Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz (2018)

Grußwort von Oberbürgermeister Ulrich Scholten

anlässlich der Kranzniederlegung zum Gedenken an die

Befreiung des KZ Auschwitz

am Freitag, 26. Januar 2018, 11 Uhr

Jüdischer Friedhof

***

Sehr geehrter Herr Rabbiner,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir treffen uns heute hier auf dem Jüdischen Friedhof, um gemeinsam der 73. Wiederkehr der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945 zu gedenken.

Über sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens sind während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten ermordet worden. Etwa zwei Drittel der Opfer des Holocausts wurden in Vernichtungs- und Konzentrationslagern direkt ermordet oder starben dort an den Folgen von systematischer Unterernährung, Misshandlung und unbehandelten Krankheiten… Über eine Millionen Menschen waren es alleine in Auschwitz.

Das Lager dort war zwar nur einer von vielen Orten, an denen die Nationalsozialisten Unmenschliches an Menschen jüdischen Glaubens, aber auch an politisch Andersdenkenden, an Menschen mit Behinderung, an Sinti und Roma und an Homosexuellen, verbrochen haben. Aber dieses Lager ist zum Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden geworden und tief in unserem Gedächtnis verhaftet.

Wir treffen uns heute hier, weil wir fassungslos sind ob der während des Dritten Reichs von Deutschen an Juden begangenen unmenschlichen Grausamkeiten… Wir gedenken der Opfer, zeigen unsere Trauer über das sinnlose Leiden und den Tod von Millionen Menschen…  

Und wir wollen ein Zeichen dafür setzen, dass so etwas nie wieder in Deutschland geschehen darf.

Bislang habe ich an solch wiederkehrenden Gedenktagen teilgenommen mit der festen Überzeugung, dass wir tatsächlich verstanden haben, dass wir aus diesem dunkelsten Kapitel unserer deutschen Geschichte tatsächlich gelernt haben.

Es hat mich daher fassungslos gemacht, dass wir im Dezember auf Bitten der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen aus Sicherheitsgründen das gemeinsame Lichterfest auf dem Synagogenplatz absagen mussten. Wie in den Vorjahren wollten wir dort gemeinsam dieses Fest der Freude und der Liebe feiern. Die Sicherheitslage in Deutschland stand dem offenbar entgegen.

Ich persönlich hätte nie erwartet, dass es zu meinen Lebzeiten in Deutschland, noch dazu in meiner Stadt, dazu kommt, dass jüdisches Leben öffentlich nicht möglich ist, weil Menschen jüdischen Glaubens um ihre Gesundheit oder gar ihr Leben fürchten. Das hat mich tief erschüttert.

Und so hat diese Kranzniederlegung anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz heute eine besondere Aktualität und Bedeutung:

Wehret den Anfängen, heißt es. Das Aufkeimen eines neuen rassistisch bedingten Antisemitismus in Deutschland haben wir alle, haben zumindest viele von uns, offensichtlich nicht gesehen, sehen wollen oder ernst genug genommen.

Spätestens jetzt, nach den gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden in Berlin und nach der Absage des Lichterfestes in Mülheim, sind wir in der Pflicht, alles zu unternehmen, damit Antisemitismus in unserem Land und in unserer Stadt keine Chance hat. Das lehrt uns die Geschichte, das fordert die Gegenwart, das erwartet die Zukunft von uns.

In Deutschland, in Mülheim darf es keine Toleranz geben, wenn Nazi-Verbrechen verharmlost oder gar geleugnet werden, wenn Menschen anderer Nationalität oder anderen Glaubens ausgegrenzt, beschimpft oder angegriffen werden!

Auschwitz ist Sinnbild für unvorstellbare Barbarei, für das unendliche Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen können, wenn die dünne Decke der Zivilisation reißt.

Auschwitz steht für die epochalen Verbrechen der Deutschen und ist uns stetige Mahnung, dass so etwas nie wieder geschehen darf.

Heute besteht unsere gemeinsame Verantwortung darin, die Erinnerung wach zu halten, damit kein Opfer je vergessen wird.

Wir verneigen uns nun vor den Toten.

Kontakt


Stand: 02.02.2018

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