Expertenworkshop 10 Jahre Lokale Bündnisse (2014)

NRW-Familienministerium lud zum Expertenworkshop ins Mülheimer Rathaus

Das Mülheimer Bündnis für Familie gehört zu den aktiven Familiennetzwerken in NRW. Grund genug für das NRW-Familienministerium und das IQZ (Informations- und Qualifizierungszentrum für Kommunen, Bochum), Mülheim als Veranstaltungsort für einen Expertenworkshop auszuwählen. „Lokale Bündnisse für Familie in Nordrhein-Westfalen: Aufgaben, Perspektiven und offene Fragen“ – so lautete der Titel, unter dem das Ministerium den engen Austausch mit sechs eingeladenen Familienexpertinnen suchte.

„Ich begrüße es sehr, dass die Landesregierung die Bündnisse als kompetente Ansprechpartner in Sachen Familie ernst nimmt und ihr Fachwissen verstärkt einholen möchte“, so Dr. Claudia Roos, Geschäftsführerin des Mülheimer Bündnisses für Familie. Auch wenn die lokalen Bündnisse aufgrund einer Initiative des Bundesfamilienministeriums entstanden seien, so könnten sie die vor Ort gesammelten Erfahrungen gut in die Familienpolitik des Landes einbringen.

Dr. Claudia Roos stellte im Rahmen der Veranstaltung die besondere Mülheimer Bündnis-Struktur vor. Dabei wies sie auch auf die enge Einbindung der Mülheimer Wirtschaft hin. „Dass sich Wirtschaftsvertreter so intensiv in der Arbeit der Familienbündnisse einbringen, ist bundesweit keine Selbstverständlichkeit“, betonte die Geschäftsführerin.

Drei Themenblöcke standen auf dem Programm in Mülheim:

  • Blick zurück auf zehn Jahre Bündnis-Arbeit,
  • aktuelle Situation und 
  • Blick in die Zukunft.

Dr. David Juncke (Prognos) und Prof. Dr. Fabian Kessl (Uni Duisburg-Essen) stellten dabei ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse den praktischen Erfahrungen der Bündnis-Aktiven gegenüber.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Thema

Deutlich wurde dabei, dass das Mülheimer Bündnis mit seinem Selbstverständnis und der thematischen Ausrichtung auf einer Linie mit einer Vielzahl von lokalen Bündnissen liegt: Die meisten Bündnisse beschäftigen sich mit den Themen „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „Kinderbetreuung“ und „Zeit“. „Das waren auch unsere Schwerpunkte in den vergangenen zehn Jahren“, erklärte Dr. Claudia Roos.

Auch die für das kommende Jahr geplante intensivere Beschäftigung mit den Herausforderungen von „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ liege voll im Trend. Denn bei der Frage, welche Themen die Bündnis-Arbeit in den kommenden Jahren prägen werden, waren sich Forscher und Bündnis-Akteurinnen einig: Die Vereinbarkeitsfrage werde ihre Bedeutung behalten, aber künftig stärker im Kontext von Pflege und Beruf stehen. Deshalb müsse darauf geachtet werden, dass sich Familien- und Seniorenbündnisse nicht als Konkurrenten, sondern als Partner sähen.

Eine wichtige Aufgabe legte Dr. David Juncke den Bündnissen nahe: Sie sollten Sprachmittler zwischen Verwaltung und Unternehmen sein. „Das praktizieren wir in Mülheim bereits erfolgreich“, freute sich Dr. Claudia Roos. Wie viele andere lokale Bündnisse in Deutschland, verstehe sich das Mülheimer auch als Impulsgeber und Initiator von Projekten. Es verschaffe Familienbelangen eine Stimme in der Kommune und bringe Akteure zum Thema zusammen.

Die Netzwerkerinnen waren sich mit Dr. David Juncke einig darüber, dass die Bündnisse vor allem dann gut arbeiten, wenn viele gesellschaftliche Gruppen mitwirken, die Ober-/Bürgermeister es unterstützen und das Bündnis über ausreichend Ressourcen verfügt. Letzteres ließen jedoch sowohl Bund als auch Land bisher unberücksichtigt. Eine finanzielle Förderung schloss Regina Vogel vom Familienministerium zwar aus, sie stellte aber weitere inhaltliche Begleitung über die Homepage des Ministeriums und die verstärkte Einbeziehung der Bündnisse in politische Diskussionsprozesse in Aussicht.

Kritik an den Prognos-Familienstudien

Die Geschäftsführerin des Mülheimer Bündnisses für Familie nutzte die Gelegenheit und gab die vom Kuratorium mehrfach geäußerte Kritik an den Prognos-Familienstudien an Dr. Juncke weiter: „Wenn wir im Ruhrgebiet auf Kooperationen mit den Nachbarstädten setzten, schneiden wir im Ranking schlechter ab, weil wir nicht alle Angebote in allen Städten vorhalten. Und an so mancher Stellschraube können wir Kommunen gar nichts ändern, weil die Landespolitik hier zuständig ist. Das gilt zum Beispiel für die Klassengrößen.“ Der Wissenschaftler nahm die Kritik zur Kenntnis.

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Stand: 22.11.2016

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