Böden im Stadtgebiet - Stadt Mülheim an der Ruhr

Böden im Stadtgebiet

Böden, verborgene Schätze unter unseren Füßen

Den wenigsten Menschen ist bewusst, welche Vielfalt an Böden sich im Stadtgebiet finden lässt. So hat die Entwicklung mit dem Ausgang der letzten Kaltzeit vor etwa 12.000 Jahren ein sehr differenziertes Muster an Böden in Mülheim hervorgebracht.
Zusätzlich haben die Bewohner dieser Gegend, wie auch in anderen Teilen Mitteleuropas seit etwa 6500 Jahren das Landschaftbild und die Böden verändert.
Die Böden unterscheiden sich sowohl in ihrem Erscheinungsbild, wie auch in ihren Eigenschaften wesentlich. Beispielsweise hat auf Tonen und Sanden als Ausgangssubstrat in Selbeck eine völlig andersartige Bodenentwicklung stattgefunden, als auf den steilen Felshängen der Sand- und Tonsteine des Grundgebirges oder auf dem Lössmantel, der große Bereiche des Stadtgebietes östlich der Ruhr bedeckt. 

Bodenkarte In der Abbildung ist die vereinfachte Darstellung der verschiedenen im Stadtgebiet vorkommenden Böden zu sehen.

Ranker und Regosole

Dies sind geringmächtige Böden, meist in steilen Hanglagen. Das Bodenprofil besteht in der vertikalen Ausprägung aus einer höchstens 20 Zentimeter mächtigen Oberbodenschicht. Darunter folgt das zersetzte Gestein. In Mülheim finden sich solche Böden vereinzelt in Hanglagen der Ruhr, beispielsweise am Auberghang oder am Kahlenberg.

Braunerden und Parabraunerden

Braunerden und Parabraunerden sind wesentlich tiefgründiger (bis zu 1,5 Meter tief) als Ranker und Regosole entwickelt. Zwischen dem humosen Oberboden und dem Ausgangsgestein ist durch die Bodenentwicklung ein zum Teil mächtiger, braun gefärbter Übergangsbereich entstanden. Eisenoxide und Tonminerale geben dem Boden die typisch braune und namensgebende Färbung. Braunerden finden sich, im Stadtgebiet kleinräumig verteilt, westlich der Ruhr, zum Beispiel im Duisburg-Mülheimer Wald. Die Braunerden haben sich hier auf den Ablagerungen der vorletzten Eiszeit, vor allem auf kiesigen Lehmen die, die Gletscher hinterlassen haben, ebenso entwickelt, wie auf Flugsanden und auf Sandsteinen und Tonsteinen des Oberkarbons. Der am weitesten verbreitete Boden in Mülheim ist die Parabraunerde. Sie hat sich weitflächig, östlich der Ruhr, zum Beispiel im Bereich der Mendener Höhen, aus dem Lösslehm entwickelt. Ausgehend von Braunerden, die sich auf kalkhaltigem Löß entwickelt hatten, sind nach der Entkalkung und leichter Versauerung während der Bodenbildung, Tone mit dem Sickerwasser in den unteren Bereich des Bodenprofils verlagert worden. Sichtbar wird das an einem heller braunen, ausgeblichen Übergangshorizont im oberen Bereich des Bodenprofils. Die Parabraunerden in Mülheim sind besonders fruchtbare Böden. Daher werden sie auch dort, wo sie nicht überbaut sind als Ackerböden genutzt. Natürlicherweise würden auf diesen Böden sehr artenreiche Buchenwälder, so genannte Flattergras-Buchenwälder, wachsen.

Gleye und Pseudogleye

Böden mit Grundwasserkontakt, wo das Grundwasser im Jahresverlauf oberflächennah ansteht, werden als Gleye bezeichnet. Solche Böden finden sich in Mülheim vor allem in den Auen der Bachtäler, gut ausgeprägt in den Tälern des Forstbaches, der Rossenbeck, des Wambaches oder des Rumbaches. Der Gley-Boden steht teilweise im Grundwasser, so dass Bereiche des Bodenkörpers einen Mangel an Sauerstoff aufweisen. In dieser Umgebung wechseln die unter Sauerstoffeinfluss meist rostfarbigen Eisen- und Manganoxid-Verbindungen ihre Farbe in nun charakteristische blau-grünliche Töne. Böden, die eine wasserundurchlässige, also wasserstauende Schicht aufweisen und somit in regenreichen Monaten ebenso wassergesättigt sind, werden in der bodenkundlichen Sprache Pseudogley genannt. Wasserstauende Schichten können beispielsweise Tone oder Ortseisensteine (Eisen- und Mangananreicherungen) aber auch Bodenverdichtungen sein, die durch den Einsatz von schweren Maschinen, bewirkt werden. Solche Bodenverdichtungen verändern ehemals wasserspeichernde und gut durchlüftete Böden in staunasse Böden. Besonders betroffen hiervon sind Parabraunerden, die "pseudovergleyen". Beide Böden eignen sich von Natur aus nicht als Acker- oder Siedlungsböden und unterliegen bereits seit Jahrhunderten - in Folge der Urbarmachung der Landschaft einer Entwässerung. Natürlicherweise stocken hier Erlen- und Eschenwälder aber auch Eichen-Hainbuchenwälder.

Aueböden

Die Böden der Flusstäler zeichnen sich durch starke Schwankungen des Grundwassers und insbesondere durch periodische Überschwemmungen aus. Hierdurch werden ihnen regelmäßig feste und gelöste Stoffe zugeführt. Deshalb besteht der Oberboden aus mehreren Schichten mit unterschiedlichem Humusgehalt. Diese als Braune Aueböden (Vega) bezeichneten Böden ähneln im Unterboden, wo sie Merkmale von Sauerstoffmangel aufweisen den Gleyen und zählen von Natur aus zu den fruchtbarsten Böden. Im Ruhrtal finden sich auch heute noch weit verbreitet solche Braunen Aueböden. Natürlicherweise siedeln hier Weichholz- und Hartholzauenwälder. Die Böden, die im Überschwemmungsbereich der Ruhr liegen, werden heute meist als Grünland genutzt.

Moorböden

Seit etwa 160 Jahren, mit Beginn der Industrialisierung wird die Ruhrgebietslandschaft nachhaltig verändert. Dazu zählen teilweise großflächige und umfangreiche Entwässungsmaßnahmen. Trotzdem gibt es noch einige kleine Relikte an Moor- und Anmoorböden im Mülheimer Stadtgebiet, wie im Bereich des Oemberges. Moorböden entstehen auf sehr nährstoffarmen und nassen Standorten. Durch Wasserüberschuss konnten sich im Laufe der Bodenentwicklung pflanzlichen Reste, wie Torfmoose oder Seggen, nur unvollständig abbauen, da kein Sauerstoff für die mikrobielle Zersetzung verfügbar war. Diese unzersetzten Pflanzenreste wurden dann als Torf abgelagert. Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Gelegentliches Austrocknen und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) führt jedoch zu einem Abbau der organischen Substanz zu Humus, welches letztlich die Zerstörung des Moores anzeigt.

Stadtböden (Anthropogene Böden)

In den stark verdichteten Innenstädten hat der Mensch es buchstäblich geschafft, dass kein Quadratzentimeter Boden naturnah erhalten geblieben ist. Trümmer, Schutt, Müll aber auch gewerblich-industrielle Ablagerungen haben - als Ausgangssubstrate - einen völlig neuen künstlichen Boden geschaffen, den Stadtboden. Nicht überall erahnt der Betrachter, dass es sich um künstliche Böden handelt. Wer vermutet schon, dass sich unter der einen oder anderen Parkanlage mächtige Trümmerschutt- oder gar Müllberge verbergen.

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Stand: 01.09.2017

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