Archiv-Beitrag vom 14.08.2008Dezernent Wilfried Cleven verabschiedet

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zur Verabschiedung und zum 65. Geburtstag von Wilfried Cleven

am 12. August 2008 in der Stadthalle

***

"Herzlich willkommen meine Herren und Damen,

liebe Kollegen und Kolleginnen, verehrte Gäste.

Wir sind alle hier, weil Wilfried Cleven heute 65 Jahre alt wird – und weil er uns eingeladen hat, diesen besonderen Geburtstag mit ihm zu feiern.

Deshalb überbringe ich zunächst auch ganz offiziell im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt Mülheim an der Ruhr zu diesem Anlass die herzlichsten Gratulationsgrüße, verbunden mit den besten Wünschen für eine große Zahl kommender Lebensjahre in Gesundheit Glück und Zufriedenheit.

Empfang zum 65. Geburtstag und Verabschiedung des Beigeordneten Wilfried Cleven aus den Diensten der Stadt Mülheim an der Ruhr. Festsaal der Stadthalle.12.08.2008Foto: Walter Schernstein

Danke für die Einladung, lieber Wilfried. Du siehst, welch große Schar Deinem Ruf gefolgt ist und sich eingefunden hat. Ich weiß, dass alle gerne gekommen sind, dass alle Dir damit eine Freude machen und Dich außerdem ehren wollen. Und dazu werden im weiteren Verlauf des Abends auch ausgiebig Zeit und Gelegenheit zur Verfügung stehen.

Empfang zum 65. Geburtstag und Verabschiedung des Beigeordneten Wilfried Cleven aus den Diensten der Stadt Mülheim an der Ruhr. Festsaal der Stadthalle.12.08.2008Foto: Walter Schernstein-

Es gibt eine Reihe von Assoziationen die mit besonderen Geburtstagszahlen verbunden werden: Silber und Gold für 25 und 50 und noch viele andere Metalle und Materialien.

Der Zahl 65 jedoch wird in unserem Land im Wesentlichen der Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand zugeschrieben.

Und tatsächlich trifft dies auch heute auf Dich zu, liebes Geburtstagskind.

Wir feiern eben nicht nur Deinen 65. Geburtstag, sondern sagen auch "Auf Wiedersehen", sagen Dank für 50 Dienstjahre in der Stadtverwaltung Mülheim an der Ruhr. Das sind 50 Jahre Arbeit für die Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt, denn das ist die wichtige und vornehme Aufgabe der MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung.

Ein paar Stationen und Ereignisse in diesem halben Jahrhundert will ich gleich ansprechen.

Vorher aber, liebe Gäste, lassen Sie uns noch einen Moment beim Datum des heutigen Tages verweilen, dem 12. August.

Schnell ist das gesagt: "Der 12. August hat es in sich!" Und es passt ja auch immer irgendwie, schließlich passiert seit Jahrtausenden jeden Tag jede Menge auf diesem Planeten.

Ich habe nur Weniges herausgegriffen, die Bezüge mögen Sie selbst herstellen.

1921: wird in Berlin die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) gegründet, um Millionen hungernder Menschen in der UdSSR zu unterstützen. Zu den Gründungsmitgliedern zählen: Käthe Kollwitz, Albert Einstein, George Bernhard Shaw und Clara Zetkin.

1930: erfolgt die Uraufführung des Films "Der Sohn der weißen Berge" mit Luis Trenker in der Hauptrolle.

1955: stirbt Thomas Mann im Alter von 80 Jahren, Literaturnobelpreisträger, deutscher Dichterfürst nach Goethe und moralische Instanz gegen Nazi-Deutschland

1970: unterzeichnen Willy Brandt und Leonid Breschnew in Moskau den deutsch-sowjetischen Vertrag über Gewaltverzicht und Zusammenarbeit.

1971: wird der spätere Tennis-Star und Wimbledon-Sieger Pete Sampras geboren.

Und nicht zu vergessen:

1943: wird wegen der Kriegsereignisse nicht im Bomben bedrohten Mülheim, sondern im sichereren sauerländischen Winterberg Wilfried Cleven geboren

und

2008: beendet derselbe eine Bilderbuchkarriere bei der Stadt Mülheim an der Ruhr, die ihn vom "kleinen" Sachbearbeiter zum Dezernenten aufsteigen lässt.

Anrede,

ich verrate Ihnen gerne die Zusammenhänge, die sich für mich zwischen den Daten der Weltgeschichte und unserem Jubilar aufgetan haben. Drei große "S" stehen für

Sport

Soziales

Sozialdemokratie.

Diese drei haben sein Leben in Beruf und Freizeit bestimmt, haben es reich gemacht.

In Sport und Beruf war und ist Wilfried Cleven All-Rounder:

Sport

  • Mit Ball (Tennis, Golf)
  • Mit Gerät (Ski, Rad, Nordic Walking)
  • oder ohne beim Joggen

Im Beruf ist es die erwähnte Bilderbuchkarriere, der Aufstieg im Unternehmen von der Pike bis ganz nach oben in die Entscheiderebene, die den beruflichen All-Rounder hervorgebracht hat. Abzulesen an den verschiedenen Aufgaben-, Fachbereichen und Dezernaten, in denen er gewirkt hat. Jugend, Personal, Gesundheit, Soziales, Eigenbetrieb Sport und Bäder -MSS, Eigenbetrieb städt. Alteneinrichtungen, Wohnungsbau und Wohnungswesen sowie Beschäftigungsförderung.

Und damit verbunden ist natürlich auch die besondere Beständigkeit, Treue, Stete einer 50jährigen Zugehörigkeit zum gleichen Dienstherren.

Beständigkeit, Treue und Einsatz kommen auch bei seiner politischen Überzeugung zum Tragen. Seit 45 Jahren ist die SPD seine politische Heimat, und so lange ist Wilfried Cleven aktiv in Ortsverein und Unterbezirk engagiert.

Lieber Wilfried,

bei Zitaten zu einem runden oder halbrunden Geburtstag sollte man schon genau hinsehen, damit sie auch wirklich passen - und nicht treffen.

Ich behaupte jetzt einmal ganz mutig, ein geradezu perfektes gefunden zu haben und wage auch, es kundzutun. Es stammt von Hans-Joachim Rauschenbach, und er hat diese Aussage zu seinem siebzigsten Geburtstag am 23.06.1993 der "Welt" gegenüber gemacht:

"Für einen Tribünenplatz ist man auch mit fünfundsechzig noch zu jung!"

Geradezu perfekt, das Zitat, denn

auf der Tribüne hast Du zwar gelegentlich gesessen, aber hauptsächlich hast Du andernorts gewirkt, damit die auf den Tribünen Hochklassiges sehen und genießen konnten.

So verdanken wir Dir die erfolgreiche Organisations- und Veranstaltungsstruktur der städtischen Sportehrentage, die heutige medl Nacht der Sieger und die begleitende Mitarbeit am Bau von 128 Sportstätten, die seit 1964 in Mülheim entstanden sind. Darunter so unverzichtbare wie die Hallenbäder Nord und Süd, das Freibad Ruhrstadion sowie dessen Umbau zum Naturbad und das Friedrich-Wennmann-Bad. Aber auch den Bau der alten Sporthalle an der Carl-Diem Str. – heute an den Sportstätten - sowie deren Abriss und den Neubau der RWE Rhein-Ruhr Sporthalle an selber Stelle hast Du, zum Teil verantwortlich, begleitet.

Dein persönliches, sportliches Highlight und eine besondere Auszeichnung für Dein organisatorisches Geschick war sicherlich Deine Berufung in das Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 in München. Der damals 28jährige Oberinspektor Wilfried Cleven wurde von "Mister-Olympia", Siegfried Perrey, in dessen Stab in die Abteilung "Koordination" berufen. Ein Erlebnis, das nicht allein wegen der traurigen Ereignisse, unvergessen bleiben wird.

Im Sozialbereich seien die Meilensteine "Einführung der Zentralen Wohnungsfachstelle", "Auflösung der Obdachlosenunterkünfte in unserer Stadt" und der "Mülheimer Sozialdialog" sowie der Aufbau der "Sozialagentur" aufgrund der Mülheimer Optionslösung stellvertretend für viele weitere Innovationen genannt. Unter Deiner Regie ist der lange, zum Teil steinige Weg der städtischen Alteneinrichtungen vom Eigenbetrieb in eine gemeinnützige GmbH vollendet worden.

Und auch im übertragenen Sinne hast Du es Dir nicht auf der Tribüne bequem gemacht, um dann irgendwann den Daumen zu heben oder zu senken über das Geschehen und die Akteure im Stadion. Denn eben dort – in der Arena – war und ist Dein Platz.

Sei es die sozialpolitische, die sportpolitische oder die sportliche Wettkampfstätte – stets hast Du Dich am Ende mit dem Ergebnis Deiner Arbeit dem Urteil derjenigen gestellt, denen Dein Einsatz galt.

Es ist schön und gerecht und Dir von Herzen gegönnt, dass Du dafür auch bereits im Verlauf Deines Wirkens und natürlich heute viel Lob, Respekt, Wertschätzung und Anerkennung erleben und erfahren durftest und weiterhin erhalten wirst.

Dein ausgleichendes, freundliches Naturell, der Umstand, dass Du ganz offenbar ein Menschenfreund bist und Dich auch so verhältst, machen es angenehm, mit Dir zu arbeiten und haben Dich mit Freundschaften und wertvollen menschlichen Beziehungen belohnt.

Empfang zum 65. Geburtstag und Verabschiedung des Beigeordneten Wilfried Cleven aus den Diensten der Stadt Mülheim an der Ruhr. Festsaal der Stadthalle.12.08.2008Foto: Walter Schernstein-

Nein, Wilfried, Du wirst auch mit 65 Jahren nicht mit einem Tribünenplatz zufrieden sein, auch wenn der Vertrag als Cheftrainer nicht verlängert werden kann. Du könntest es auch noch gar nicht – zu lang ist die Liste der sportlichen, sport- und sozialpolitischen Gremien, Organisationen, Fachbeiräte, in denen Du beratend tätig warst und bist. Ich komme schnell auf über 20, und da sind die Mitgliedschaften in Vereinen unserer Stadt gar nicht berücksichtigt. (...) Die genannten Gremien spiegeln die beeindruckende Vielfalt Deines Wirkens und Deines Engagements.Und so ist es schnell vorstellbar, dass Dein Sach- und Fachverstand auch weiterhin gebraucht werden.

Freuen über dein "Mehr an Freizeit" wird sich ganz sicher Deine Familie. Deine Lieben mussten Dich in den vergangenen Jahren oft entbehren. Dennoch wissen wir, dass Du ein Familienmensch bist. Mit Deinen Kindern verbindet Dich ein besonders inniges Verhältnis.

Du wirst jetzt mit Claudia gemeinsam Gelegenheit haben, noch viele Familien-Städtetouren zu genießen.

Lieber Wilfried,

wenn Du Dich also demnächst mit einem neuen, freieren Zeitbudget vertraut gemacht hast, wenn Du ausgewählt hast, welches Ehrenamt Du fortsetzen, welches Du beenden oder welches Du neu hinzunehmen wirst, wenn Du mit Claudia die Urlaubsreisen der nächsten drei Jahre fest geplant hast, wenn Dein Handicap verbessert und Deine Rückhand wieder perfekt ist, wenn Dich Dein Rücken nicht mehr schmerzt und Du Dir den Rathaus-Anbau mit der ehemaligen Teppichetage schon fast gar nicht mehr vor Augen führen kannst, - dann wissen wir Dich glücklich und nach Deinen Wünschen beschäftigt und ausgefüllt.

Wir werden dann allerdings ganz heimlich schon mal einen Platz auf der Ehrentribüne für Dich reserviert haben, von dem aus man bestens sehen und gesehen werden kann.

Nur so zur Sicherheit und für irgendwann in 20, 30, 40?? ??Jahren.

Lieber Wilfried,

herzlichen Glückwunsch, auf Wiedersehen und eine gute Zeit!

Empfang zum 65. Geburtstag und Verabschiedung des Beigeordneten Wilfried Cleven aus den Diensten der Stadt Mülheim an der Ruhr. Festsaal der Stadthalle.12.08.2008Foto: Walter Schernstein

Nun werden die engsten Kollegen und KollegInnen von Wilfried Cleven ihr ganz persönliches Abschiedsgeschenk präsentieren. Denn außer seiner Familie kennt ihn sonst kaum jemand besser. Sie werden uns die eine oder andere Eigenart, liebenswerte Eigenschaft und Charakterzüge von Wilfried Cleven näher bringen. Wir werden deshalb jetzt eine Alt-Hippie-Wohngemeinschaft kennen lernen. Hier hat sich gestern ein neuer Mitbewohner vorgestellt und wir sind alle eingeladen, Zeugen zu sein, wie in der dortigen Küche eine WG-Sitzung stattfindet. Es spielen mit: Matte - der langhaarige Freak, Manfred - der Intellektuelle, Petra - genannt Ma Ananda, die WG-Mutti, Uschi - die Lebensfrohe, Siggi - die Therapeutische, Mike - der Träumer, und Rüdiger - der Linke. Die WG muss sich heute einig werden, denn sie hat ein Zimmer frei."

Kontakt


Stand: 14.08.2008

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