Biodiesel

Biomasse kann in Vergasungs- und Aufbereitungsverfahren zu gasförmigen oder flüssigen Treibstoffen aufbereitet werden. Derzeit wird in Deutschland als Biokraftstoff allerdings nur Biodiesel in größeren Mengen genutzt.

Bei Biodiesel handelt es sich um Rapsölmethylester (RME), dass sofern eine Freigabe durch den Fahrzeughersteller vorliegt, in herkömmlichen Dieselmotoren genutzt werden kann. Deutschland ist hier mit einer Anlagenkapazität von etwa 1,2 Mio. t (2004) der weltweit größte Biodieselhersteller. Der Anteil von Biodiesel am deutschen Gesamtkraftstoffmarkt ist mit 1,4 Prozent (2003) allerdings eher gering, und es wird auch nur ein begrenztes Entwicklungspotenzial für RME gesehen.

Vor dem Hintergrund der Treibhausgas-Emissionen lässt sich festhalten, dass pflanzliche Energieträger allgemein positiv zu bewerten sind, da bei ihrer Verbrennung nur soviel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanze während ihres Wachstums der Luft entzogen hat. Allerdings ist zu Berücksichtigen, dass bei der Produktion von Biodiesel sowie ähnlicher Produkte auch fossile Energieträger eingesetzt werden und auch beim Rapsanbau Treibhausgase entstehen.
Für Biokraftstoffe der Pflanzenölschiene - zu denen RME gehört - und Bioalkohole (aus Fermentation) liegen ausführliche Umweltbilanzen vor. Demnach können zwischen 10 bis 90 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Vergleich mit der entsprechenden Menge fossiler Kraftstoffe eingespart werden:

Rapsfeld im  Mülheimer Süden Rapsfeld im Mülheimer Süden




Tabelle: Spezifische CO2-Emissionen von Biodiesel im Vergleich

Biodiesel / RME

Benzin

Diesel

(in g CO2-Äquivalent / Megajoule)

Treibstoff-Vorkette

-65,2 1

1,2 2

13,2

10,4

CO2-Gehalt d. Kraftstoff
(Lokale CO2-Emissionen)

76,7

76,7

73,4

72,8

Lokale CH4 und N2O-Emissionen

   

2,4

1,7

Gesamt

11,5

77,9

89,0

84,9

1 günstigster Schätzwert, 2 schlechtester Schätzwert.
Quelle: GM European Well-to-Wheel Study 2002.



Die große Bandbreite in Bezug auf die Minderung der Treibhausgas-Emissionen durch die Verwendung von RME als Kraftstoff lässt sich durch verschiedene Faktoren erklären:

Eine große Rolle spielen hier die unterschiedlichen Annahmen hinsichtlich des Stickstoffeinsatzes, der Anbaumethoden und der Freisetzung von Lachgas (N2O) in Folge der Stickstoffdüngung beim Rapsanbau. Lachgas ist ein Klimagas mit etwa 300 mal größerer Klimawirksamkeit als CO2.
Bei den günstigsten Bewertungsvarianten für Biodiesel wird zudem davon ausgegangen, dass die Nebenprodukte der Biodiesel-Herstellung - Glyzerin und Rapsschrot - emissionsmindernd zum Einsatz kommen. Dementsprechend werden dem Biodiesel dann die vermiedenen Emissionen gutgeschrieben. Dies ist z.B. der Fall wenn das Glyzerin das bei der RME-Herstellung anfällt Glyzerin ersetzt, welches auf konventionellem Weg in der chemischen Industrie produziert wird, oder wenn der anfallende Rapsschrot importierte Sojabohnen als Futtermittel verdrängt oder zur Energiegewinnung verbrannt wird.

Während die Energie- und Klimagasbilanzen von Biodiesel und anderer Biokraftstoffe auch unter Einbeziehung der Lachgas-Emissionen allgemein positiv bewertet werden, fallen die Ökobilanzen der Biokraftstoffe in Hinsicht auf andere Umweltaspekte wie "Versauerung" und "Eutrophierung" (Nährstoffeintrag) eher negativ aus. Im Hinblick auf Themenbereiche "Fotosmog" und "Ozonabbau" gibt es keine einheitliche Bewertungsrichtung.

Der größte Umweltvorteil von Biodiesel ist sicherlich die unter Gesichtspunkten des Gewässerschutzes bessere biologische Abbaubarkeit. Biodiesel ist in die Wassergefährdungsklasse I für schwach wassergefährdende Stoffe eingeordnet worden, während Diesel als "wassergefährdend" und Benzin "stark wassergefährdend" anzusehen ist. Daher setzt z.B. auch der das Mülheimer Stadtgebiet beliefernde lokale Wasserversorger, die RWW Rheinisch-Westfälische-Wasserwerksgesellschaft mbH, Biodieselfahrzeuge ein.

Die im Mai 2003 verabschiedete "Biokraftstoffrichtlinie" der Europäischen Union (Richtlinie 2003/30/EG) sieht vor, dass der Absatz von Biokraftstoffen in den Mitgliedstaaten bis 2005 auf 2 Prozent und bis 2010 auf 5,75 Prozent des Kraftstoffmarktes ansteigen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen mittel-langfristig weitere Biokraftstoffe auf dem europäischen Markt angeboten werden. Zurzeit wird daher intensiv an synthetischen Kraftstoffen aus Biomasse nach dem sogenannten "Biomass-To-Liquids Prozess" (BTL) geforscht.

In Deutschland sind biogene Reinkraftstoffe bereits seit den 1990er Jahren von der Mineralölsteuer befreit. Biodiesel ist dementsprechend für den Verbraucher deutlich günstiger als normaler Diesel. Mit der Änderung des Mineralölsteuergesetzes (2004) trat auch die Steuerbefreiung von Beimischungen in Kraft. Einige Mineralölkonzerne machen davon Gebrauch und setzen den von ihnen verkauften Kraftstoffen biogene Komponenten zu.

Deutschlandweit gibt es mittlerweile etwa 1.900 Tankstellen, die Biodiesel im Angebot haben. Auf Mülheimer Stadtgebiet gibt es derzeit (Mai 2005) nur einen Anbieter von Biodiesel. In Europa haben nur Frankreich und Italien ein nennenswertes Angebot an Biodiesel.

Weitere Informationen zu Biodiesel und Biokraftstoffen und dem Tankstellennetz finden Sie auf den folgenden Seiten:

Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel e.V.

Bundesverband Bioenergie e.V. (BBE)

Bundesverband Biogene Kraftstoffe (BBK)
www.biokraftstoffe.org

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP)
(Link mit Tankstellensuche!)

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Ökobilanzen von Biodiesel und Biokraftstoffen können Sie auf den folgenden Seiten herunterladen:

Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH:
"GM Well-to-Wheel Analysis of Energy Use and Greenhouse Gas Emmisions of Advanced Fuel/ Vehicle Systems - a European Study, 2002".
http://www.lbst.de/gm-wtw/

ifeu - Institu für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH:
"Gutachten - Erweiterung der Ökobilanz für RME, Heidelberg 2003".
http://www.ifeu.org/landwirtschaft/pdf/rme-2003.pdf

Kontakt


Stand: 04.09.2007

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