Chronik

Weiße Flotte: Ein unverzichtbares Wahrzeichen für eine Es war der frühere Oberbürgermeister Dr. Paul Lemke, dem die Mülheimer ihre Weiße Flotte verdanken. Er war es, der den Gedanken der früheren Schifferstadt aufleben lassen wollte. Mülheim sollte wieder eine eigene Schifffahrt erhalten. Am 15. September 1927 wurde diese Vision zur Realität: Vier Motorschiffe - die "Mülheim", "Kettwig", "Oberhausen" und "Vest Recklinghausen" - gingen fahrplanmäßig auf Kurs. Die "Weiße Flotte" war geboren.


Ein Jahr darauf wurde die Mülheimer Weiße Flotte durch den Zukauf der Boote "Mintard" und "Sterkrade" verstärkt. Mit gutem Grund, denn die Mülheimer nahmen das neue Angebot gerne an. Allein in der Saison 1928 beförderten die Ausflugsboote 487.000 Fahrgäste auf der Ruhr.


1929 wurde die Flotte erneut erweitert. Als siebtes Schiff kam die "Essen" hinzu; als Nummer acht ein Doppeldeck-Ausflugsschiff, das 400 Personen aufnehmen konnte und zu Ehren des Urvaters der Mülheimer Weißen Flotte auf den Namen "Oberbürgermeister Lemke" getauft wurde. Allerdings blieb dieses Schiff nur bis 1936 in Mülheimer Besitz, es wurde dann an die Kölner Firma Weber veräußert.

 
1940 musste der Schiffsbetrieb eingestellt werden - die Wehrmacht hatte die Schiffe "Mülheim" und "Vest Recklinghausen" beschlagnahmt und in Holland als schwimmende Schreibstube und Kleiderkammer umfunktioniert. Im folgenden Jahr konfiszierte die Wehrmacht auch die "Oberhausen" und die "Kettwig". Augenzeugen berichten, diese Schiffe auf dem Dnjepr in Russland gesehen zu haben.


Unter schwierigsten Bedingungen begann der Wiederaufbau der Weißen Flotte nach dem Krieg. Am 22. Mai 1947 nahm sie mit zwei Booten den Fahrbetrieb wieder auf; 1948 war auch das dritte Vorkriegsboot wieder einsatzfähig. Bis 1952 kaufte man gebrauchte Schiffe aus verschiedenen Gegenden auf, so das ehemalige Nordsee-Bäderschiff, das zunächst unter dem Namen "Mülheim an der Ruhr", später als "Bottrop" im Einsatz war; ein Zollkreuzer von der Elbe erhielt den Namen "Mintard" und vom Mittelrhein kam die "Sterkrade" in den Mülheimer Dienst.


Eine neue Epoche wurde eingeläutet, als bei der Clausen-Werft in Oberwinter ein neuer Schiffstyp entwickelt wurde. Die Betriebe der Stadt Mülheim an der Ruhr stellten

· 1954 die neue "Oberhausen" (bis 2011) 
· 1955 die "Friedrich-Freye"
· 1957 die "Stadt Kettwig" (bis 1996) und
· 1959 die "Mülheim a.d. Ruhr"

in ihren Dienst. Neben den neuen Booten gab es auch ein neues Konzept: vom Ausflugsverkehr am Wochenende hin zur ständigen Nutzung - auch an Werktagen. Die Idee der Sonderfahrten war geboren, die Boote sollten nun auch für Betriebsausflüge, Tagungen, Vereinsfeiern oder ähnliche Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

1971 legte mit der "Heinrich Thöne" erstmals ein Motorschiff vom Mülheimer Wasserbahnhof ab, das von der Boots-Werft, Trier, genau auf diese Bedürfnisse maßgeschneidert worden war: ein modernes Fahrgast- und Konferenzschiff mit zwei beheizten Salons, Bar und zentral betriebener Stereo- und Mikrophonanlage, dem Außendeck und einer voll eingerichteten Küche ausgestattet. Schon bald war die Nachfrage so groß, dass auch das Motorschiff "Mülheim a.d. Ruhr" umgebaut wurde: Es erhielt einen zweiten Salon, die festen Bankreihen wurden durch Stühle ersetzt, die individuell umgestellt werden können.

Im Jahr 2011 wurde die Oberhausen verkauft. Sie wird jedoch ihren Liegeplatz am Wasserbahnhof Mülheim an der Ruhr weiter behalten.

Heute bietet die Ruhrschifffahrt nicht nur viele attraktive Sonderfahrten an, auch für private Feiern, Geburtstage und nicht zuletzt für Trauungen werden diese Schiffe gerne angemietet. Im Mülheimer Stadtbild ist die Weiße Flotte längst fest verankert - ein unverzichtbares Wahrzeichen für eine "Stadt am Fluss". Was wäre Mülheim ohne sie?


Die Schiffe der Weißen Flotte im Überblick

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Stand: 19.10.2012

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