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Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen

migration-geschichte.de: Fragen und Antworten: Migrationsgeschichten
Oleg Tartakowski

Fragen und Antworten: Migrationsgeschichten

Schüler und junge Erwachsene aus Russland bzw. Nachfolgestaaten der UdSSR oder mit russischem Migrationshintergrund haben an einer Fragebogenaktion aus Anlass des 15jährigen Bestehens des Deutsch-Russischen Kulturzentrums Mülheim an der Ruhr im Herbst 2009 teilgenommen. Eine Zusammenfassung ihrer Antworten ergibt folgendes Bild:

Auf die Fragebögen antworteten 15 Schüler und Schülerinnen (zwischen 10 und 18 Jahren) sowie 9 Erwachsene (zwischen 20 und 37). Schwerpunkte der Fragen waren: Gründe für die Auswanderung; Erwartungen und Wirklichkeit; Prozesse der Integration (Spracherwerb; Schule; Beruf; soziale Kontakte); Bindungen an die alte Heimat; Perspektiven hier.

Die Schülerinnen und Schüler besuchen eine Real- oder Gesamtschule, die meisten ein Gymnasium. Die durchweg sehr positiven Antworten sind sprachlich einwandfrei, tendieren aber zu Stereotypen, weil die Schüler sich offensichtlich kennen und abgesprochen haben. Umso deutlicher fallen individuelle Wertungen und Meinungen auf. Die älteren (16 – 18) betonen zwar alle ihre gute sprachliche Integration, haben aber vereinzelt dennoch Identitätsprobleme („…in der Schule, wo ich mich, wie türkische oder jugoslawische Mädchen, fremd fühle“). Die jüngeren, z.T. in Deutschland geborenen, fühlen sich hier ganz zu Hause, was nicht ausschließt, dass sie (über ihre Eltern) den sozialen und sprachlichen Kontakt zum Herkunftsland pflegen möchten.

Die Erwachsenen zeigen naturgemäß ein differenzierteres Bild. Als Motiv für ihre Auswanderung werden mehrfach dieselben Gründe angegeben: Arbeitslosigkeit; Unzufriedenheit mit den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen, verbunden mit der Hoffnung auf eine demokratisch-rechtsstaatliche Ordnung in Deutschland, die auch nicht enttäuscht wird. Wenige Beispiele misslungener Integration („ich will unbedingt zurück“, „starke Nostalgie“) oder von Biographiebrüchen fallen auf: („Zusammenbruch der Familie“). Es überwiegen jedoch Äußerungen wenn auch letztlich gegen z.T. erhebliche Widerstände erkämpfter Integration (allgemeine Ängste vor und nach der Auswanderung, vor allem wegen der fremden deutschen Sprache; ein Gefühl, immer noch als Ausländer oder Bürger zweiter Klasse wahrgenommen zu werden; „habe eine andere Mentalität“). Zwei Antworten zeugen aber auch von einem unerschütterlichen Selbstvertrauen: („[hoffe] über mich hinauszuwachsen und immer weiter dazuzulernen“; „wir glauben an unsere Kräfte“).

Insgesamt lässt die begrenzte Zahl) der Antworten ein durchaus positives Fazit zu: unsere neuen Mitbürger mit russischem Migrationshintergrund sind in Mülheim angekommen!

Prof. Herbert Kaiser, Mülheim an der Ruhr, im Februar 2010


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
kw@wichmann-kommunikation.de
http://www.kulturbetrieb.de
http://vhs.muelheim-ruhr.de
Das Projekt Migration & Geschichte
wurde durch die Leonhard-Stinnes-
Stiftung gefördert.

Impressum
Stand: 18.04.2011

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