Archiv-Beitrag vom 12.08.2009Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim

Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht


Ein Bürgergruppe aus Kfar Saba besucht in der Zeit vom 9. - 17. August 2009 Mülheim an der Ruhr. Untergebracht sind sie in Mülheimer Gastfamilien, betreut werden sie vom Amt für Ratsangelegenheiten und Bürgerinformation, Büro für Internationale Angelegenheiten
bzw. der Geschäftsstelle des Fördervereins Mülheimer Städtepartnerschaften e.V.

Neben traditionellen Stadtrundfahrten und dem Besuch vieler Sehenswürdigkeiten in unserer Stadt und Umgebung waren unter anderem eine Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Vertretern aus Politik, Rat, Verwaltung und dem Förderverein Mülheimer Städtepartnerschaften auf dem Programm. 

Für beide Seiten war dies ein besonders bewegender Moment.

 

Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht am 11.8.2009 Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht am 11.8.2009
Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht am 11.8.2009 Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht am 11.8.2009

(Fotos: Anke Degner)


Gemeinsam mit offiziellen Vertretern der jüdischen Partnerstadt, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Duisburg - Mülheim/Ruhr - Oberhausen, Jaques Marx und Angehörigen von Holocaustopfern gedachte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld auf dem Jüdischen Friedhof den Opfern der Shoa - gegen das Vergessen.



   Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht am 11.8.2009

 

Rede der Oberbürgermeisterin zur Kranzniederlegung anlässlich des
Besuchs einer Bürgergruppe aus Kfar Saba am 11. August 2009
auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht

 

Meine sehr geehrten Herren und Damen,
sehr geehrte, liebe Gäste aus Kfar Saba! Ihr Besuch in Mülheim an der Ruhr gibt uns die Gelegenheit zum gemeinsamen Gedenken an dieser Stätte. Dies ist für uns ein bedeutsames Anliegen und ein bewegender Moment...

Gemeinsam bekunden wir unsere Verbundenheit mit den Opfern des nationalsozialistischen Unrechtsregimes, gemeinsam verneigen wir uns vor ihnen...
Über Jahrhunderte war ein friedliches und fruchtbares Zusammenleben von Juden und Christen in unserer Stadt gewachsen... Bereits 1796 hatte die angesehene Jüdische Gemeinde eine eigene Synagoge in unserer Stadt. Die Mitglieder – im Jahr 1910 waren es 664 – haben Mülheim auf vielfältige Weise mitgeprägt...

Sie haben das kulturelle, wirtschaftliche und soziale Leben mitgestaltet und bereichert. Die Jüdische Gemeinde war ein fester und wertvoller Bestandteil unseres bürgerschaftlichen Lebens. Erbarmungslos wurde dieses Miteinander von den Nazis ausradiert!

Mit Abscheu schauen wir auf die Untaten, denen unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen jüdischen Glaubens durch die NS-Diktatur ausgesetzt waren... Wir sind fassungslos über das Ausmaß der Verhetzung, der Brutalität, der Unmenschlichkeit...

Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht am 11.8.2009Für uns - als Nachkommen der Täter, der Mitläufer und unzähligen Schweigenden - ist es ein wichtiges Bedürfnis, den Menschen jüdischen Glaubens in unserer Stadt und überall auf der Welt unsere Solidarität und Verbundenheit zu versichern...
Mit Ihrem Besuch – liebe Freunde aus Kfar Saba - reichen Sie uns erneut die Hand zur Versöhnung. Dafür sind wir Ihnen von ganzem Herzen dankbar!

Wir haben aus unserer Geschichte gelernt und fordern deshalb: Niemand soll mehr um sein Leben fürchten  müssen. Niemand darf mehr diskriminiert werden. Das gilt für Mülheim ebenso wie für Deutschland, Europa und weltweit.

Konkret ist Mülheim deshalb der "Europäischen Charta zum Schutz der Menschenrechte in der Stadt" beigetreten...

"Stadt der Menschenrechte" ist keine Auszeichnung, sondern eine dauernde Verpflichtung, eine Aufforderung an alle Bürger und Bürgerinnen in unserer Stadt.

Unser Ziel muss ein von Verständnis und Respekt geprägtes Miteinander sein.

Dies ist auch der einzige Weg, dem Vermächtnis der unzähligen Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft gerecht werden zu können.


Wir dürfen uns heute froh und glücklich schätzen, dass in und mit der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen wieder reiches Jüdisches Leben in Mülheim und in der Region entstanden ist...

Mit rund 2800 Mitgliedern ist sie eine der größten Gemeinden in Nordrhein-Westfalen...

Ihre engagierte religiöse, soziale und kulturelle Arbeit begleiten wir mit Achtung, Sympathie, Dankbarkeit und in guter Weggefährtenschaft.

Sehr geehrter Herr Marx, Sie und all' jene, die im Laufe der Jahre Verantwortung in der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen trugen und tragen, dürfen stolz sein auf das Erreichte!

"Nach Auschwitz ist es unmöglich, Gedichte zu schreiben", hat Theodor W. Adorno gesagt.

Ebenso erschien es undenkbar, dass nach Auschwitz Juden noch einmal bereit sein könnten, in Deutschland und mit Deutschen zu leben.

Nur wahrhaftiges Erinnern konnte und kann die Basis sein für eine gute gemeinsame Zukunft. Nur wer erinnert, kann wahrhaftige Versöhnung bewirken. Aus diesem Grunde haben wir uns hier und heute zusammengefunden.

Unser gemeinsames Gedenken an diesem Ort ist ein ebenso verbindendes wie verbindliches Versprechen gegenüber allen Opfern der Shoa - nämlich das Versprechen, niemals zu vergessen!


 

Anschließender Empfang im Schloß Broich


Im Anschluss lud Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld die Gäste aus Kfar Saba und ihre Mülheimer Gastfamilien zu einem Empfang in das Schloß Broich. Beim Abendessen gab es hier die Gelegenheit zum gemeinsamen Gespräch und zum Austausch.

 

 

Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba in Mülheim - Empfang im Schloß Broich am 11.8.2009 Besuch einer Bürgergruppe aus Kfar Saba - Empfang im Schloß Broich am 11.8.2009

Foto rechts: OB Dagmar Mühlenfeld gemeinsam mit dem Stadtverordneten Yair Avraham (Mitte) und dem Referenten des Oberbürgermeisterin der Partnerstadt Kfar Saba, Hezi Barazani sowie dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Duisburg - Mülheim/Ruhr -Oberhausen, Jaques Marx (vorne sitzend)

(Fotos: Anke Degner)



Die Empfangsrede der Oberbürgermeisterin ist dem Beitrag ebenfalls beigefügt.

 

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Stand: 13.08.2009

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