Frauenquote in Unternehmen
Die NRZ befragte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld im November 2011 zu ihrer Position zum Thema "Frauenquoten in Unternehmen".
Hier die ausführliche Antwort:
"Die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern ist in Deutschland inzwischen vollendet und gesellschaftlicher status quo. Die faktische Gleichberechtigung hingegen ist auch 50 Jahre nach der ersten Bundesministerin und unter der ersten Bundeskanzlerin noch nicht gelebte Realität in allen Lebensbereichen. Dies muss – anstatt weiter auf Wandel zu warten - von Politik und Zivilgesellschaft aktiv vorangetrieben werden. Zum einen, weil Rechtsnormen und Rechtswirklichkeit endlich zur Übereinstimmung gebracht werden müssen, und zum anderen, weil es sich unsere Gesellschaft nicht leisten kann, die Potenziale der weiblichen Bevölkerungsmehrheit nicht auszuschöpfen.
Da ich mich für aktives Handeln ausspreche, bin ich auch der Ansicht, dass eine Quote erforderlich ist, um Frauen die ihnen und ihren Qualifikationen entsprechenden und zustehenden Führungspositionen in der Wirtschaft zugänglich zu machen. Von einer Selbstverpflichtung der Wirtschaft halte ich nichts, da die dafür notwendigen Verhaltenänderungen ohne Sanktionen nicht einzufordern sind und eingeschliffene Prozessstrukturen wie z.B. bei der Personalakquise dagegen resistent sein dürften.
Die Erfahrungen in der Politik zeigen, dass auch erst die Festlegung einer Quote zu schnellen und nachhaltigen Veränderungen beigetragen hat.
Bei den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dürfen die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft den Organisations- und Verantwortungsspagat bei der Vereinbarkeit von Beruf/Karriere und Familie nicht weiterhin den Frauen oder bestenfalls den betroffenen Familien überlassen. Vielmehr muss es der Selbstanspruch von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sein, durch ein Höchstmaß an Flexibilität in sämtlichen für Familien relevanten Lebensbereichen allen Frauen die ihnen zustehenden Teilhabechancen zu eröffnen.
Für den öffentlichen Sektor bedeutet dies z.B. nicht nur die Beschleunigung des Ausbaus von Betreuungsplätzen, sondern auch, die Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen den zeitlichen Anforderungen unterschiedlichster Arbeitszeitmodelle verlässlich anzupassen."
Kontakt
Stand: 15.11.2011













[schließen]
Bookmarken bei