Frauen in Führungspositionen: "Viel Leistung für Anerkennung"
1. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt?
Mädchen werden immer noch anders erzogen und gehen deswegen auch meistens defensiver mit ihren Chancen um, als Jungen es tun. Problematisch ist auch, dass sie mehrere Lebensziele miteinander in Einklang bringen müssen.
2. Mit welchen (Charakter-)Eigenschaften hat eine Frau eine Chance auf eine Führungsposition?
Sie muss durchsetzungsfähig und vor allem auch durchsetzungswillig sein. Ihre Arbeit muss sie aber auf eine ausgleichende Art und Weise erledigen. Denn immer noch haben Männer - zwar nicht bewusst, aber dennoch - Probleme mit weiblichen Vorgesetzen. Mit einer "Rambomentalität" kommt sie da nicht weit. Wichtig ist darüber hinaus, dass eine Frau konsequenter in Ankündigungen ist, als es ein Mann sein muss.
3. Mussten Sie in Ihrer Laufbahn mehr leisten als ein Mann, um dieselbe Anerkennung zu gewinnen?
Am Anfang glaubte ich, mehr leisten zu müssen und habe mich auch daran orientiert. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es sich dabei nicht einfach um ein gelerntes Muster handelt. Es ist aber auffallend, dass Frauen, die sich nun in Führungspositionen befinden, häufig eine solche Biographie haben: Viel Leistung für Annerkennung.
4. Welche Vorbilder hatten Sie persönlich?
Während meiner eigenen Schulzeit hatte ich sechs Jahre Unterricht bei einer Lehrerin, die mich sehr geprägt hat. Sie trug Schuhe mit hohen Absätzen, war stets superschick gekleidet und hatte obendrein auch noch zwei Kinder, war also eine absolute Exotin. Damit unterschied sie sich von den anderen Lehrerinnen, die teilweise stolz darauf waren, unverheiratet und kinderlos zu sein. Frauen brauchen nicht einfach nur Vorbilder, sondern solche, die eine realistische Alternative bieten, wie man als Frau mit Familie trotzdem Karriere machen kann. Mein großes politisches Vorbild war immer Willy Brandt. 1975 bin ich dann auch der SPD beigetreten. Allerdings habe ich zu keiner Zeit gezielt ein politisches Führungsamt angestrebt. Frauen stellen wohl generell eher im Laufe ihres Berufslebens fest, dass sie Interesse an einer Führungsposition haben. Genauso war es auch bei mir. Es kam der Zeitpunkt, an dem in mir der Wunsch nach dem Ausbruch aus der Routine wach wurde. Und wenn dann noch ein politisches Interesse dazu kommt, dann liegt der Aufstieg in eine politische Führungsposition nahe. Frauen sind dabei aber viel mehr als Männer auf Gelegenheiten angewiesen.
5. Wo lagen Schwierigkeiten auf Ihrem Weg als Frau in eine Führungsposition?
Vor allem meine eher geringe Körpergröße hat mir mit Sicherheit einige Schwierigkeiten bereitet. Ich vermute, dass ich dadurch gelegentlich unterschätzt wurde. Doch es war wichtig für mich, trotz einiger Steine im Weg an meiner Entscheidung für eine Führungsposition festzuhalten. Man muss wissen, was man will und wie sehr man es will. Gelegentlich habe ich mich selbst wie ein Fremdkörper in den Männerrunden gefühlt. Es kamen Sprüche wie "Ach, eine Frau in unser Runde, dann müssen wir uns ja ordentlich benehmen". Dadurch wurde ich indirekt wieder ausgegrenzt. Wenn man nicht aufpasst, dann kommunizieren Männer über einen hinweg.
6. Hat eine Frau vielleicht in bestimmten Fällen einen Bonus?
Frauen können besser kommunizieren und moderieren. Das Problem ist nur, dass Frauen selten die Chance haben, diese Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ein zweiter Bonus der Frauen ist, dass sie sachbezogener arbeiten als Männer. Sicherlich gibt es auch Zickenterror. Aber wenn eine Frau eine Führungsposition erreicht hat, dann ist dies für sie erst mal eine enorme Errungenschaft. Dadurch arbeitet sie sachbezogener. Männer reden viel mehr, und zwar oft auch Überflüssiges. Andererseits reagieren Männer schnell mit Unruhe, wenn Frauen zu lange reden.
7. Wird es schwieriger für eine Frau, je höher sie aufsteigt?
Nein, absolut nicht. Die ersten Schritte sind die schwierigsten. Entscheidet sich eine Frau für einen Karriereweg, dann muss sie sich allen Vorurteilen widersetzen. Wenn sie den Kopf aber erst mal aus der Decke gehoben hat, gibt es hauptsächlich nur noch objektive Hindernisse wie Konkurrenzkämpfe bei Bewerbungsgesprächen. Um eine solche Entscheidung überhaupt treffen zu können, brauchen auch Frauen einen Förderer, dem sie ihr Ziel anvertrauen können. Frauen melden viel zu wenig Ansprüche an und warten zu sehr darauf, dass sie jemand aufgrund ihrer Leistung entdeckt. Man muss sich in Übungssituationen erleben. Mein Förderer war der ehemalige Schulleiter des Heinrich von Kleist Gymnasiums in Bochum, Heinz-Dieter Fleskes. Er hat mir immer wieder neue Aufgaben überlassen und zugetraut.
8. War es schwierig, Familie und Karriere zu vereinbaren?
Ja und nein. Ja, weil ich immer extrem viel arbeiten musste. Nein, weil meine Mutter und meine Schwiegermutter mich immer unterstützt und auf unseren Sohn aufgepasst haben.
9. Glauben Sie, dass es einen typisch männlichen oder weiblichen Führungsstil gibt?
Nein, das glaube ich nicht. Vielleicht sind Frauen jedoch kommunikativer und kooperierender.
10. Würden Sie der Aussage zustimmen, dass ein Frau ihre weiblichen Attribute in einer Führungsposition ablegen muss?
Nein, das würde auch niemand durchhalten. Klar, wenn man eine neue Funktion übernimmt, dann ist damit auch ein neues Rollenverhalten verbunden, aber jeder muss sich selbst damit identifizieren können.
11. Glauben Sie, dass in Zukunft mehr Frauen in Führungspositionen berufen werden?
Wir haben bisher alles hingekriegt. Frauen sind gleichberechtigt, haben heute selbstverständlich das Wahlrecht, für das lange gekämpft werden musste und können sich den Beruf frei aussuchen. Meine Mutter brauchte per Gesetz noch die Zustimmung ihres Ehemannes, als sie neben ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter einer Berufstätigkeit nachgehen wollte.
12. Sind Sie selber daran interessiert, dass mehr Frauen in Führungspositionen eintreten?
Auf jeden Fall sollen mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. Wirtschaftlich gedacht gehen sonst Kompetenzen verloren. Frauen müssen schon alleine wegen des Gleichheitsgrundsatzes mehr Chancen auf Führungspositionen erhalten als bisher. Es kann nicht einfach an einem Punkt Schluss sein. Aber trotzdem gehe ich nicht so weit, dass ich sage: Mit Frauen in Führungspositionen sieht die Welt besser aus.
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Stand: 26.08.2009













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