Die Geschichte der diakonischen Migrationsarbeit beginnt im Jahr 1956. Damals kümmerte sich die Jugendgilde, wie die Jugendgemeinschaftswerke der Diakonie auch hießen, in Trägerschaft der evangelischen Heimstatthilfe in Rheinland und Westfalen mit der Geschäftsstelle Rheinland mit Sitz in Essen, überwiegend um allein stehende junge Flüchtlinge aus der sog. „SBZ“ (sowjetisch besetzte Zone), also der ehemaligen DDR. Es ging um Unterkunft (entweder in einem Wohnheim oder als Kost- und Logisgast, möglichst mit Familienanschluss), um Berufsausbildung und Arbeit. Aber auch die Hilfen zur Eingliederung in die Lebensverhältnisse der jungen Bundesrepublik, in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Kirche gehörten wie die Bildungsarbeit zu den Aufgaben.
Schon damals waren Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit (Bildungsseminare, offene Treffs, Bildungsreisen) angewandte Methoden, ebenso waren für das Gelingen der Arbeit gute Kontakte im Gemeinwesen und Zusammenarbeit mit vielen Partnern unbedingt erforderlich. Heute würde man das wohl „sozialräumliche Orientierung“ und „Netzwerkarbeit“ nennen.
Nach dem Mauerbau 1961 ging die Anzahl der Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR so rapide zurück, dass das Netz der Beratungseinrichtungen sehr ausgedünnt wurde. Gab es vorher in Duisburg, Oberhausen und Essen eigene Einrichtungen, war der damalige Kollege Anfang der 1960er Jahre zuständig für den Bereich Mülheim, Oberhausen, Essen, Duisburg bis hoch nach Dinslaken.
Ab Anfang der 1970er Jahre stieg die Zahl der Zuwanderer nach der Ratifizierung der Polnisch/Deutschen Verträge kontinuierlich an aufgrund der Übersiedlung von deutsch-stämmigen Personen überwiegend aus (Ober-)Schlesien und Ostpreußen. Dazu kam eine nennenswerte Anzahl von deutsch-stämmigen Menschen aus Rumänien, vorwiegend Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben. Auch gab es zu dieser Zeit einige „freigekaufte“ Häftlinge aus der ehemaligen DDR. Die Jüngsten von ihnen wurden von der Jugendgilde begleitet und waren eine äußerst schwierige Klientel, wie der damalige Kollege Manfred Hoffmann sich erinnert.
Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre war der Höhepunkt der Zuwanderungswellen aus Polen und der ehemaligen DDR erreicht, es kamen bis zu 500.000 Menschen in einem Jahr. Damals wurden die Beratungseinrichtungen personell wieder aufgestockt, so dass in Mülheim drei Berater in Vollzeit tätig waren. Seit Anfang der 1990er Jahre waren es dann überwiegend deutsch-stämmige Spätaussiedler und jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen UdSSR, die vom Jugendgemeinschaftswerk/Jugendgilde beraten und begleitet wurden.
Im Jahr 2002 wurde die Arbeit für alle legal zugewanderten jungen Menschen im Alter von 12 bis 27 Jahren vom federführenden Bundesministerium für Jugend, Frauen, Senioren und Familien geöffnet, so dass es nun eine Zuständigkeit für alle ca. 170 in der Stadt lebenden Nationen gibt. Die Grundprinzipien der Arbeit haben sich seit den Anfängen in den 1950er Jahren gar nicht so sehr verändert, so sind die drei Säulen Einzelhilfe, Gruppenarbeit, Gemeinwesenorientierung, also Kooperationen und Netzwerkarbeit mit anderen Institutionen, nach wie vor aktuell.
Das Team des Jugendmigrationsdienstes unterstützt, berät und betreut bei Fragen:
Neben der Beratung durch den Jugendmigrationsdienst bietet das Diakonische Werk in Mülheim an der Ruhr jugendgerechte Integrationssprachkurse nach den Richtlinien des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an. Als weiterführendes Angebot im Anschluss an die Integrationssprachkurse ist das Diakonische Werk nun auch Träger von jugendgerechten berufsbezogenen Sprachkursen (ESF-BAMF-Programm), in denen die Teilnehmer systematisch auf eine Ausbildung oder Berufstätigkeit vorbereitet werden.
Des Weiteren ist der Jugendmigrationsdienst in Mülheim Partner und Teil der Integrationsinitiative „Integrationsstart“ der Stadt Mülheim. Dies ermöglicht eine noch engere und bessere Zusammenarbeit mit kommunalen Einrichtungen und freien Trägern.
In diesem Rahmen bietet der Jugendmigrationsdienst eine Außensprechstunde im Sozialbüro in Styrum an, um direkt vor Ort niederschwelliege Hilfe zu leisten. Termine des Jugendmigrationsdienstes im Sozialbüro Styrum, Augustastraße 190-192, nach telefonischer Terminvereinbarung unter 0208-3003257 jederzeit möglich.
Berater und Beraterin des Diakonischen Werkes für junge Zuwanderinnen und Zuwanderer sind:
Frau Rasusch (Tel.: 0208/3003-275)
Herr Ginzburg (Tel.: 0208/3003-257)
Beide sind Hauptamtlich für den Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werkes in Mülheim an der Ruhr tätig. Sie werden durch Praktikanten, Honorarkräfte und ehrenamtlich tätige Menschen unterstützt. Unser Ziel ist es, zur besseren Teilhabe junger Zuwanderer an beruflichen, sozialen und kulturellen Möglichkeiten in unserer Stadtgesellschaft beizutragen.
Diakonisches Werk im Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr
Hagdorn 1 a
45468 Mülheim an der Ruhr
Telefon 0208 / 30 03 - 277 (Zentrale)
Telefax 02 08 / 30 03-233
diakonie-muelheim.de
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