Eröffnung der Interkulturellen Woche 2011

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zum Empfang des Integrationsrates und

zur Eröffnung der Interkulturellen Woche 2011

am Freitag, 23.09.11

TaR

 

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Sehr geehrter Herr Sen,

meine sehr geehrten Herren und Damen,

ich freue mich sehr, Sie heute gemeinsam mit Vorsitzenden des Integrationsrates, Enver Sen, zur Eröffnung der Interkulturellen Woche 2011 begrüßen zu können.

Schön, dass Sie alle den Weg ins Theater an der Ruhr gefunden haben, um am Empfang des Integrationsrates teilzunehmen. Und vielen Dank dem Theater an der Ruhr, dass wir diese Räume nutzen dürfen.

Theater an der Ruhr und Eröffnung der Interkulturellen Woche – das passt ausgezeichnet zusammen. Wir befinden uns hier nämlich an einem Ort, an dem der Gedanke der Integration Inspirationsquelle und Grundvoraussetzung für die tägliche Arbeit ist. An einem Ort, an dem Integration eine herausragende Bedeutung nicht nur im Umgang miteinander, sondern auch in der künstlerischen Auseinandersetzung mit KollegInnen und Publikum im In- und Ausland hat.

Seine internationale Arbeit hat das Theater zu einer Vernetzung mit Theatern in über 30 Ländern geführt. Ob in Mülheim oder in der Ferne, hier wie dort geht es dem Theater immer um gegenseitiges Verstehen, um Austausch, um das Ringen um Positionen und Einsichten, um die Frage der Identität.

"Lebendige Auseinandersetzungen sind ein wichtiges Gut in einer zunehmend schweigsamer werdenden Welt," heißt es auf der Homepage des Theaters. Es sind diese konstruktiven Auseinandersetzungen, die wir in unserer Stadt brauchen. Die Veranstaltungen der Interkulturellen Woche geben uns Gelegenheit dazu.

"Zukunft durch Teilhabe", so haben wir unseren Mülheimer Beitrag zur bundesweiten Interkulturellen Woche genannt. Wenn wir diese "Teilhabe" für und von Menschen mit Migrationshintergrund tatsächlich wollen, brauchen wir Offenheit und Engagement – von beiden Seiten. Von der der aufnehmenden Gesellschaft.. . und von den Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln, die in unserer Gesellschaft ihren Platz finden sollen.

Und das sind viele: Wir leben schon seit Jahrzehnten in einer vielfältigen und heterogenen Stadtgesellschaft. Heute hat bereits jede/r 5. Mülheimer eine Zuwanderungsgeschichte, und jedes zweite neugeborene Kind stammt aus einer zugewanderten Familie. Wir brauchen sie alle in unserer Stadt, denn Vielfalt schafft Zukunft. Davon bin ich überzeugt.

Die aufnehmende Stadtgesellschaft tut es sich immer leichter mit BürgerInnen aus Zuwandererfamilien, die von sich aus offensiv und selbstbewusst ihren Weg in die Gesellschaft suchen. Das entbindet uns aber nicht von der Verantwortung für jede, die bisher ihren Platz in unserer Mitte noch nicht gefunden haben. Gerade sie müssen wir stärken und ermutigen.

Vor allem ihnen müssen wir die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe, auf Bildung und Arbeit, auf die Zugehörigkeit zu den sozialen Sicherungssystemen und politischer Mitgestaltung geben. Und was ebenso wichtig ist: Wir müssen sie davon überzeugen, diese Chancen auf gesellschaftliche und politische Partizipation auch zu nutzen. - Das gilt übrigens auch für Menschen ohne Migrationshintergrund.

Wenn wir über "Zukunft durch Teilhabe" sprechen, dann sollten wir immer wieder auch deutlich machen, dass

viele Menschen mit Migrationshintergrund schon lange Verantwortung für das gelingende Miteinander in unserer Stadt, in unserem Land übernommen haben. Sie sind die Vorbilder, die wir brauchen, um den anderen Mut zu machen - und die wir nicht häufig genug dem gerne bemühten Klischee der scheiternden Integration in Deutschland entgegenhalten.

"Ich wollte nie über meinen Migrationshintergrund definiert werden, sondern immer etwas mehr sein als mein Geburtsort", hat die Grüne Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz einmal gesagt. Darum sollte es uns allen gehen. Die Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft kann nicht nur über Herkunft, Sprache und Religion definiert werden. Damit kommen wir nicht weiter. Die deutsche Geschichte ist voller historischer Brüche, und unsere Gesellschaft hat gar nicht so homogene Wurzeln, wie es so manch einer glauben machen möchte.

Kulturelle und ethnische Vielfalt ist seit langem die Grundlage für unseren Wohlstand und die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Diese Vielfalt ist auch künftig eine Chance für unsere Stadt.

Einwanderung geht immer einher mit Verschiedenheit, die wir als individuelles Recht achten. Wir müssen die positive Wirkung, die davon ausgeht, erkennen und offen und überall darüber reden. Das wird unser auch Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Und das brauchen wir, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft meistern wollen.

"Die Zukunft zählt, nicht die Herkunft", sagt Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung. Faire Chancen, Gegenseitigkeit, Dialog und Vertrauen sind für sie unabdingbaren Grundlagen für eine friedliche und freie Gesellschaft. Und damit sind wir wieder beim Thema dieser Interkulturellen Woche...

Ich bin gespannt auf das Impuls-Referat von Dr. Halm und den anschließenden Austausch auf dem Podium. Lassen Sie uns gemeinsam an einem stärkeren "Wir-Gefühl" und Chancengerechtigkeit in Mülheim an der Ruhr arbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich der Interkulturellen Woche 2011 einen guten und diskussionsfreudigen Verlauf. Ich hoffe, dass daraus neue Impulse für unsere Stadt entstehen.

Kontakt


Stand: 28.09.2011

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