Der Stolperstein in der Auerstraße

Stolpersteine der Familie Hermann Meyer, Verlegung am 31.01.2017Familie Hermann Meyer (Auerstraße 23)

Der am 18. August 1876 in der damals noch selbständigen Landgemeinde Eppinghofen geborene Hermann Meyer war Sohn der Eheleute Leo und Regina Meyer, geborene Meyer, einer alt eingesessenen jüdischen Metzgerfamilie. Der Vater führte eine Metzgerei, nachweislich bis 1918. Die Familie wohnte in Eppinghofen Nr. 129½.

Er heiratete am 23. Januar 1907, wie in damaliger Zeit üblich, am Wohnsitz der Braut, die am 23. Mai 1888 in Kamp (heute Kamp-Lintfort) geborenen Sibilla Jesse.

Hermann Meyer trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenso Metzger. Die Familie wohnte in der Georgstraße 2, wo auch die Tochter Hildegard am 18. Dezember 1907 geboren wurde.

Am 17. Oktober 1909 erblickte der Sohn Kurt, ebenfalls in Mülheim an der Ruhr, das Licht der Welt.

Hildegard war von 1914 bis 1920 Schülerin der Luisenschule. Kurt besuchte von 1916 bis 1921 die Oberrealschule Mülheim an der Ruhr. Er wurde wie sein Vater und Großvater Metzger, durfte aber offensichtlich während der NS-Zeit seinen Beruf nicht mehr ausüben, zumindest deutet auf der Einwohnermeldekarte die durchgestrichene Berufsbezeichnung als Metzger, geändert in "Tiefbauarbeiter", darauf hin. Er wurde demnach zu Tiefbauarbeiten herangezogen - eine Schikane der Nazis gegenüber der jüdischen Bevölkerung. unter dem Nazi-Regime erhielten jüdische Mitbürger entweder ein Berufsverbot, oder sie wurden entlassen und nicht selten zu niederen Tätigkeiten (z.B. im Straßen- und Tiefbau) heran gezogen wie hier im Broich-Speldorfer Wald Kurt Meyer ist der 6. von links mit freiem Oberkörper, war von Beruf Metzger wie sein Vater Hermann Meyer

Am 18. Oktober 1941 heiratete er Hanna Herz, die am 14. Mai 1921 in Recklinghausen geboren war. Sie lebte auch mit im Haushalt in der Auerstraße 23 und auch sie ist später zusammen mit den anderen Familienmitgliedern deportiert worden.

Am 30. August 1923 ist die Familie von der Georgstr. 2 zur Auerstr. 23 verzogen. In diesem Hause betrieb Hermann Meyer nachweislich von 1930 bis 1937 eine Metzgerei.

In den Adressbüchern der Jahre 1912 bis 1938 finden sich bereits Eintragungen über die Metzgerei Hermann Meyer, zunächst noch in der Georgstraße 2, später unter der Adresse Auerstraße 23.  

Bauakte Auerstraße 23, Archivsignatur: StaMH 1207/10Die Bauakte des Hauses Auerstr. 23 belegt mehrere baulich vorgenommene Veränderungen im Wohn- und Geschäftsbereich des Hauses. Er muss in dieser Zeit auch geschäftliche Beziehungen mit dem Viehhändler Albert Salomon Moses unterhalten haben, weil dieser von 1936 bis 1939 auch in der Auerstr. 23 gemeldet war. 1933 gibt es einen Vorgang mit Eingaben hiesiger Viehhändler an den Oberbürgermeister über die Ausübung des Viehhandels durch den Viehhändler Albert Moses und den Metzgermeister Hermann Meyer. Für Albert Salomon Moses ist ebenfalls ein „Stolperstein“ verlegt.

Im Hause Auerstr. 23 wohnte die Familie bis zum 21. April 1942. Unter diesem Datum ist in den Einwohnermeldekarten der Familienmitglieder der Vermerk „n.[ach] unbekannt Abwanderung“ eingetragen worden. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich das Datum der Deportation der Familie.

Die Deportation der Familie begann mit einem Schreiben, das ihnen Mitte April 1942 zugestellt wurde. Es gab ihnen auf, sich am 20. (oder frühmorgens am 21.) April im Barackenlager Holbeckshof – oder alternativ im Betsaal des Essener Gemeindehauses Hindenburgstraße einzufinden. Vom Hauptbahnhof Essen wurden sie am 21. April 1942 mit dem Sonderzug „Da 125“, der aus fünf bis sieben Personen- und zwei Güterwagen bestand, mit 353 Juden aus Essen und Umgebung nach Düsseldorf-Derendorf überführt. Dort, im Sammellager am Schlachthof, wurde über Nacht die Gesamtgruppe aus dem Bereich der Staatspolizeidienststelle Düsseldorf zusammengestellt. Der Transport mit 387 Männern und 684 Frauen, in insgesamt 20 Wagen, verließ den Bahnhof Derendorf am 22. April 1942, um 11.06 Uhr, als Sonderzug „Da 25“.

Zielort des Transportes war ursprünglich Trawniki. Allerdings wurde als Zielort kurz vor der Abfahrt „Izbica“ festgelegt. In dem dortigen Durchgangslager verblieben die Deportierten bis etwa Oktober 1942. Postkarten aus dieser Region erreichten innerhalb dieses Zeitraums (von April bis Oktober 1942) Familienangehörige im Rheinland und im Ruhrgebiet.

Im Oktober 1942 wurden die Verschleppten zu einem Vernichtungslager, vermutlich Sobibor, transportiert; andere Deportierte vielleicht auch nach Belcec. Hermann, Sibilla und ihre beiden erwachsenen Kinder, Hildegard und Kurt Meyer sowie die Schwiegertochter Hanna wurden vom Amtsgericht Mülheim an der Ruhr mit Datum 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Es ist davon auszugehen, dass sie im Ghetto Izbica ermordet wurden.

Das Haus Auerstr. 23 muss wohl bei den Bombenangriffen auf Mülheims Innenstadt beschädigt oder zerstört worden sein. Der von Julius Levi gestellte Antrag auf Wiederaufbau des Wohn- und Geschäftshauses wird aus planungsrechtlichen Gründen 1946 abgelehnt.

 


Stolperstein für Benjamin Traub in der Auerstraße 59

Benjamin Traub (Auerstraße 59)

Benjamin Traub war das vierte Kind der Eheleute Karl Friedrich und Karoline (Lina) Traub und der jüngste Bruder des Mülheimer Künstlers Daniel Traub. Er wurde am 25. November 1914 in Mülheim an der Ruhr geboren. Von 1914 bis 1919 lebte die Familie kriegsbedingt erst in Bremerhaven, anschließend in Köln. 1923 zogen sie zurück nach Mülheim und wohnten bis 1938 in der zweiten Etage des Hauses Auerstraße 59. In Mülheim war Karl Friedrich Traub Prediger der Baptistischen Gemeinde.

Benjamin wurde in Köln eingeschult, besuchte 1923/24 vermutlich die Schule an der Auerstraße und war von 1925 bis 1931 Schüler der Oberrealschule (heute: Karl-Ziegler-Schule). Er galt als sehr begabt, spielte Klavier und war ein leidenschaftlicher Schachspieler. Seine Begabung ermöglichte es ihm, eine Schulklasse zu überspringen.

Kurz nach seinem fünfzehnten Geburtstag bekam er Krampfanfälle, die auf  Jugendschizophrenie hindeuteten. Im August 1931 brachte man ihn in die Heil- und Pflegeanstalt nach Bedburg-Hau, wo er neun Jahre lang behandelt wurde. Zwischendurch kam er zu Besuch nach Hause oder erhielt Besuch von seiner Familie.  Nach Kriegsbeginn – Bedburg wurde als Lazarett benötigt – verlegte man ihn im März 1940 in die „Zwischenanstalt“ Weilmünster in Hessen. Auch hier besuchten ihn seine Angehörigen.

Am 13. März 1941 holten die berüchtigten grauen Busse der inzwischen zur Tötungsanstalt umgebauten Heil- und Pflegeanstalt Hadamar ihn und weitere 64 Patienten ab. Sofort nach der Ankunft führte man sie einem Arzt vor, der eine „natürliche Todesursache“ für den Totenschein bestimmte. Dann wurden Benjamin und die anderen Patienten in der Gaskammer im Keller der Anstalt durch Kohlenmonoxyd umgebracht. Die Leichname verbrannte man in den Krematoriumsöfen der Anstalt. Anfang April 1941 erhielten die Eltern die Nachricht, dass ihr Sohn „plötzlich und unerwartet an einer Grippe mit nachfolgender Hirnhautentzündung“ verstorben sei. Kurz darauf stellte man der Familie eine Urne zu, die angeblich Benjamins Asche enthielt. In einer kleinen Trauerfeier wurde sie auf dem Dümptener Friedhof beigesetzt.

 

Längengrad*
Breitengrad*
ODER Adresse (nur Straße und Hausnummer)
Markertext*

Kontakt


Stand: 07.02.2017

[schließen]

Fehler melden

Sie haben einen Fehler gefunden? Bitte teilen Sie ihn uns mit. Ein Redakteur wird sich umgehend darum kümmern.

Ihre Nachricht

Sicherheitscode (Was ist das?)

 

Teilen | Drucken | PDF-Version | RSS-Feed | Fehler melden

Transparenter Pixel