Empfang der Delegationen aus den Partnerstädten anlässlich des 8. Mai 1945
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
ich freue mich sehr, Sie heute Abend hier im Schloß Broich zum offiziellen Empfang unserer Freunde aus den Partnerstädten begrüßen zu dürfen.
Mein besonderer Gruß gilt
aus Darlington:
Herrn Bürgermeister Roderick Francis,
Frau Bürgermeisterin Isobel Hartley und
dem Referenten des Bürgermeister, Herrn Allaway,
aus Tours:
Beigeordneter Jean-Pierre Tolochard und
dem Stadtrat Pascal Beaujouan,
aus Kuusankoski:
Stadtdirektor Reijo Huttunen und
(Herrn) Jukka Nyberg,
aus Opole:
Stadtpräsident Ryszard Zembaczynski und
dem Vertreter der Veteranen, Adam Zbiegieni (sprich: Zbiengeni),
sowie aus Kfar Saba:
Stadtrat Amos Gabrieli.
Herzlich willkommen in Mülheim an der Ruhr.
Es ist mir und allen MülheimerInnen eine große Ehre, dass Sie, die VertreterInnen aus all unseren Partnerstädten, unserer Einladung gefolgt sind, um mit uns gemeinsam dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus zu gedenken. Wir danken Ihnen für das Vertrauen, das Sie uns mit Ihrer Anwesenheit erweisen.
Wir verstehen Ihren Besuch anlässlich dieses Datums als sichtbares Zeichen einer festen und weiter wachsenden Freundschaft, die sich trotz und gerade wegen der traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs zwischen unseren Ländern, Städten und BürgerInnen entwickelt hat. Ich kann Ihnen versichern: Es ist für uns etwas ganz Besonderes, dass wir den Festakt der Versöhnung an diesem Gedenktag gemeinsam mit Ihnen begehen können.
Am Sonntag gedenken wir gemeinsam hier in Mülheim an der Ruhr des Endes des Zweiten Weltkriegs. Wir trauern mit unseren Nachbarn und Freunden um die rund 60 Millionen Menschen, die diesem wohl blutigsten Konflikt der Weltgeschichte zum Opfer gefallen sind. Wir bekennen und bereuen zutiefst, dass dieser unmenschliche Krieg seinen Ursprung auf deutschem Boden hatte. Gleichzeitig gedenken wir des 8. Mai 1945 als Tag der erlösenden Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus.
Mit diesem Tag, dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkriegs, waren die Wunden des Krieges wahrlich nicht geheilt. Millionen Menschen litten weltweit auch nach dem 8. Mai 1945 an den Kriegsfolgen. Sie blickten mit Sorge und Angst und oftmals ohne große Hoffnung auf ein besseres Leben in eine ungewissen Zukunft.
Auch in Mülheim an der Ruhr mussten wir mit den grausamen Folgen des Krieges leben: 3.500 Bürger unserer Stadt waren als Soldaten auf den Kriegsschauplätzen ums Leben gekommen. Etwa 2.700 wurden vermisst. 1.100 Zivilisten fanden den Tod, 400 wurden am Kriegsende vermisst. Die Stadt Mülheim an der Ruhr hatte – ausgehend von den Zahlen des Jahres 1939 – rund sechs Prozent ihrer Bevölkerung verloren. 29 Prozent der Wohngebäude waren zerstört. Die Innenstadt war fast zur Hälfte zerbombt.
Doch an diesem Tag, dem 8. Mai 1945, wurden auch jene Voraussetzungen geschaffen, die es den demokratischen Kräften in unserem Volk erlaubten, unser Gemeinwesen neu zu gestalten. Es war der Tag, an dem der friedliche Aufbau der späteren Bundesrepublik Deutschland begann. Und mit ihm begann auch der Wiederaufbau der Stadt Mülheim an der Ruhr und die Erneuerung des demokratischen Lebens in unserer bürgerschaftlichen Gesellschaft.
Wir Deutschen tragen eine besondere Verantwortung, wenn es um das Erinnern an die Zeit der tiefsten Schande unseres Landes geht. Wir dürfen und werden einer möglichen Versuchung des Vergessens nicht nachgeben. Der Tod von vielen Millionen Menschen, das Leid der Überlebenden und die Qualen der Opfer sind Verpflichtung für uns, stets und überall für die Achtung der Menschenwürde, für Demokratie und damit für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten Die Vergangenheit können wir nicht ungeschehen machen. Aber wir können uns verpflichten, aus ihr zu lernen. Darin besteht die Verantwortung der Generationen, die nach den Tätern geboren wurden und werden. Erinnern ist kein Wert an sich, sondern muss sich der zu Grunde liegenden Schuld stets bewusst sein und bleiben. Dann erhält Erinnern die so wichtige auf die Zukunft gerichtete Funktion, um die es uns geht: Denn wir, die VertreterInnen eines demokratischen Deutschlands wollen und werden nicht zulassen, dass Unrecht und Gewalt, dass Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit jemals wieder eine Chance in Deutschland, in NRW und in Mülheim an der Ruhr bekommen!
Vor diesem Hintergrund bin ich besonders glücklich darüber, dass sich in diesem Jahr viele Schulen intensiv in die Aufarbeitung unserer jüngeren Geschichte eingebracht haben. Die SchülerInnen haben in Archiven gestöbert und mit Zeitzeugen über ihre Kriegs- und Nachkriegserfahrungen gesprochen. Entstanden sind Ausstellungen, Vorträge und Zeitzeugen-Interviews, die ihren Beitrag wider das Vergessen leisten. Ihnen allen sowie den LehrerInnen danke ich für ihr Engagement.
Meine Generation ist die erste, die in Europa die Chance hat, zeit ihres Lebens in Frieden leben zu können. Ich wünsche uns allen, dass Europa nie wieder Schauplatz eines Krieges wird. Gemeinsam ein Europa der Demokratie und des Friedens zu bauen, ist das Vermächtnis dieses blutigen 20. Jahrhunderts und unsere Aufgabe für das gerade begonnene. Darin sehe ich auch die konsequente Fortsetzung des Städtepartnerschaftsgedankens, der bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Willen zur Versöhnung erwachsen war.
Ich hoffe und bin zugleich fest überzeugt davon, dass wir Deutschen unsere Verantwortung für eine friedliche Welt niemals wieder relativieren oder vergessen werden.
Kontakt
Stand: 26.08.2009













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