Familienbericht Mülheim an der Ruhr

"Wir wollen wissen, was Familien in Mülheim brauchen, um darauf 'passgenau' reagieren zu können." So formulierte es die damalige Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld bei der Vorstellung "Familienberichts Mülheim an der Ruhr 2007".

Der Bericht beschreibt detailliert die Lebenssituation von Familien in Mülheim an der Ruhr. Er stellt seitdem eine wichtige Arbeitsgrundlage für Politik und Verwaltung dar, die es ermöglicht, bestehende familienpolitische Aktivitäten auf ihre "Passgenauigkeit" hin zu überprüfen und gegebenenfalls neue Wege im Bereich kommunaler Familien- und Sozialpolitik zu gehen. "Nur wer weiß, wie Familien leben, kann ihnen auch tatsächlich helfen," so Dagmar Mühlenfeld. Insofern hat die Stadt Mülheim mit dem Familienbericht eine ebenso wichtige wie offensive Herangehensweise gewählt. Denn der Familienbericht stellt nicht nur eine wichtige Diskussionsgrundlage dar, sondern die Stadt Mülheim überprüft sich und ihre Familienpolitik mit diesem Bericht selbst, was für sich genommen schon ein wichtiges familienpolitisches Signal ist.

Vorstellung Familienbericht. V.l. Dipl.Soz.Wiss. Holger Wunderlich, Ulrich Ernst (Leiter Referat I und Stadtkanzlei), Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Klaus Konietzka (Leiter Sozialamt).17.03.2008Foto: Walter Schernstein

Vorstellung des Familienberichts, v.l.n.r.: Dipl. Soz. Wiss. Holger Wunderlich, Ulrich Ernst (ehemaliger Leiter Referat I und Stadtkanzlei), Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Klaus Konietzka (Leiter Sozialamt).                                     Foto: Walter Schernstein

"Die Ergebnisse des Familienberichtes sind sehr facettenreich," erläuterte der Autor, Dipl. Soz. Wiss. Holger Wunderlich. Neben der Bestätigung von bekannten Ergebnissen, wie beispielsweise, dass Mülheim die älteste Bevölkerung der kreisfreien Städte des Ruhrgebietes hat, enthält er zahlreiche neue Ergebnisse:

 

  • Ein Ergebnis ist, dass es in Mülheim eine relativ deutliche Armuts- und ethnische Segregation und eine Konzentration sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen in einigen wenigen Stadtteilen gibt. Eine wichtige Aufgabe der Stadt sollte deshalb die Stabilisierung der sozialen Strukturen und der Lebensverhältnisse in diesen Stadtteilen sein. Dies lässt sich insbesondere über die Integration der nachwachsenden Generation der nichtdeutschen Bevölkerung erreichen. Der Familienbericht zeigt, dass die Integration der nichtdeutschen Bevölkerung in erster Linie eine sozialstrukturelle Herausforderung ist.
  • Ein weiteres Ergebnis ist, dass der Anteil armer Familien in Mülheim deutlich geringer als in vielen anderen Städten ist. Allerdings gibt es in Mülheim an der Ruhr, wie in vielen anderen Städten, eine recht große Gruppe armutsnaher Familien, die nach sozialwissenschaftlichen Kriterien nicht als arm gelten, jedoch die gleichen Lebenslagenmerkmale wie arme Familien aufweisen. Diese Familien sollten neben armen Familien eine wichtige Zielgruppe kommunaler Familienpolitik sein. Es ist jedoch wichtig im Blick zu behalten, dass die Möglichkeiten kommunaler Familienpolitik Familienarmut zu vermeiden oder entgegenzuwirkern sehr begrenzt sind. Hier geht es eher um die Bearbeitung von sozialen Folgen dieser Entwicklungen, beispielsweise durch eine intensive Beratung von Familien in armen und armutsnahen Milieus oder das Hinwirken auf Chancengleichheit im Bereich Bildung.
  • Ein letztes exemplarisches Ergebnis ist, dass die Mülheimer Familien einen recht hohen Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren formulieren. Dies ist unter anderem vor dem Hintergrund einer vergleichsweise hohen Berufstätigkeit von Müttern in Mülheim einzuordnen.

"Diese und andere Ergebnisse sind für uns eine wichtige Grundlage für die künftige Mülheimer Familienpolitik," resümierte die Oberbürgermeisterin damals. Wichtig dabei sei es, im Blick zu behalten, dass Familienpolitik nicht "von heute auf morgen" wirkt und nicht alleine Aufgabe von Politik und Verwaltung sein kann.

Übrigens:
Holger Wunderlich: "Der Familienatlas 2007 von Prognos (im Auftrag des Bundesfamilienministeriums) hat Mülheim an der Ruhr bezüglich des Themas Familienfreundlichkeit als "zurückfallende Region" bezeichnet. Abgesehen von methodischen Argumenten, die dieses Urteil unglaubwürdig machen, suggeriert "zurückfallend", dass die Stadt Mülheim an der Ruhr sich nicht für Familien engagiert. Der vorliegende Familienbericht Mülheim an der Ruhr 2007 beweist das Gegenteil." 

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Stand: 23.01.2017

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