Über dieses Buch: Danko Rabrenović flüchtet als 22-Jähriger vor dem Jugoslawienkrieg nach Deutschland. In diesem Buch erzählt er seine Geschichte(n). Wie er fast alle Aufenthaltstitel der deutschen Bürokratie sammelt. Wie er sich im Deutschkurs vor dem Buchstabieren seines Vornamens drückt („Danko! Wie Danke – aber mit o am Ende“), wie er liebgewonnene deutsche Sitten übernimmt, ohne seine Wurzeln zu verleugnen („Integration ohne Mutation“). Humorvoll hinterfragt er Klischees und kulturelle Gegensätze: Warum bestehen Deutsche im Restaurant darauf, getrennt zu zahlen? Werden „Jugos“ als Romablasmusik-Fans geboren? Warum schimpft man auf dem Balkan genitalfixiert und in Deutschland analfixiert? Was ist ein Gastarbeiter-Spagat? Und ganz nebenbei entknotet er herrlich selbstironisch und amüsant das ex-jugoslawische Sprach- und Herkunftswirrwarr.
Über die Autoren: Danko Rabrenović wurde in Zagreb geboren, wuchs in Belgrad auf und lebte als Kind mit seinen Eltern drei Jahre in Peking. Kurz nach Ausbruch des Jugoslawienkrieges kam er nach Deutschland. Sein Anglistik- und Medienwissenschaften-Studium finanzierte er unter anderem als Pflanzenschutzmittel-Einatmer und Koch in einem mexikanischen Restaurant. In seiner wöchentlichen Radiosendung „Balkanizer“ auf WDR Funkhaus Europa (balkanizer.de) spielt er Balkan-Musik und spricht mit seinen Gästen über ihre persönlichen „Balkan-Geschichten“. Rabrenović ist außerdem Sänger und Gitarrist der Band Trovaci (trovaci.de). Sebastian Brück studierte in Düsseldorf, Barcelona, Stockholm und Stuttgart Soziologie, Spanisch und Journalistik. Ehemals Report-Redakteur in der Hamburger Zentralredaktion des Magazins „Prinz“, arbeitet der Düsseldorfer mit Kölner Migrationshintergrund heute als freier Autor und Journalist. Seit er mit einer gebürtigen Sarajevoerin verheiratet ist, schreibt er noch lieber über Kultur und Musik vom Balkan.
Danko Rabrenović, Düsseldorf, September 2010: „Bedenke, wenn du an jemand etwas auszusetzen hast, dass die meisten Menschen es im Leben nicht so leicht gehabt haben wie du.“ Ich war immer fasziniert von diesem edlen, klugen Satz, mit dem F. Scott Fitzgeralds Meisterwerk „Der große Gatsby“ beginnt. Es ist aber sehr schwer, diesen Gedanken im Alltag umzusetzen.. . In der Tat hat jeder Mensch andere Möglichkeiten, je nachdem, wo und wie er aufwächst. Dieser Hintergrund ist und bleibt immer ein Teil unserer Persönlichkeit. Die große Kunst ist, dass wir uns für unsere Biografie weder schämen noch besonders stolz auf sie sind. Als ich mit dem Projekt „Der Balkanizer“ begann, kam mir der Satz Fitzgeralds immer wieder in den Sinn, denn ich schrieb über meine Begegnungen in Deutschland – und somit auch Rabrenović, Balkanizer über andere Menschen: „Jugos“ und Deutsche. Es war mir schnell klar, dass die Themen, die ich in diesem Buch anspreche, sehr komplex und alles andere als einfach sind. Aber mir war wichtig, dass ich „meine Geschichte“ möglichst authentisch und ohne unnötiges „Make-up“ erzähle. Einfach so, wie sie ist: Meine sehr persönliche, subjektive Sicht auf das Leben in einer Multikulti-Gesellschaft. Meine „Weltanschauung“, die auf meinen Erfahrungen basiert. Ich hoffe jedoch, dass sich die Leserinnen und Leser in manchen Beobachtungen wiederfinden. Aber vor allem hoffe ich, dass diejenigen, die völlig andere Erfahrungen und Anschauungen haben, ein paar neue Denkanstöße bekommen. Das Buch ist also keineswegs die Geschichte eines Zuwanderers, der das „Integrationsrezept“ gefunden hat, sondern eine Sammlung von Geschichten aus meinem Alltag in Deutschland.
Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, im März 2011
Quellen: Foto Band Trovaci, balkanizer.de; Titel Buch und Buchbesprechung, vgs EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
Danko Rabrenović
Der Balkanizer
Ein Jugo in Deutschland
189 Seiten
12,95 Euro
ISBN 978-3-8025-3708-0
vgs EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
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