Eröffnung Stücke 2011
Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
zur Eröffnung der Mülheimer Theatertage 2011
Samstag, 21. Mai 2011, 19.30 Uhr
in der Stadthalle Mülheim an der Ruhr
***
Sehr geehrte Herren und Damen,
zur Eröffnung der 36. Mülheimer Theatertage "Stücke 2011" begrüße ich Sie alle sehr herzlich. Ein besonderes Willkommen gilt
Herrn Staatssekretär Prof. Klaus Schäfer,
den VertreterInnen des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen,
den VertreterInnen des Kommunalverbands Ruhrgebiet und
den Mülheimer Abgeordneten des Bundes- und des Landtags,
den VertreterInnen der Ruhrtriennale,
den Kulturdezernenten der Region,
den Mitgliedern des Rates der Stadt und des Kulturausschusses,
den Mitgliedern des Auswahlgremiums und der Jury und
den Ensemblemitgliedern der eingeladenen Theater.
Liebe Gäste,
die "Stücke 2011" werden in den nächsten Wochen wieder AutorInnen, SchauspielerInnen und Gäste aus ganz Deutschland und Österreich in Mülheim an der Ruhr zu diesem einmaligen Festival zusammenführen. Sie alle wollen aktuelle Formen und Trends des Theaters entdecken und diskutieren.
Die Stadt Mülheim an der Ruhr wird also von heute an bis zum 7. Juni einmal mehr Veranstaltungsort für die besten uraufgeführten Stücke der laufenden Theaterspielzeit sein. Alle Angebote wurden von einer fachkundigen Jury aus über 100 Stücken ausgewählt und extra für das Mülheimer Festival zusammengestellt. Auf dieses Programm dürfen wir wieder gespannt sein.
Besonders stolz sind wir auch auf das noch neue Format der "KinderStücke". Mit dieser Initiative und mit Unterstützung der Landesregierung wollen wir Autoren und Autorinnen motivieren, neue Stücke für Kinder zu schreiben und die Theater ermuntern, sich mit neuen Texten auseinanderzusetzen.
Wir sind nämlich davon überzeugt, dass Kinder, die den Weg ins Theater finden, neue Ideen für eigene Aktivitäten entwickeln, ihre Sinne zur Bewältigung ihres Lebens schärfen, ja sogar im Prozess der eigenen Weltaneignung gefördert werden.
Schon deshalb stehen die öffentlichen Einrichtungen in der Verantwortung, durch Förderung der kulturellen Bildung ihren Beitrag dazu zu leisten und Kinder zu unterstützen. Dabei geht es eben nicht um kurzfristig angelegte Event-Ideen, sondern um nachhaltige und intelligente Angebote.
Heute zeigt sich wieder einmal, dass mit der Entscheidung für die "Stücke" vor 35 Jahren so etwas wie ein Nährboden geschaffen wurde, auf dem sich weitere Theateraktivitäten in unserer Stadt wunderbar entfalten konnten. Das Theater an der Ruhr ist das prominenteste Beispiel dafür. Mit dem Theater und seinen Projekten im In- und Ausland wird der Ruf Mülheims in die ganze Welt getragen.
Aber auch das Impulse-Festival - veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem NRW-Kultursekretariat und dem Ringlokschuppen Mülheim- kann an dieser Stelle stolz genannt werden. Diese Veranstaltung, die von Mülheim an der Ruhr ausgehend gemeinsam mit den Städten Bochum, Köln und Düsseldorf jährlich ausgerichtet wird, ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil des "Off-Theaters" geworden.
Es würde den Rahmen sprengen, hier noch die vielen anderen Mülheimer Theater - im professionellen wie im Amateurbereich – aufzuzählen. Ein Blick auf unsere gesamte Theaterlandschaft zeigt aber, wie wichtig wir in Mülheim das Theater nehmen und welchen Stellenwert wir ihm beimessen.
Natürlich freuen wir uns auch über die damit verbundene großartige Werbung für unsere Stadt. Mülheim gewinnt mit diesem Profil im Wettbewerb der Städte der Region besondere Aufmerksamkeit und Attraktivität.
Wir wissen das. Doch das Erreichte ist ein hohes, aber auch ein fragiles Gut, das der permanenten Pflege und Unterstützung bedarf. Das ist in Zeiten leerer öffentlicher Kassen nicht leicht. Auch unsere Stadt leidet unter einem strukturellen finanziellen Defizit.
Da gelingt es nur im solidarischen Konsens, alle wichtigen Bereiche der freiwilligen Leistungen gemeinsam in den Blick zu nehmen, damit die Lebensqualität in unseren Städten nicht in einseitige Schieflagen gerät.
Ich bin sicher, das wird uns in Mülheim mit Augenmaß gelingen!
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
lassen Sie mich zum heutigen Ereignis und damit zu den "Stücken 2011" zurückkehren: Sieben besondere Theaterstücke hat das Auswahlgremium dieses Jahr für uns entdeckt. Sie alle konkurrieren um den Dramatikerpreis.
Wie immer stehen Stücke von bekannten AutorInnenen auf dem Programm. Wir können aber auch auf die Vorstellungen neuer Talente gespannt sein.
Es sind Stücke aus der Arbeitswelt, die die 36. Mülheimer Theatertage prägen - und damit wohl auch einen generellen Trend widerspiegeln. Stücke, die von den ökonomischen An- und Herausforderungen unserer Zeit erzählen, vom Zwang, unsere Haut zu Markte zu tragen, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen - und was das mit uns macht. Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg, die Anpassung des flexiblen Menschen an die Ökonomie, die Auswirkung von Finanz- und globalen Krisen auf das eigene (Arbeits-)Leben - das sind zentrale Themen.
In einer globalisierten Welt wird so die Kunst ein weiteres Mal zum Mittel des Widerstandes gegen Ungerechtigkeiten in den gesellschaftlichen Verhältnissen.
Das Theater ist das dazu seit jeher besonders geeignete Medium. Aus der künstlerisch bearbeiteten Konfrontation mit der Wirklichkeit ergeben sich die notwendigen Fragen, wird die kritische Reflexion erzwungen. Und das nicht nur auf der Bühne, sondern auch danach - in den Diskussionen mit den RegisseurInnen, DramatikerInnen und SchauspielerInnen.
Es macht nicht zuletzt den Reiz der Mülheimer Theatertage aus, dass hier ein Forum der Begegnung geschaffen wird und die aktive Rolle des Publikums Teil der Konzeption des Festivals ist.
Der diskursive Charakter der "Stücke" zeigt sich aber auch an dem erneut stattfindenden Symposium und der Übersetzerbegegnung mit dem Internationalen Theaterinstitut. Ich heiße die Übersetzer aus Argentinien, Brasilien, Bulgarien, Finnland, Indien, Palästina, der Republik Togo, aus Serbien, Slowenien, Taiwan, der Tschechische Republik und aus Ungarn sehr herzlich willkommen.
Auch in diesem Jahr ist es den Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut gelungen, die Preisträgerproduktion der Stücke 2010 - Der goldene Drache von Roland Schimmelpfennig- aus einem anderen Kulturkreis zu reimportieren. Das kubanische Teatro de La Luna aus Havanna zeigt am 4. und 5. Juni seine Version der Geschichte eines jungen Chinesen, der unter fürchterlichen Zahnschmerzen leidet.
Mein Dank gilt all jenen, die zum Gelingen dieser Theatertage beitragen:
- den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und
- dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
für die finanzielle Unterstützung der Mülheimer Theatertage,
- sowie allen den heimischen Förderern, hier besonders der Leonhard-Stinnes-Stiftung.
Sie alle haben großen Anteil daran, dass Mülheim an der Ruhr für den Verlauf des Festivals zum Mittelpunkt der zeitgenössischen deutschsprachigen Theaterszene wird.
Ich freue mich nun mit Ihnen auf die vor uns liegenden spannenden Wochen mit herausragenden Theatern und ich wünsche uns allen dabei viel Kunstgenuss und anregende Gespräche.
Vielen Dank!
Kontakt
Stand: 22.06.2011













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