Ich war mit dem Arbeitskreis Migration & Geschichte unterwegs und fand unsere Exkursion zu Mülheims ehemaligen Zivil- oder Zwangsarbeiterlagern, am 23. September 2009 spannend.
Zu fünft sind wir auf den jüdischen Friedhof, zum Flughafen Essen/Mülheim und auf den Altstadtfriedhof gefahren. Dort erfuhren wir eine Menge, nicht nur über die jüdische Gemeinde in Mülheim an der Ruhr während und nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch über die Menschen, die unter der Nazi-Diktatur in Lagern gefangen gehalten wurden und schwerste körperliche Arbeit verrichten mussten.
Ganz besonders war das Erlebnis, da Helmut Hermann, der die Leitung unserer kleinen Truppe hatte, selbst 80 Jahre ist und daher von diesen schrecklichen Zeiten „aus erster Hand“ berichten konnte, die er selber miterlebt hat. Er und Paul Schäfer, der ebenfalls an unserer Fahrt teilnahm, waren und sind immer noch aktiv in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und berichteten auch von Drohanrufen, die sie wegen ihres Engagements von z.B. Neonazis bekommen hatten.
Auf dem Jüdischen Friedhof hörten wir die Geschichten der Mülheimer Jüdischen Gemeinde, über deren Friedhof und die alte Synagoge, die die Jüdische Gemeinde damals an die Stadt verkaufen musste, da sie sonst kein Geld mehr hatte.
Ich habe auch einiges dazugelernt. Zum Beispiel, dass in den Lagern, zum Beispiel am Flughafen Essen/Mülheim kaum Juden, wie ich anfangs dachte, sondern überwiegend Ausländer unter fürchterlichen Bedingungen schuften mussten. Doch fand ich es schade zu erfahren, dass für eines der größten Arbeitslager Mülheims nur eine recht bescheidene Gedenktafel errichtet wurde und diese sehr versteckt hinter dem Flughafen steht.
Unsere letzte Etappe führte uns dann auf den Altstadtfriedhof, wo es dann langsam auch schon dunkel wurde und diese Dunkelheit machten die Schreckensgeschichten von Herrn Hermann noch realer. Dort standen wir an den Massengräbern der ehemaligen Zwangsarbeiter.
Alles in allem war es ein höchst informativer Abend, den ich jedem nur empfehlen kann. Die Exkursion kann man bei Herrn Hermann auf Anfrage buchen (hel.hermann@arcor.de).
Anja Schmidt (18), tätig in der Stadtbibliothek Mülheim und in der Heinrich-Thöne-Volkshochschule im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres Kultur (FSJK); Mülheim an der Ruhr, im November 2009
| Der Arbeitskreis Migration & Geschichte unterwegs in Mülheim an der Ruhr zu den ehemaligen Zivil- oder Zwangsarbeiterlagern |
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