Gedenken zum 20. Juli (2010)
Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld zur Kranzniederlegung zum Gedenken an den 20. Juli 1944 am Dienstag, 20. Juli 10, 11 Uhr, Luisental *** Am 20. Juli 1944 scheiterte ein Attentat auf Adolf Hitler. Und mit diesem Attentat der wohl wichtigste Umsturzplan der deutschen Widerstandsbewegung während des II. Weltkriegs. Dieses Datum ist für uns heute Anlass, der Menschen zu gedenken, die den Mut hatten, Widerstand gegen eines der schrecklichsten Unrechtssysteme der Geschichte zu leisten – auch und bewusst unter Einsatz ihres eigenen Lebens. "Wir haben diese Tat auf uns genommen, um Deutschland vor einem namenlosen Elend zu bewahren. Ich bin mir klar, dass ich daraufhin gehängt werde, bereue meine Tat aber nicht und hoffe, daß sie ein anderer in einem glücklicheren Moment durchführen wird." Starke Worte von Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg vor dem Volksgerichtshof. Ebenso wie die anderen Mitverschwörer der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde er nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und am 10. August 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Von Stauffenberg selbst hatte bereits vor dem 20. Juli sein Bekenntnis gegen Hitler abgelegt. Folgendes Zitat ist von ihm überliefert: "Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterläßt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen." Seinem Gewissen und seiner Überzeugung ist von Stauffenberg, der im April 1943 im Krieg schwer verwundet wurde, treu geblieben. Ab Herbst 1943 entwickelte er sich zur entscheidenden Persönlichkeit im Kampf gegen Hitler. Er war entschlossen zum aktiven Widerstand, denn er hatte das "Ausmaß des Schadens erkannte, den Hitlers engstirnige Herrenmenschenpolitik sowie seine Art der Kriegsführung über Deutschland brachte". So Joachim Fest in seinem Standardwerk zum 20. Juli 1944. In der Nacht zum 21. Juli wurde von Stauffenberg mit weiteren Mitverschwörern im Hof des Bendlerblocks erschossen. Auch Günther Smend wollen wir heute nicht vergessen. Der in Mülheim aufgewachsene Adjutant von Generaloberst Zeitzler, dem Generalstabschef des Heeres, hatte ebenfalls Kontakte zu den Widerstandskreisen innerhalb des Generalstabs. Er erfuhr von den Attentatsplänen auf Hitler und wollte seinen Vorgesetzten Zeitzler zur Teilnahme an der Verschwörung bewegen. Vergeblich. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli wurde diese missglückte Anwerbeaktion Günther Smend zum Verhängnis. Am 1. August wurde er in Berlin verhaftet, kam ins Gefängnis, wurde Mitte August aus der Wehrmacht ausgestoßen und unterstand nun dem Volksgerichtshof. Als Mitwisser des Attentats wurde Günther Smend am 30. August zum Tode durch Erhängen verurteilt und am 8. September 1944 im Gefängnis Plötzensee hingerichtet. Seit Oktober 2007 liegt - eingelassen in den Gehweg vor seinem ehemaligen Mülheimer Elternhaus am Luisental 11 - ein Gedenkstein, ein "Stolperstein" des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Er soll uns immer wieder erinnern an diesen mutigen Mülheimer Bürger. Drei Schicksale, die für viele andere stehen, für Menschen, die dort Widerstand gegen die Gräuel des Naziterrors leisteten, wo sie im Leben standen. Ihner aller, der Namenlosen und der Bekannten, wollen wir heute gedenken. Sie sollen uns Vorbild sein. Denn auch, wenn wir heute in einem friedlichen Europa unter Freunden leben, sind auch wir zum Widerstand aufgerufen, wenn dieser Friede in unserem Land oder in Europa durch extremistische Tendenzen bedroht wird. Der vor 25 Jahren verstorbene Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll hat uns diese Aufgabe ins Stammbuch geschrieben: "Wir denken immer nur bei Diktatur an Widerstand. Den Widerstand in der Demokratie haben wir noch nicht entdeckt." Wir verneigen uns nun vor den Toten.
Kontakt
Stand: 18.08.2010













[schließen]
Bookmarken bei