Exzellenzoffensive in Mülheimer KITAS

Mit der Fachtagung "Orte exzellenter Erziehung und Bildung" am 14.11.2007 startete die Stadt Mülheim an der Ruhr zunächst in den drei städtischen Kindertageseinrichtungen Papillio (Dümpten), Hummelwiese (Heißen) und Menschenskinder (Eppinghofen) ein umfassendes Reformvorhaben. Angelehnt an das international anerkannte Erfolgsmodell der Early Exellence Centres in England wird der Versuch unternommen, modellhaft einen neuen pädagogischen Ansatz zu entwickeln. "Dabei geht es darum, bei der Arbeit mit den Kindern nicht deren Defizite zu beschreiben, sondern die individuellen Potentiale zu erkennen und gezielt zu fördern," so Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (Foto/siehe auch das Eröffnungsstatement der Oberbürgermeisterin zur Fachtagung).

Fachtagung Projekt Mülheim bildet - von Anfang an. Festsaal der Stadthalle.14.11.2007Foto: Walter Schernstein.

Ziel der jetzt begonnenen Offensive ist die Stärkung frühkindlicher Bildung und individueller Förderung. Die Early Exellence Centres gelten derzeit als eines der international innovativsten Konzepte frühkindlicher Bildung. Das Programm klingt selbstverständlich und hat in der praktischen Umsetzung doch "revolutionäre" Konsequenzen: Im Mittelpunkt steht das Kind mit seiner Einzigartigkeit, d.h. mit seinen individuellen Talenten. Jedes Kind ist exzellent, lautet die Kernaussage.

Fachtagung Projekt Mülheim bildet - von Anfang an. Festsaal der Stadthalle.14.11.2007Foto: Walter Schernstein

Die Fachtagung richtete sich an die Fachöffentlichkeit Mülheims und der Umgebung. 125 Teilnehmer/innen fanden sich in der Stadthalle ein.

Fachtagung Projekt Mülheim bildet - von Anfang an. Festsaal der Stadthalle.14.11.2007Foto: Walter Schernstein

Fachtagung Projekt Mülheim bildet - von Anfang an. Festsaal der Stadthalle.14.11.2007Foto: Walter Schernstein.

Mehr zum Projekt "Early Exellence" und die Umsetzung im Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus findet man unter www.pfh-berlin.de 

Fotos: Walter Schernstein

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Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

zur Veranstaltung "Orte exzellenter Erziehung und Bildung –

Fachtagung im Rahmen der Initiative Mülheim bildet –

von Anfang an"

am Mittwoch, 14.11.07, 9.30 Uhr,

Stadthalle

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Es geht heute um Zukunft. Um die Zukunft dieser Stadt, der Region, des Landes...

Wenn von Zukunft die Rede ist, soviel haben wir inzwischen verstanden, geht es um den Weg in eine Gesellschaft, in der die Anforderungen an die Menschen, aber auch ihre Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten weiter deutlich ansteigen werden. Damit wir diesen Weg erfolgreich gehen können, brauchen wir vor allem eins: Bildung, Bildung – und noch mal: Bildung! Und: Wir können es uns nicht leisten, auch nur ein Talent auf dem Weg zu verlieren.

Bildung ist unverzichtbar, wenn es darum geht, allen verfügbaren humanen Potenzialen, Talenten, Fähigkeiten zur Entfaltung zu verhelfen. Und sie ist unverzichtbar, wenn es um die Zukunftsgestaltung des Gemeinwesens geht. Denn neben dem Wert, den Bildung für den einzelnen Menschen hat, ist sie längst auch zum Standortfaktor im Wettbewerb von Kommunen und Regionen geworden.

Aus kommunaler Perspektive spreche ich deshalb gelegentlich auch von "gebildeter Stadtgesellschaft", um deutlich zu machen, dass wir hier nicht nur über das Hobby einiger professioneller Pädagogen oder Gutmenschen sprechen, sondern über eine vieldimensionale Herausforderung für die ganze Stadt.

Was sind wesentliche Rahmenbedingungen für eine Politik, die das ernst nimmt? Wo sind die "Leitplanken", die wir nicht außer Acht lassen dürfen?

Da ist vor allem ein sehr vielschichtiges Thema zu nennen, das in der Regel unter den Begriff "demografischer Wandel" gefasst wird. Wir beschäftigen uns damit in Mülheim sehr intensiv. Aber keine Angst, ich werde Sie jetzt nicht mit langen Ausführungen darüber "beglücken". Nur so viel: Wir werden das, was sich hinter der Kurzformel "Wir werden weniger, älter und bunter" verbirgt, sehr genau in seinen örtlichen Auswirkungen analysieren und daraus konsequent Handlungsschritte herleiten.

Vor allem der unscheinbare, beinahe nette Begriff "bunter", bildet eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für unser Bildungssystem. Also die Frage der zunehmenden auch ethnischen und kulturellen Heterogenität unserer Gesellschaft und damit verbunden die Frage nach ihrer – der gesellschaftlichen – Integration.

Wir wissen auch, dass Bildung wesentliches Element einer Strategie gegen soziale Ausgrenzung und für soziale Integration ist - oder besser: sein muss. Wenn nach wie vor Bildungschancen so ungleich verteilt sind wie bei uns, ist klar, wie wichtig es ist, auch – vielleicht sogar gerade – unter diesem Aspekt neue Wege und verstärkte Anstrengungen im Bildungsbereich zu unternehmen. Also eine neue, zeitgemäße Bildungsoffensive zu starten.

Diese Bildungsoffensive hat in Mülheim inzwischen einen Namen, nämlich: "Mülheim bildet". Diese "Dachmarke" wird inhaltlich und begrifflich für einzelne Teilaspekte entsprechend ausformuliert, z.B. in "Mülheim bildet – weiter" oder "Mülheim bildet – für den Beruf" usw..

Mein Ziel ist es, die Stadt Mülheim zu einem herausragenden Bildungsstandort zu entwickeln. Deshalb bin ich auch fest zur Einforderung und Wahrnehmung einer aktiven kommunalen Bildungsverantwortung entschlossen. Wenn wir - immer deutlicher wahrnehmbar - über integrierte Stadtentwicklung sprechen, wie soll die denn nach dem, was ich zuvor über Bildung gesagt habe, ohne eine Einbeziehung bildungspolitischer Strategien überhaupt möglich sein?

Ich nehme Bildungsverantwortung als OB nicht erst neuerdings sehr ernst. Schon im Jahr 2004 habe ich die "Mülheimer Bildungskonferenz" ins Leben gerufen. Seitdem arbeiten PädagogInnen, LehrerInnen, AusbilderInnen und andere interessierte BürgerInnen intensiv und gemeinsam mit Politik und Verwaltung an der Verbesserung der Bildungslandschaft in Mülheim.

Ich plädiere als "gelernte Lehrerin" seit jeher für einen "ganzheitlichen Bildungsbegriff" und im pädagogischen Handeln für einen Blick auf Potenziale statt auf Defizite. Darüber werden wir heute noch Vieles hören. Ich erspare Ihnen und mir bei deshalb an dieser Stelle weitere Ausführungen dazu. Aber ich möchte es noch einmal deutlich betonen, weil damit ein wesentlicher Aspekt der heutigen Fachtagung angesprochen ist.

Orte exzellenter Erziehung und Bildung - so lautet der Titel der Tagung. Wenn uns die Bildung unserer Kinder am Herzen liegt, müssen wir die Kinder bestmöglich fördern - und damit so früh wie möglich beginnen. Unsere Strategie dazu lautet: "Mülheim bildet - von Anfang an!". Dies ist auch der Titel unseres Projektes, mit dem wir nachhaltig Akzente in der frühkindlichen Bildung setzen wollen.

Bedenkt man, dass in der frühen Kindheit die entscheidenden Grundlagen für den weiteren Bildungsweg und damit für die gesamte Entwicklung von Kindern gelegt werden, muss die Beschäftigung mit Fragen von frühkindlicher Bildung auch im kommunalen Verantwortungsbereich höchste Priorität haben.

Das Projekt "Mülheim bildet- von Anfang an" ist damit ein zentraler Baustein unserer Bildungsoffensive "Mülheim bildet". Mit dem Projekt soll die frühkindliche Bildung gestärkt und in den Kindertageseinrichtungen fortentwickelt werden. Wir wollen es uns zum Ziel machen, die Bildung aller Kinder von Anfang an bestmöglich zu fördern. Die Verwaltung hat im Jugendhilfeausschuss am 3.9.2007 deshalb auch angekündigt, dass sie ein Gesamtkonzept für den Elementarbereich mit dieser Zielrichtung entwickeln wird.

Beginnen wollen wir damit, den Ansatz Early Excellence in Kindertageseinrichtungen modellhaft umzusetzen. Early Excellence ist ein international erprobter Ansatz, der den Erfordernissen zeitgemäßer Frühpädagogik entspricht. Wir erwarten von diesem Ansatz auch positive Wirkungen für Integration und gesellschaftliche Teilhabe.

Wir werden zunächst in 3 Kindertageseinrichtungen beginnen. Ziel ist, die dabei gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen zur Ausweitung des Ansatzes auf die anderen Einrichtungen zu nutzen. Nein, nicht weil wir in Mülheim bisher schlechte Arbeit in unseren Kindertageseinrichtungen geleistet hätten, sondern im Gegenteil, weil wir – Herr Vermeulen wird dazu gleich noch Einiges sagen - schon jetzt eine hohe Qualität und Professionalität erreicht haben, so dass wir es uns zutrauen können, das Erreichte jetzt gemeinsam weiterzuentwickeln und voranzutreiben.

Wir glauben – natürlich wie immer bei solchen Projekten: manche etwas mehr und manche etwas weniger -, dass wir das schaffen können. Gemeinsam schaffen können. Zuallererst natürlich die Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen selbst. Und dann wir in Politik und Verwaltung und die externen Fachleute, die dabei unterstützen können und müssen. Wie das aussehen soll, werden wir auch heute noch hören.

Apropos externe Fachleute: Wir freuen uns sehr, dass wir mit Frau Prof. Rabe-Kleberg und Frau Dr. Hebenstreit zwei Expertinnen gefunden haben, die mit uns gemeinsam mit großem Engagement und großer Begeisterung an dem Projekt arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich. Deshalb verdient es besonders hervorgehoben zu werden.

Für die drei Kindertageseinrichtungen, die sich auf den Weg machen, ist dies ein mutiger Schritt, der auch Risiko, Ungewissheit und Wagnis bedeutet. Das ist uns allen, die wir dafür Verantwortung tragen, durchaus bewusst. Dieser Weg setzt ein hohes Maß an Engagement und Beharrlichkeit voraus. Aber ich bin mir sicher, der Weg wird sich lohnen: Für die Kinder, aber auch für die Kolleginnen, die vor Ort in der Einrichtung arbeiten. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, sich auf dieses Projekt, das ja auch ein wenig Abenteuer ist, einzulassen.

Mein Dank gilt auch denen, die ihr Interesse an dem Projekt in unterschiedlicher Weise bekundet haben. Und die, die sich um die Teilnahme beworben haben und nun zunächst nicht als Piloteinrichtung ausgewählt wurden, bitte ich um Verständnis. Es galt viele Aspekte abzuwägen. Und es war – so habe ich mir berichten lassen - nicht einfach, zu einer Entscheidung zu kommen. Ich bitte Sie deshalb, bleiben Sie aufgeschlossen für die Sache und bleiben Sie nahe dran am Projekt. Wir werden für alle Interessierten Transparenz über den Projektfortgang herstellen und sie zeitnah an den Projektentwicklungen teilhaben lassen.

Allerdings: Der Prozess braucht Zeit - schnelle Erfolge dürfen wir nicht erwarten. Den Projektzeitraum haben wir daher für drei Jahre angesetzt. Wir werden den Prozess systematisch begleiten, evaluieren und dokumentieren. Dies im Interesse von Transparenz und im Interesse einer systematischen Verfolgung und Überprüfung unserer Ziele. Insofern gehe ich auch davon aus, dass wir uns heute nicht zum letzten Mal zu diesem Thema in Mülheim treffen.

Damit komme ich zum Schluss. Ich freue mich auf die heutige Fachtagung und wünsche uns allen interessante Vorträge und einen intensiven Gedankenaustausch.

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Stand: 15.11.2007

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