Angefangen hat alles wohl mit meinem ersten Urlaub an der jugoslawischen Adria 1975. Land und Leute gefielen mir sofort, es zog mich bis heute weit über 20 Mal ins Land der sogenannten Südslawen.
Aufgrund meiner Schwärmereien nach dem vierten Urlaub machte mich eine Freundin auf einen Kursus "Serbo-Kroatisch für Urlauber" in der VHS aufmerksam, sinngemäß mit den Worten, "das wär' doch etwas für dich". Es brauchte keine langen Überlegungen, waren mir gerade in diesem Urlaub Menschen begegnet, die nicht im Tourismus beschäftigt waren, weder Deutsch noch Englisch beherrschten und die schönen Schlager, die mir so gefielen, von denen ich aber kein Wort verstand. Also angemeldet zum Frühjahrskursus 1979, der auch noch zufällig im Gymnasium, das mein Sohn besuchte, stattfand, geleitet von einer sehr sympathischen älteren Damen, Frau Stojadinovic aus Recklinghausen.
Mir fiel diese doch recht schwierige Sprache nicht schwer, die harte Aussprache schon gar nicht - vielleicht dank meiner bayerischen Herkunft? Nach der letzten Unterrichtsstunde speisten wir mit unserer Lehrerin im damals beliebten "Dalmatia-Grill". Dorthin hatte unsere liebenswerte Frau "Stoja" auch die Vorsitzende des langjährigen jugoslawischen Vereins "Nikola Tesla", Damjanka Cizmic (damals Sestak) eingeladen, um ihr die Kursteilnehmer vorzustellen.
Der nächste Urlaub folgte alsbald, in dem ich meine neu erworbenen Kenntnisse natürlich einsetzte, von manchen männlichen Wesen falsch interpretiert; denn ich reiste alleine mit Kind.
Nach dem Urlaub begann ich, wann immer möglich, den jugoslawischen Teil des damaligen Ausländerprogramms von WDR 4 zu hören und sonntags im WDR Fernsehen "Unsere Heimat, Ihre Heimat" anzusehen. An einem Tag im November 1979 hörte ich, dass eine große Gruppe von Sängern etc. in die Mercatorhalle nach Duisburg kommen sollte. Das war doch was, da musste ich unbedingt hin, vor allem, weil mir der Name eines Sängers bekannt war. Der Anruf bei der Mercatorhalle ergab, dass dies eine Veranstaltung jugoslawischer Vereine sei und Karten nur dort erworben werden konnten.
| V.l.n.r.: Die erste Postkarte aus dem ehemaligen Jugoslawien; Besuch in der Mercatorhalle; Mitgliedsausweis „Jugoslawischer Verein“ |
Seinerzeit gab es in Mülheim auch noch Duisburger Telefonbücher, und so fand ich problemlos die Nummer des dortigen Vereins, von dem ich dann erfuhr, dass ich die Karte auch bei "Nikola Tesla" in Mülheim kaufen könnte. Ich erinnerte mich sofort an die Vorsitzende und fuhr alsbald in den Verein an der Friedrich-Ebert-Straße. Sie erkannte mich wieder, verkaufte mir das Ticket und ob meiner Begeisterung meinte sie, dass ich doch Mitglied des Vereins werden sollte. Ich könnte dann günstig an vielen Veranstaltungen anlässlich diverser Feste teilnehmen, und das zu einem so kleinen Monatsbeitrag von nur 2 DM!
Schon war´s passiert, am 12. November 1979 wurde ich Mitglied Nr. 295 und bekam einen schicken Ausweis. Jetzt war ich mit den "Jugos" in Mülheim verbandelt, wie man in der Gegend meiner Kindheit zu sagen pflegte. Da auch weiterhin nur der sogenannte Urlauberkursus angeboten wurde - Frau Richter-Lönnecke wird sich erinnern - wiederholte ich diesen dann noch 1980 und 1981. Frau Stojadinovic brachte mir sehr viel Sympathie entgegen und lud mich hin und wieder auch nach Recklinghausen in die dortige Deutsch-Jugoslawische Gesellschaft ein, deren Vorstand sie angehörte. Unzählige jugoslawische Feiertage und Feste habe ich im Handelshof mit "Nikola Tesla" gefeiert und es entstanden viele mehr oder weniger enge Kontakte zu jugoslawischen "Gastarbeitern".
Vor Beginn der Winterolympiade 1984 in Sarajevo konnte man anlässlich einer Veranstaltung in der VHS Poster, Sticker etc. erwerben. Ein sympathischer Jugoslawe, den ich wohl schon das ein oder andere mal gesehen hatte, verkaufte mir ein Poster. Gegen Ende 1984 begegnete ich IHM dann in der Firma, in der ich damals schon 13 Jahre beschäftigt war, an der Rezeption. Auf meine erstaunte Frage, was ihn denn hergeführt hätte, erhielt ich die mich verblüffende Antwort: "Ich arbeite hier seit 1972". Unglaublich, wir arbeiteten beide seit 13 Jahren in derselben Firma, ohne uns bewusst gekannt zu haben!
Auf einer Reise nach Belgrad im Oktober 1983 hatte ich mich mit einer jungen Frau angefreundet, der ich aufgrund der damaligen Rationalisierungen u. a. Kaffee zum Jahreswechsel zukommen lassen wollte. Diese Begegnung kam mir deshalb sehr gelegen, denn ER sprach von seinem geplanten Heimaturlaub. So nahm er dann mein Paket im Dezember mit nach Belgrad. Als sich 1985 der "8. März - Tag der Frau" näherte, wollte ich, wie in den Vorjahren, wieder einen schönen Platz im Handelshof reserviert haben. Das war nun gar nicht so leicht zu regeln; denn Damjanka C. war inzwischen weggezogen. Hatte ich nicht gehört, dass er inzwischen Vorsitzender des Vereins war? Aber wie hieß er? Ich hatte eine Idee. Es gab nur wenige jugoslawische Mitarbeiter im Betrieb, also fand ich nach meiner Beschreibung Name und Arbeitsplatz heraus und rief dort an. So konnte ich den Tag der Frau - "Dan Zena" wieder im Handelshof feiern. Es war das letzte Mal, dass ich solo zu den Veranstaltungen ging!
Gute Freunde ließen mich wissen, dass es so und nicht anders hat enden müssen bei meinem Faible für Land und Leute. Durch die jahrelange Mitgliedschaft und seine Vorstandstätigkeit ergaben sich auch viele interessante und nette Kontakte mit anderen Vereinen.
Mit dem Zerfall Jugoslawiens zerbrach auch leider, wie allerorten, der jugoslawische Verein "Nikola Tesla" in unserer Stadt am Fluss, dem Nachfolgeverein blieb ich noch einige Jahre treu.
An meiner Seite geblieben: mein Migrant.
Yvonne Haberkamp, im Juli 2007/Klaus Wichmann, Juli 2009
(serbokroatisch, slowenisch: Jugoslavija; mazedonisch: Југославија, albanisch: Jugosllavia; wörtlich übersetzt: Südslawien) bezeichnete von 1918/1929 bis 2003/2006 einen Staat in Mittel- und Südosteuropa in unterschiedlicher territorialer und politischer Form.
Zu unterscheiden sind das sogenannte erste Jugoslawien (1918–1941/1944), gegründet 1918 als Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen und 1929 offiziell umbenannt in Königreich Jugoslawien, das sogenannte zweite Jugoslawien (1943/1945–1991/1992), das nacheinander die offiziellen Bezeichnungen Demokratisches Föderatives Jugoslawien (1944/1945), Föderative Volksrepublik Jugoslawien (1945–1963) und Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (ab 1963) trug, und die Bundesrepublik Jugoslawien (1992–2003).
Von 2003 bis 2006 bildeten die verbliebenen Teilrepubliken Serbien und Montenegro den Bundesstaat Serbien und Montenegro, der sich im territorialen Umfang nicht von der Bundesrepublik Jugoslawien unterschied.
Tourismus
Die SFR Jugoslawien gehörte zwischen den 1960er Jahren und 1990 neben Italien, Spanien und Griechenland zu den beliebtesten (Sommer-)Reisezielen in Europa. Millionen Touristen, vor allem aus Westeuropa und Nordamerika, verbrachten ihren Urlaub an der Adriaküste, den Inseln und dem Hinterland. Die meistbesuchte Teilrepublik war Kroatien, mit einer über 1800 km langen Küste und 1246 Inseln. (Quelle:Wikipedia 2009)
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