Ehrenspangen der Stadt Mülheim an der Ruhr verliehen
Laudatio von Bürgermeisterin Lisa Poungias:
„Meine sehr geehrten Damen und Herren,...
seien Sie alle herzlich willkommen... zu dieser Feierstunde... am heutigen Vormittag!

v.l.Heinz Schmitz, Helmut Hermann, Maria Forstmann, Karl-Heinz Neundörfer, Bürgermeisterin Lisa Poungias, Helmut Guth, Bernhard Hermes
Foto: Walter Schernstein
Mit der Verleihung der Ehrenspange,... meine Damen und Herren,... wird – so hat es der Rat der Stadt vor 33 Jahren festgelegt - über das normale Maß hinausgehendes bürgerschaftliches Engagement gewürdigt...
Allerdings hat sich das Bild unserer Gesellschaft in den letzten 30 Jahren verändert;...
erscheinen Freiwilligenarbeit und ehrenamtliche Tätigkeit nicht wie ein liebenswerter Anachronismus... in einer Zeit, in der so viel von Anspruchsdenken die Rede ist?!?
Tatsächlich sind die Ansprüche, die die Menschen heute an den Staat stellen, hoch... Jedoch gilt es zu bedenken, dass der Staat nur das an seine Bürger zurückgeben kann, was er vorher von ihnen erhalten hat...
Unsere Gesellschaft und auch unsere Stadt sind nur so lebendig, so sozial, so kulturell, so geistig reich und aktiv, wie die Bürgerinnen und Bürger, die sich für das Gemeinwesen einsetzen...
Das Wirken der Ehrenamtlichen und Freiwilligen in Verbänden, Vereinen, Initiativen und Selbsthilfegruppen trägt ganz wesentlich dazu bei, dass unsere Gesellschaft ein menschliches Gesicht bewahrt...
Die Vielzahl und die Vielfalt der freiwilligen Tätigkeiten bestimmen auch in unserer Stadt die Lebensqualität mit,...
und deswegen ist das Ehrenamt mitnichten ein Anachronismus, sondern – gerade in der heutigen Zeit - unverzichtbares Element im bürgerschaftlichen Miteinander!
Diese Bedeutung des Ehrenamtes... galt es, einmal hervorzuheben,... als der Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr am 10 Juli 2003 mehrheitlich beschloss,...
Frau Maria Forstmann sowie die Herren
Helmut Guth
Helmut Hermann
Bernhard Hermes
Karl-Heinz Neundörfer und
Heinz Schmitz
mit der Ehrenspange der Stadt Mülheim an der Ruhr auszuzeichnen...
Ihnen,... meine Damen, meine Herren,... gilt am heutigen Tage mein Glückwunsch... und mein besonderer Gruß!
Ebenso herzlich grüße ich Ihre persönlichen Gäste,... Ihre Verwandten, Freunde, Bekannten,... Ihre Angehörigen, die Sie begleitet und unterstützt haben in Ihrem Wirken...
Herzliche Grüße darf ich Ihnen allen auch von Frau Oberbürgermeisterin Mühlenfeld übermitteln, die erst heute Abend von einer Berlin-Reise zurückkehrt und insoweit nicht persönlich hier sein kann...
Meine Damen und Herren,...
ich möchte nunmehr die Gelegenheit wahrnehmen, Ihnen die Auszuzeichnenden und ihre Verdienste im Einzelnen ein wenig näher vorzustellen:
Sie, sehr geehrte Frau Forstmann, wurden 1994 zur Ortsvorsitzenden des „Deutschen Diabetiker Bundes“ in unserer Stadt gewählt...
Für den Diabetiker-Landesverband sind sie Mitglied in der „Landesarbeitsgemeinschaft Behinderter in Nordrhein-Westfalen“ und in der „Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen und Ärzte“.
Ihre eigene Erkrankung im Jahr 1988 war Anlass für Sie, sich dem Thema Diabetes intensiv zu widmen...
Durch den regelmäßigen Besuch der Kongresse der „Deutschen Diabetesgesellschaft“ eigneten Sie sich ein enormes Fachwissen an, das Sie – für den Laien verständlich – in der Selbsthilfegruppe weitergeben...
Sie initiierten die Vortragsreihe „Diabetes im Alltag“,... organisieren Großveranstaltungen zum Thema „Diabetes“,... nehmen an den Diabetikertagen in Krankenhäusern ebenso teil, wie beim „Markt der guten Taten“ und dem „Tag der älteren Generation“...
Mit 300 Aushängen und 4000 Handzetteln jährlich weisen Sie auf wichtige Themen rund um die Diabetes hin...
In Zusammenarbeit mit dem Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS) haben Sie eine Diabetiker-Sportgruppe eingerichtet,...
und bei Diabetiker-Kochkursen und Hausbesuchen vermitteln Sie ganz praktische Erfahrungen, die den Alltag der Betroffenen erleichtern...
Trotz Ihres nicht immer stabilen Gesundheitszustandes leisten Sie für die Diabetes-Kranken in unserer Stadt enorm viel...
Mit ihrer einfühlsamen Art haben sie vielen Mülheimer Diabetikerinnen und Diabetikern - und deren Angehörigen - Mut zugesprochen und wirksame Lebenshilfe vermittelt!
Auch Sie, sehr geehrter Herr Guth, setzen sich mit großem Engagement für andere Menschen ein...
Ihr couragiertes Wirken gilt denjenigen, die am Rande stehen,... den Schwachen in unserer Gesellschaft... Drogenabhängigen und Obdachlosen stehen Sie als hilfreicher Ansprechpartner zur Seite;...
Sie haben stets ein „offenes Ohr“ für deren Sorgen und Probleme,... spenden Trost und Beistand...
Der Obdachlosenarbeit in Mülheim haben Sie viele wichtige Impulse gegeben,... so zum Beispiel als Mitinitiator der Teestube...
Ebenso kümmern Sie sich um Flüchtlinge und Asylbewerber;... in Notfällen sind Sie oft der erste Ansprechpartner, der weiß, an wen man sich wenden kann, um Hilfe zu bekommen...
Sie setzen sich vehement für die Menschenrechte ein und leisten in zahlreichen Gremien wertvolle Arbeit:
So sind Sie
Vertreter im Mülheimer Eine-Welt-Forum,...
aktives Vorstands-Mitglied im Dritte-Welt-Laden,...
traten in der Südafrikagruppe für das Ende der Apartheid ein,...
sind Mitglied in der Ombili-Gruppe, die auch heute noch eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in Namibia unterhält und für ihr Engagement erst kürzlich geehrt wurde...
Im kirchlichen Bereich liegt Ihnen die Ökumene besonders am Herzen...
Sie gehören Sie dem „Ökumenischen Forum Oberhausen“ und dem „Kreiskirchlichen Ausschuss für Mission und Ökumene“ an...
Sie sind Delegierter bei der „Deutschen Regionalversammlung der Vereinten Evangelischen Mission“ und waren darüber hinaus lange Zeit Presbyter in der Altstadtgemeinde...
Nicht nur die weltweiten Beziehungen zwischen Arm und Reich, sondern auch das soziale Miteinander in unserer Stadt ist Ihnen ein wichtiges Anliegen...
Die Kraft für Ihr vielfältiges Engagement schöpfen Sie dabei aus Ihrem unerschütterlichen, von christlicher Nächstenliebe geprägten Glauben.
Sie, sehr geehrter Herr Hermann, sind seit 1975 Mitglied in der Mülheimer Kreisgruppe der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten e.V.,...
und seit 1985 deren Vorsitzender...
Geprägt durch Ihre Kindheitserinnerungen,... als Sie im Alter von 4 Jahren Zeuge wurden, wie Ihr Vater von der SA misshandelt und kurzzeitig verhaftet wurde,... als Ihre Familie bis 1945 immer wieder den Schikanen der Nazis ausgesetzt war,...
wurde es Ihnen ein wichtiges Anliegen,... die Untaten des nationalsozialistischen Regimes immer wieder ins Bewusstsein zu rücken...
und damit einen persönlichen Beitrag dazu leisten zu wollen, dass sich das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte niemals wiederholen möge...
Sie waren wesentlich beteiligt an der Herausgabe des Buches „Widerstand und Verfolgung von 1933 – 1945 in Mülheim an der Ruhr“,...
Sie führen seit 10 Jahren „Antifaschistische Stadtrundfahrten“ durch und zeigen damit das Geschehen - hier vor Ort - während der Zeit des Faschismus auf...
In einem Arbeitskreis zum Thema „Zwangsarbeiter in Mülheim an der Ruhr“ kümmern Sie sich um die geschichtliche Aufarbeitung...
und um die Belange der heute noch lebenden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter;... eine Liste mit 351 Namen von Betroffenen konnte dem Stadtarchiv übergeben werden...
Und so hat dieser Arbeitskreis auch den im Vorjahr durchgeführten Besuch ehemaliger Zwangsarbeiter ganz wesentlich begleitet und unterstützt...
Im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Mülheim und Tours pflegt die VVN/BdA enge Kontakte zur französischen Widerstandsbewegung ANACR; diese Verbindung besteht bereits seit 1978...
Auch in der „Mülheimer Initiative für Toleranz“ (MIT) sind Sie eingebunden,... und bringen Ihre Sachkenntnis speziell bei den Beratungen über die Verteilung der Landesmittel für „Aktionen gegen rechts“ ein...
Energisch und beharrlich treten Sie, sehr geehrter Herr Hermann, für Ihre Überzeugung und für Ihre Ideale ein...
Und da ein besonderes Engagement nicht unbedingt von angepassten, stromlinienförmigen Zeitgenossen erwartet werden kann,... gehört es fast zwangsläufig zum engagierten Handeln, dass es mitunter „aneckt“...
Gleichwohl – ein Gemeinwesen benötigt gerade auch diejenigen, die an seiner lebendigen Gestaltung offensiv und streitbar mitwirken wollen!
Mit Ihnen, sehr geehrter Herr Hermes, zeichnen wir einen Mitbürger aus,...
der sich seit nunmehr 22 Jahren im sozialen Bereich,... insbesondere im Sozialverband Deutschland (ehemals Reichsbund), für andere Menschen ehrenamtlich engagiert...
Seit 1981 sind Sie erster Vorsitzender des Ortsverbandes „Dichterviertel“ im Sozialverband;... seit fast 10 Jahren gehören Sie dem erweiterten Vorstand des Bezirksverbandes Mülheim an der Ruhr/Oberhausen an...
Auf Vorschlag des Sozialverbandes waren Sie zudem von 1993 bis 1997 zum ehrenamtlichen Richter beim Sozialgericht Duisburg bestellt...
Als Ansprechpartner für Renten- und Sozialfragen haben Sie stets ein offenes Ohr für die Belange älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger;...
auch im Rahmen der Ortsverbands-Versammlungen informieren Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer regelmäßig über Neuerungen in sozialpolitischen Angelegenheiten...
Darüber hinaus organisieren Sie für die Mitglieder gesellige Veranstaltungen, wie jährlich sattfindende Busfahrten, Weihnachtsfeiern oder sonstige Festlichkeiten;...
ebenso kümmern Sie sich aber intensiv um diejenigen, die nicht mehr aktiv am Ortsverbandsleben teilhaben können, weil sie krank und gebrechlich sind...
Ihrem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass sich der Ortsverband ständig vergrößerte und die Mitgliederzahl von 55 auf 80 anstieg.
Vielen Mülheimerinnen und Mülheimern sind Sie außerdem durch Ihre Tätigkeit im Vorstand des Prinzensenats des „Hauptausschusses Groß Mülheimer Karneval“ bekannt...
Über 35 Jahre hinweg war es hier Ihr Bestreben, die karnevalistische Brauchtumspflege in unserer Stadt zu fördern...
Auf vielfältige Art und Weise haben Sie sich Verdienste um ein soziales und gutes Miteinander in unserer Stadt erworben; dies wollen wir heute dankbar anerkennen!
Sie, sehr geehrter Herr Neundörfer haben sich seit 1970 ehrenamtlich und – wie bestätigt wird – „mit Leib und Seele“ im Kreisverband der Johanniter-Unfall-Hilfe für die Mülheimer Bevölkerung engagiert...
Nach entsprechender Qualifizierung wurden Sie 1976 Bereitschaftsführer;... 1984 übernahmen Sie die Aufgaben des Kreisgeschäftsführers,...
und seit beinahe 10 Jahren sind Sie Mitglied des Kreisvorstandes...
Bereits 1995 wurden Sie mit der „Ehrennadel mit Band“ des Johanniterordens für über 30.000 (!) geleistete Dienststunden ausgezeichnet...
Noch bis vor drei Jahren waren Sie als Helfer im Rettungs- und Sanitätsdienst aktiv;...
in Ihrer jetzige Funktion leisten Sie täglich (!), nach Feierabend, zwei bis vier Stunden Schreibtischarbeit...
Immer wieder ist ihr Rat gefragt, ob es um den Bereitschaftsdienst, die Einstellung hauptamtlicher Mitarbeiter, der Kooperation mit anderen Institutionen oder um die Erweiterung des Fuhrparks geht...
Daneben gilt Ihr Engagement insbesondere der Jugendarbeit bei den Johannitern;... die Ersthelferkurse für Kinder werden hervorragend angenommen,...
und ab dem kommenden Jahr wird Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Angebot gemacht, ein „freiwilliges soziales Jahr“ bei der Johanniter-Unfallhilfe zu leisten...
Ihr Einsatz, Herr Neundörfer, die Arbeit die Sie leisten, ist ein wertvoller Bestandteil im sozialen Geschehen unserer Stadt!
Sie, sehr geehrter Herr Schmitz, haben sich in besonderer Weise Verdienste um den Schachsport in Mülheim an der Ruhr erworben...
Seit 48 (!) Jahren verrichten Sie ehrenamtliche Tätigkeiten für den Schachsport in unserer Stadt, insbesondere für den Schachverein Mülheim-Nord 1931 e.V....
Zahlreiche Funktionen haben Sie dort bereits ab 1946 wahrgenommen,... 1983 wurden Sie zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt...
Dabei ist es Ihnen gelungen, den SV Nord zu einem Vorzeigeverein im Deutschen Schachsport... und zu einem bundesweit bekannten Werbeträger für unsere Stadt zu machen...
Darüber hinaus legen Sie besonderen Wert darauf, der Mülheimer Bevölkerung – vor allem der Jugend, aber auch älteren Menschen, Altenheimbewohnern und Altentages-stättenbesuchern – den Schachsport näher zu bringen...
Zudem ist Ihr Verein bei Mülheimer Großveranstaltungen, wie zum Beispiel bei Sportfesten, bei „Voll die Ruhr“, beim Tengelmann- lauf, beim „Tag des Mülheimer Sports“ sowie beim „Tag der älteren Generation“ seit vielen Jahren vertreten...
Aber auch mit eigenen Veranstaltungen, die für den Verein und für den Schachsport werben, mit Turnieren, die zu Aushängeschildern für Schachpräsentationen wurden,... macht der SV Nord auf sich aufmerksam...
Dabei sind Sie, Herr Schmitz, nicht nur Ansprechpartner, sondern auch Antriebsfeder und Organisator für Ihren Verein...
Die von Ihnen publizierte Vereinszeitung „Nord-Echo“ erscheint bereits seit 20 Jahren und wurde 1994 als „Beste Vereinszeitschrift“ innerhalb des Deutschen Schachbundes ausgezeichnet...
Die Einrichtung des „Mülheimer Schachzentrums“ im Untergeschoss unseres Südbades geht auf Ihre Ideen und ganz wesentlich auf Ihren Arbeitseinsatz zurück. Bundesweit findet dieses hochmoderne Zentrum inzwischen große Beachtung...
Schach in Mülheim an der Ruhr ist untrennbar mit dem Namen Heinz Schmitz verbunden! Wo immer Ihr Wissen und Ihr Engagement benötigt wird, sind Sie zur Stelle!
Meine Damen und Herren,...
die frühere Bundestagspräsidentin, Frau Professor Dr. Rita Süßmuth, stellte treffend fest:
„Gerade die unentgeltliche Arbeit, ... die Arbeit im Verborgenen, die für so Viele ... unentbehrlich ist, muss publik gemacht werden... Denn bürgerschaftliches Engagement ist ein Stück gelebte Demokratie und ist für deren Funktionieren essentiell.“
Sie, meine Damen und Herren, haben Ihr Engagement unter Beweis gestellt. Sie haben auf wichtige Belange in unserer Gesellschaft mit Ihrer Initiative geantwortet...
Dies möchten wir heute anerkennen und öffentlich sichtbar machen! Ich überreiche Ihnen somit die Ehrenspangen... und sage nochmals sehr herzlich Dank... im Namen der Mülheimer Bürgerinnen und Bürger!“
Kontakt
Stand: 27.10.2003













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