 18 Uhr
„Wie vielgestaltig ist die RuhrKunstSzene?“
Diskussion u. a. mit Hans Jürgen Bolz, Kunstsammler und Vorsitzenden des Mülheimer Kunstvereins, Ricarda Fox, Galeristin, Essen und Mülheim an der Ruhr, Johannes Gramm, Künstler im Kunsthaus Essen und Dr. Beate Reese, Leiterin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr | Eintritt frei

Am 7. und 28. September sowie am 19. Oktober und 9. November 2014 kann parallel zur Museumsausstellung auch das von Klaus Urbons u. a. betriebene Makroscope e. V. in der Friedrich-Ebert-Str. 48, 45468 Mülheim an der Ruhr, besucht werden.
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Heinrich Siepmann, Lyrische Improvisation II, 1960 | Gouache | Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr | © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Alexander Voß Hommage à Heinrich Siepmann
26. Juni – 16. November 2014
| Grafikraum

 

Das Kunstmuseum der Stadt Mülheim an der Ruhr verfügt über umfangreiche Sammlungsbestände des Malers Heinrich Siepmann. Zurückgehend auf Erwerbungen von Werner Kruse und Christel Denecke umfassen sie auch frühe Zeichnungen und Aquarelle aus den 1930er- und 1940er-Jahren, die auf Siepmanns Anfänge als gegenständlicher Zeichner von Architekturen, Städten und Landschaften zurückführen. Über diese Motive fand er 1945, nach Kapitulation und Kriegsende, zu ungegenständlichen, spannungsvoll ausbalancierten Kompositionen. Die konstruktive Gestalt und die räumliche Anordnung von Architekturen, Gegenständen und Landschaften wurden in diesen Jahren zum Ausgangspunkt neuer Formfindungen. Wie die Papierarbeiten anschaulich zeigen, führte der Weg auch über die Auseinandersetzung mit Strukturen, Licht und Transparenz, Bild- und Gittergerüsten sowie Rhythmisierung und Bilddynamik. In ihrer Handschriftlichkeit und empfindsamen Farbgebung lassen sie immer auch den forschenden und suchenden Künstler erkennen.

Als Mitbegründer der Künstlergruppe „junger westen“ wirkte Siepmann nach 1945 am geistig-künstlerischen Aufbau des westdeutschen Kunst- und Kulturlebens wesentlich mit. Auch wenn er in der Verbindung von konstruktiven und malerischen Ansätzen einen eigenen variantenreichen Weg innerhalb dieses Kreises und der konstruktiven Kunst beschritt, so fand er zunächst in Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Gustav Deppe, Ernst Hermanns und Hans Werdehausen einen Kreis von Gleichgesinnten.
In den 1960er-Jahren traten große Aufträge für den öffentlichen Raum neben sein freies künstlerisches Werk. Zu nennen sind hier das 1964 entstandene, 6,30 m hohe Mosaik für den Rathaus-Neubau der Stadt Mülheim an der Ruhr, das zerstörte Mosaik am Gesundheitsamt oder die heute eingelagerte Glasfensterwand für die ehemalige Stadtbücherei und der Wandteppich im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen. 1965, kurz nach der Fertigstellung des Mosaiks im Rathaus, hob Siepmann die Notwendigkeit hervor, das Malen immer wieder neu überdenken zu müssen: „Impulse kommen in der Infragestellung des Erworbenen, im Wagnis und Experiment.“

Der überregionale Durchbruch im Kontext einer konkret-konstruktiven Kunst gelang in den 1970er-Jahren. Siepmann arbeitete bis zu seinem Tod und schuf mit den Collagen ein beeindruckendes Alterswerk. Trotz des reduzierten Repertoires an Formen und Farben entfaltet er in den Collagen eine ungeahnte Variationsbreite und Bilddynamik, die erkennen lassen, dass Siepmann sich auch im hohen Alter nicht auf einmal gefundene Formen festlegen ließ.

Diese Ausstellung mit Papierarbeiten anlässlich des 110. Geburtstags begleitet die Re-Installation von Siepmanns Mosaik im Rathaus. Sie versteht sich aber auch, so Museumsleiterin Dr. Beate Reese, „als ’Vorgeschmack’ auf die für 2016/2017 geplante Werkschau zu Siepmann, mit deren Vorbereitungen in diesem Jahr begonnen wird.“

Mit einzelnen Werken lenkt sie den Blick auch auf jene Künstler und Künstlerinnen, die neben bekannten Größen wie Emil Schumacher in seiner Heimatstadt seinen Weg begleiteten und mit ihm in Austausch standen. Zu diesem Kreis bekannter und befreundeter Künstler gehörten u. a. der Bildhauer Ernst Rasche, der am Bauhaus geschulte Werner Graeff und seine Frau, die Künstlerin Ursula Hirsch, Kurt Rehm, mit dem er zusammen ausstellte, sowie die Fotografin Evelyn Serwotke, die sich in ihrer Fotografie vor allem mit der Konstruktion von Architekturen auseinander setzte. Dass das Erbe von Heinrich Siepmann bis heute nachwirkt, dafür steht exemplarisch die Papierarbeit von Thomas Koch.
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Stahl + Stadt ist ein langfristig angelegtes Fotografie-Projekt, das 2011 im Hoesch-Museum in Dortmund erstmals präsentiert wurde. In veränderter Zusammenstellung erfährt es nun eine weitere Ausstellung im Grafikraum des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr. Am Beispiel der Städte Duisburg und Dortmund im Westen und Osten widmet es sich der im Ruhrgebiet traditionell engen und prägenden Verwebung von Schwerindustrie und Stadtraum. Während sich in Duisburg eines der größten Hüttenwerke der Welt kilometerlang am Rhein entlang zieht, wurde die Stahlproduktion 2001 in Dortmund eingestellt.

 

Für die beiden Fotografen Bernd Langmack und Haiko Hebig ist Stahl + Stadt nicht allein ein Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, sondern eine Thematik, die in Hinblick auf die strukturelle Prägung regionaler Topografien in allen traditionellen Montanregionen Europas beobachtet werden kann.

 

Bernd Langmack: Thyssen-Krupp und Duisburg-Bruckhausen

 

In seinen Fotografien thematisiert der seit 1969 im Ruhrgebiet lebende Bernd Langmack am Beispiel von Duisburg-Bruckhausen das Zusammentreffen von Stahlwerk und Wohnbebauung. Nur durch eine Straße sind Werksanlagen und städtischer Raum voneinander getrennt, so dass die Industrieanlagen auch im Lebensbereich der Menschen sichtbar bleiben. In den Blick gerückt sind effiziente Produktionsstätten und abgewohnte Wohnhäuser und Leerstände. Manche Industrielandschaften erinnern mit ihrer von Schloten beherrschten Silhouette an malerische Formen dieses Bildtyps und ein „veraltetes“ Image des Ruhrgebiets. Doch Langmack verbleibt nicht in der bekannten Ruhrgebietsästhetik von Tristesse und Hässlichkeit, sondern verleiht seinen Ansichten Gestalt, Farbigkeit und atmosphärische Stimmungen.

 

 

 

 

Haiko Hebig: Ehemalige Standorte der Schwerindustrie in Dortmund

 

Haiko Hebigs Fotografien aus Dortmund rücken riesige abgeräumte und brachliegende Flächen in den Fokus. Sie sind nach der Stilllegung von ehemals zentralen Standorten der Schwerindustrie entstanden und – sofern von Schwermetallen unbelastet – in Teilen wiederum für Freizeit und Wohnbebauung wie am Phönix See, aber auch für Logistik und Gewerbe neu erschlossen worden. Diese abgeräumten Flächen, die in Innenstadtlage zum Teil weiterhin mit Restproduktionen belegt sind, erstrecken sich auf über tausend Hektar. Diese wenig vorzeigbaren Nicht-Orte sichtbar zu machen, ist ein Anliegen von Haiko Hebig, der mit einem nüchternen Blick auch die beginnenden Neunutzungen und städteplanerischen Gestaltungen der ehemaligen Industrieareale beobachtet.

 

Zur Ausstellung liegt ein Katalog mit einem Nachwort von Andreas Rossmann vor, der 2011 im Klartext-Verlag, Essen, erschienen ist.

Stand: 05.09.2014

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