17. Oktober 1928: Eröffnung des Kaufhauses Tietz
Die Kaufhof AG - ehemals Leonhard Tietz AG - ist eines der ältesten deutschen Warenhaus-Unternehmen. Keimzelle der Firma war ein kleines Geschäft für Garne, Knöpfe, Stoffe und Wollwaren in Stralsund, das der Kaufmann Leonhard Tietz 1879 dort eröffnet hatte. Mit seinen drei Geschäftsgrundsätzen Barzahlung, Festpreis und Rückgaberecht galt er bei seinen Zeitgenossen als ein Pionier des Einzelhandels. 1885 entstand nach französischem Vorbild das erste Mehrabteilungskaufhaus Deutschlands in Elberfeld, sechs Jahre später eröffnete Tietz eine Filiale in Köln, wohin er später auch seinen Firmensitz verlagerte.
Die erste Mülheimer Filiale der Leonhard Tietz AG öffnete am 17. Oktober 1928 im ehemaligen Kaufhaus "Hammonia" ihre Tore. Der Standort in der Wallstraße/Ecke Löhberg war im September 1927 von Tietz übernommen worden und wurde nach mehrmonatigen Umbauarbeiten im Herbst des Jahres 1928 unter neuem Namen wiedereröffnet. Begleitet wurde die Neueröffnung von einer bespiellosen Werbekampagne in den Mülheimer Zeitungen: großformatige, teilweise ganzseitige Anzeigen priesen das umfangreiche Sortiment des neuen Warenhauses. Die Mülheimer staunten über das neue Prunkstück ihrer Stadt, über die Rolltreppen auf fünf Etagen und die Delikatessen aus aller Welt, die man in der Lebensmittelabteilung bewundern und natürlich auch kaufen konnte. Das neue Warenhaus wurde dankbar angenommen, so dass ein Jahr später bereits eine bauliche Erweiterung notwendig war.
Die Zeit des Nationalsozialismus ging auch an der Leonhard Tietz nicht spurlos vorüber. Um die Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern, wurde die Leonhard Tietz AG Mitte der 1930er Jahre in Westdeutsche Kaufhof AG (kurz: Kaufhof) umbenannt. 1936 wurde die jüdische Familie Tietz enteignet, das Unternehmen arisiert und die Firmenleitung ausgetauscht. Die ehemaligen Inhaber emigrierten ins Ausland.
Ein Bombenangriff im November 1943 zerstörte die Mülheimer Filiale so stark, dass der Verkauf in zwei behelfsmäßige Notverkaufsstätten an der Schloßstraße - das Woolworth-Haus sowie das Eisenwarengeschäft Höfmann - ausgelagert werden musste. Bereits einen Monat später konnte in den beiden Ladenlokalen der Verkauf aufgenommen werden.
Am heutigen Standort des Hotels Noy an der unteren Schloßstraße eröffnete der Kaufhof am 30. November 1948 seinen ersten Neubau nach dem Krieg. Es war ein bescheidenes, eingeschossiges Gebäude mit einer Verkaufsfläche, die gerade einmal 1500 qm umfasste.
Fünf Jahre später, im November 1953, bezog der Kaufhof dann einen modernen und technisch gemäß dem Stand der Zeit ausgerüsteten, fünfgeschossigen Neubau an der Friedrich-Ebert-Straße. Der Umzug in dieses Gebäude brachte eine Ausweitung der Verkaufsfläche auf 6.000 qm mit sich. Das neue Haus wurde 1962-63 noch einmal erweitert sowie um ein Parkhaus ergänzt. Verlief die Entwicklung des Mülheimer Kaufhofs abgesehen von den Kriegsjahren lange Zeit stetig nach oben, so muss sich das Unternehmen heute verstärkt gegen die Konkurrenz auf der "grünen Wiese", die riesigen Einkaufszentren nach amerikanischen Vorbild, behaupten.
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Stand: 16.01.2012








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