Migration · Integration · Interkulturelles Leben
Das Gesicht der Migration in Mülheim an der Ruhr zeigen

Paris, Bartholomäusnacht, 24. August 1572; Ermordung der Hugenotten. Gemälde von François Dubois; Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne
Paris, Bartholomäusnacht, 24. August 1572; Ermordung der Hugenotten. Gemälde von François Dubois; Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne (Quelle: Wikipedia)

Frühe Einwanderung nach Deutschland, 1685 bis 1880, ein Zeitstrahl

Migration hat, wie überall auf der Welt, auch in Deutschland, eine lange Geschichte. Die Gründe dafür sind seit Jahrhunderten im Kern die Gleichen – das Streben nach einem besseren Leben für sich selbst und die Nachkommen, die Furcht vor politischer, ethnischer oder religiös motivierter Verfolgung oder die gewaltsame Vertreibung.

Daneben hat es immer auch Auswanderung aus Deutschland gegeben: Ein Beispiel dafür ist die Auswanderung von Pfälzern und Hessen im 19. Jahrhundert nach Frankreich, wo diese Menschen maßgeblich am Ausbau des Kanalnetzes und der Eisenbahn mitgewirkt haben. Weitere Beispiele sind die Auswanderung von abertausenden von Menschen aus bitterer Armut in Deutschland im 19. Jahrhundert nach Russland, Südamerika, in die USA und nach Kanada.

29. Oktober 1685
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg,
erlässt das Edikt von Potsdam. Insgesamt 44.000 Hugenotten, die wegen ihres Glaubens aus Frankreich fliehen, finden Aufnahme in Deutschland. Allein nach Brandenburg-Preußen immigrieren etwa 20.000 Flüchtlinge, ein Drittel der Berliner Bevölkerung sind zu dieser Zeit Hugenotten. Friedrich Wilhelm will mit Hilfe der Migranten die großen ökonomischen Probleme seines Landes nach dem Dreißigjährigen Krieg lösen, neue Handwerkszweige und Produktionsformen importieren.

1699
Der württembergische Herzog Ludwig nimmt 3.000 Glaubensflüchtlinge, die „Waldenser“
auf (in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Lyon gegründete Laienbruderschaft, die Ziel von Verfolgung durch die katholische Kirche wurde), um Fortschritte in der Landwirtschaft zu erzielen. Jede Familie hatte per Anordnung etwa acht Personen in Scheunen ihrer Gehöfte aufzunehmen.

1871
Nach dem deutsch-französischen Krieg erfolgt die erste Anwerbung von so genannten „Ruhrpolen“:
Bergarbeiter aus Oberschlesien, polnische Landarbeiter aus Ost- und Westpreußen und Posen. Mit gezielten Anwerbeaktionen versuchen die Zechenunternehmer ihren explosionsartig gestiegenen Arbeitskräftebedarf im Ruhrbergbau zu decken. Die „Ruhrpolen“ unterscheiden sich durch die katholische Konfession und ihre Sprache von der deutschen Arbeiterschaft und bilden ein eigenständiges Arbeitermilieu in den Städten des Ruhrgebiets, wie Essen, Dortmund, Gelsenkirchen.

1880
In den Jahren ab 1880 nimmt die Ost-West-Wanderung aus dem preußischen Osten ins Ruhrgebiet weiter zu.
Arbeiter aus dem deutschen, österreich-ungarischen und russischen Polen sind nicht nur in der Industrie gefragt, sondern werden in großer Zahl (etwa 400.000) saisonal auch in der deutschen Landwirtschaft, vor allem auf ostelbischen Gütern, als Billiglohnkräfte herangezogen.
Bereits vor 1900 ziehen Arbeitsmigranten aus Norditalien zunächst vornehmlich nach Südwestdeutschland zu. Vor dem Ersten Weltkrieg waren im gesamten Deutschen Reich bis zu 200.000 italienische Arbeitsmigranten beschäftigt.

Eine Veröffentlichung des Bundesministerium des Innern

Internetredaktion (Referat G II 5, Öffentlichkeitsarbeit)

Verantwortlich: 
Dr. Joseph Dolezal, Kerstin Moll. Gesamtredaktion: Manfred Hähnel, Ulrike Bender, Kerstin Moll, Dieter Langfeld.

Übernahme der Informationen: Klaus Wichmann, Mülheim an der Ruhr, 23.7.2009


Kontakt: vhs@muelheim-ruhr.de
kw@wichmann-kommunikation.de
http://www.kulturbetrieb.de
http://vhs.muelheim-ruhr.de
Das Projekt Migration & Geschichte
wurde durch die Leonhard-Stinnes-
Stiftung gefördert.

Impressum
Stand: 02.08.2010

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