Am 8. Dezember hatte der VHS-Arbeitskreis Migration & Geschichte Besuch aus Köln. Der Filmemacher Ralf Jesse war zu Gast und erläuterte, was ihn dazu gebracht hat, seine „Blackbox Abschiebung“ zu konzipieren und mit Leben zu füllen. Es waren ganz persönliche Erlebnisse, die ihn im Rahmen seiner Tätigkeit an anderen Projekten mit dem Thema Abschiebung in Berührung brachten. Eine der wichtigsten der vielen Fragen, welche die Beschäftigung mit dem Thema mit sich brachten, war die nach dem "Danach": was wird aus Menschen, wenn sie - unfreiwillig - unser Land wieder verlassen müssen. Die Mitglieder des Arbeitskreises nahmen die Gelegenheit wahr, sich intensiv in der Blackbox umzuschauen interessiert nachzufragen.
Hintergrundinformation: Abschiebung ist Alltag
Jedes Jahr verlassen Deutschland etwa 10.000 Menschen unfreiwillig. Wer sind sie? Und auf welche Reise werden sie geschickt? Mit ihrer Ausweisung verschwinden die Schicksale dieser Menschen aus unserem Blickfeld und aus unserem Bewusstsein. Die Blackbox Abschiebung, eine Medieninstallation des Dokumentarfilmer Ralf Jesse im Rahmen des MELEZ-Festivals der Ruhr.2010, macht das Phänomen an öffentlichen Orten im Ruhrgebiet sichtbar. Neun Personen, die von Abschiebung bedroht sind oder abgeschoben wurden, erzählen ihre Geschichten – in Videointerviews und Digitalkamera Aufnahmen, mit denen sie ihre Reise und die Ankunft im Aufnahmeland selbst dokumentiert haben.
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Die „Blackbox Abschiebung“, hier an der Uni in Bochum, Außen- und Innenansicht |
Die „Blackbox Abschiebung“
In einem rudimentären Wohnzimmer aus Gebrauchtmöbeln steht ein Fernsehgerät. Die Sofagruppe könnte das provisorische Zuhause eben der Abgeschobenen sein, die sich in dem Augenblick, in dem der Zuschauer das Ausstellungs-Set betritt, nur noch über den Bildschirm äußern können. Das Programm, das auf diesem Fernseher läuft, ermöglicht Einblicke in Lebenssituationen, die oft im Verborgenen bleiben: In Deutschland, weil sie von Illegalisierung oder unsicherer Duldung geprägt sind. Und in den Ländern, in die die Abschiebung führt, weil sie aus unserem Blickfeld verschwinden. Aus der „Blackbox Abschiebung“ finden selten Bilder zurück nach Deutschland.
Die Installation zeigt auf, welche Umstände, Zufälle, Entscheidungen und Schicksale Zuwanderer in unser Land gebracht haben, welche Erlebnisse ihre Wahrnehmung von Deutschland prägten und was sie mitnehmen in das Land, in das sie gebracht werden – und das ihnen häufig fremd geworden ist. Einige Abgeschobene betreten ihre „Heimat“ nach der Ausweisung auch zum allerersten Mal. Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Die Blackbox Abschiebung macht Betroffene zu Akteuren. In ihrer Abwesenheit, aber mit ihren eigenen Worten fordern sie zur Auseinandersetzung mit dem Thema Abschiebung auf.
essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/melez/programm/blackbox-abschiebung.html
3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=21088&mode=play
Die „Blackbox Abschiebung“ kann man buchen. Kontakt: Ralf Jesse, Institute for Studies in Visual Culture, ralf.jesse@isvc.org
Redaktion: Ralf Jesse/Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im Januar 2011
Fotos: Ralf Jesse; Ruhr2010; AKAFÖ Akademisches Förderungswerk, Studierendenhaus, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum
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