Archiv-Beitrag vom 13.01.2009Bewegende Bilder "Am Rande der Schöpfung"

Fotoausstellung mit Kinderbildern aus Krieg und Krisen im Bürgeramt


Die Fotoausstellung zeigt Kinderbilder aus Krieg und Krisen des Fotojournalisten Uli Preuss und dokumentiert damit die Arbeit des Friedensdorfes International.

Uli Preuss tourt im fünften Jahr mit seiner Ausstellung durch die Republik. Die 35 groß- und mittelformatigen Fotografien waren bisher unter anderem in Bamberg, Oberhausen, Solingen, Köln, Leverkusen, Wuppertal zu sehen und machen nun Station in Mülheim an der Ruhr.

Die Fotos entstanden in aktuellen Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, Angola, Ta-dschikistan, Sri Lanka oder Kambodscha auf Einsätzen mit der Hilfsorganisation "Friedensdorf International" aus Oberhausen.


Fotografie von Kindern aus der Ausstellung Am Rande der Schöpfung, die bis Mitte März noch im Bürgeramt zu sehen ist.Die Oberhausener Hilfsorganisation bringt seit über 40 Jahren schwerstverletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Betreuung nach Deutschland.
Täglich erreichen uns über die Medien die furchtbaren Bilder aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Bilder aus den über 25 Kriegen, die zurzeit auf der Welt geführt werden, die Erinnerung an die über 105 Millionen Minen, die auch nach den Kriegen noch täglich Menschenleben zerstören. Genauso täglich erreicht uns über den Fernsehschirm das Leid - doch angesichts der unvorstellbaren Zahlen, der Anonymität fällt es oft schwer, sich berühren zu lassen. Dem in Essen geborenen Fotojournalisten Uli Preuss ging es nicht anders: "Erst als ich die Menschen und ihre Schicksale persönlich kennen lernte, selbst sah, hörte und roch, konnte ich begreifen, was hinter den Fernsehbildern steckt."

Seit acht Jahren begleitet Uli Preuss, der  in Solingen lebt und arbeitet, die ehrenamtlichen Helfer des Friedensdorfes International bei ihren Einsätzen in Afghanistan und Angola, gehörte zum Team, das nur wenige Tage nach der Tsunamikatastrophe in Sri Lanka Soforthilfe leistete. Erst im Februar vergangenen Jahres war er in Friedensdörfern in Nordvietnam, im August davor in Kabul und Tadschikistan auf Friedensdorf-Einsätzen unterwegs. Auf diesen Reisen, aber auch im Friedensdorf selbst, entstanden die eindrucksvollen Fotografien aus einer nur scheinbar weit entfernten Welt.

Uli Preuss holt die Opfer von Krieg, Gewalt und Armut aus ihrer Anonymität, erzählt die Geschichten, er zeigt Menschen in bewegenden Alltagsbildern, ohne ihnen mit seiner Kamera ihre Würde zu nehmen. "Das Schicksal der betroffenen Menschen ist kein aufregendes Abenteuer", sagt der 53-Jährige, der aufrütteln will, mit seinen Fotografien gegen das Vergessen arbeitet, Verbündeter der Hilfsbedürftigen ist.

Fotografie von Kindern aus der Ausstellung Am Rande der Schöpfung, die bis Mitte März noch im Bürgeramt zu sehen ist.Er zeigt den afghanischen Vater, der seinen Sohn mit der Schubkarre über Kilometer nach Kabul zu den deutschen Helfern bringt oder den afghanischen Jungen, der sich nach einer Schuhcremedose gebückt hat, die sich als Personenmine "entpuppte" und sich dabei an Armen und Beinen schwer verletzte. Die Chance auf Leben liegt in Deutschland. Dorthin bringt das Friedensdorf International jedes Jahr schwerstverletzte Kinder. Hier werden sie in über 120 Kliniken, die Betten und Freiwillige bereitstellen, oftmals lebensrettend operiert und nach notwendigen Reha-Maßnahmen vom Oberhausener Friedensdorf wieder in ihre Heimat und zu ihren Familien gebracht.

Uli Preuss zeigt aber auch die Freude, wenn Mütter ihre ehemals schwerstverletzten Töchter nach einem halben Jahr endlich wieder am Flughafen in Luanda in ihre Arme schließen können oder das friedliche Zusammenleben von Kindern unterschiedlicher Kulturen, die außerhalb des Friedensdorfes so nie zusammengefunden hätten, augfrund des Krieges in ihrem Land. Motivation für den nächsten Einsatz. Uli Preuss empfindet bei seiner Arbeit auch Glück. Wenn er sieht, dass seine Arbeit mit dem Friedensdorf und den behandelnden Ärzten gemeinsam zum Erfolg führt und wieder einem Kind geholfen werden konnte.

Die hier gezeigte Ausstellung ist Teil einer Reihe, die der 53-Jährige gemeinsam mit dem Verbund Kplus – Katholische Kliniken und Senioreneinrichtungen konzipiert hat, um zu verdeutlichen, wie wichtig soziales Engagement  trotz und gerade in Zeiten knapper Kassen ist. Die Mediziner und Klinikmitarbeiter von Kplus operieren und arbeiten unentgeltlich in drei Kliniken für das Friedensdorf.

Fotografie von Kindern aus der Ausstellung Am Rande der Schöpfung, die bis Mitte März noch im Bürgeramt zu sehen ist.Die Ausstellung "Am Rande der Schöpfung" wird nach neuen Reisen von Uli Preuss aktualisiert und richtet sich an die Menschen in Land und Städten. Veröffentlicht werden die Bilder gerade deshalb in offenen Räumen und Gebäuden – damit sie für jeden erreichbar sind. Die Auswahl der Bilder traf er vorab gemeinsam mit dem Leiter des Bürgeramtes, Reinhard Kleibrink und mit Erdmuthe Luhr-Antons von der Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement, auf deren Initiative die Ausstellung im Bürgeramt der Stadt Mülheim an der Ruhr stattfindet.

"Wir haben bewusst in Absprache mit Uli Preuss keine schockierenden Fotos aufgehängt, weil wir die regulären Besucherinnen und Besucher des Bürgeramtes, nicht allzu stark belasten wollten. Es kommen zudem ja auch kleine Kinder hier ins Bürgeramt. Viele Bilder bewegen doch zutiefst und lassen einen so schnell nicht wieder los. ", so Erdmuthe Luhr-Antons. Und Reinhard Kleibrink ergänzt: "Wir sind hier im Bürgeramt dennoch auf alle Reaktionen vorbereitet."

"Am Rande der Schöpfung" ist eine ungewöhnliche Fotoausstellung mit einfühlsamen Geschichten, vielleicht gerade zum Jahresanfang und mit der hier getroffenen Vorauswahl durchaus auch für Kinder geeignet. Denn gerade Schulklassen, aber auch VHS-Kurse und kirchliche Gesprächskreise setzen sich an den vergangenen Ausstellungsorten sehr ernsthaft mit den Geschichten hinter den Bildern auseinander, befassten sich mit einem anderen Aspekt des Themas "Kinder und Krieg", das leider längst nicht mit so bekannten Schlagworten wie  "Kindersoldaten" oder "Minenopfer" ausgeschöpft ist. Nach Absprache sind Führungen mit dem Fotografen möglich.

Im Februar wird "Am Rande der Schöpfung" mit dem Bertha von Suttner Kunst- und Medienpreis in der Kategorie "Publikumspreis" in Frankfurt ausgezeichnet.

Weitere Informationen zum Fotojournalisten Uli Preuss, seiner Arbeit und zur Ausstellung finden Sie unter www.up-bild.de.

 

 


 

Öffnungszeiten des Bürgeramtes:

Montags und Dienstags von 8 bis 14 Uhr
Mittwochs von 7 bis 14 Uhr
Donnerstags von 10 bis 19 Uhr
Freitags von 8 bis 13 Uhr

Löhstraße 22 - 26
45468 Mülheim an der Ruhr

 


 

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Stand: 13.01.2009

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