Archiv-Beitrag vom 26.08.2008Gelungener Bürgerempfang - Ehrung der "Alltags-Helden"

Rede von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

anlässlich des Bürger-Empfangs 2008

am Freitag, 22.8.2008, Stadthalle

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Bürgerempfang der Stadt Mülheim an der Ruhr und Auszeichnung Helden des Alltag. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Stadthalle.22.08.2008Foto: Walter Schernstein

"Herzlich willkommen zum Bürgerempfang im Stadtjubiläumsjahr 2008!

Ob Sie erstmals, wiederholt oder von Anfang an schon immer dabei sind, ich freue mich über Ihr Kommen und auf einen schönen Abend mit guten Gesprächen.

Gesprächspartner aus Bürgerschaft, der Verwaltung und der Politik lassen sich heute hier leicht und in großer Zahl finden und werden sich bald bunt mischen.

Wie schon im Vorjahr habe ich auch diesmal den Bürgerempfang für die WAZ als Rahmen zur Verfügung gestellt, um die "Helden des Alltags 2008" auszuzeichnen. Auch da sind Sie wieder live dabei.

Ein besonderer Willkommensgruß gilt daher Andreas Heinrich und seinem Team von der Mülheimer WAZ-Lokalredaktion. Und natürlich auch allen in der WAZ vorgestellten "Helden des Alltags", die heute hier zu Gast sind.

Bürgerempfang der Stadt Mülheim an der Ruhr und Auszeichnung Helden des Alltag. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Stadthalle.22.08.2008Foto: Walter Schernstein-

Nach zwei sehr schönen Veranstaltungen in den Jahren 2006 und 2007 am Ringlokschuppen kehren wir in diesem Jahr zurück ins Ruhrfoyer der renovierten Stadthalle! Ich danke dem Team des RLS noch einmal für die herzliche Aufnahme und den perfekten Service, den wir dort genießen konnten.

Das Jubiläumsjahr geht bald ins dritte Drittel, die Saison der großen Feiern geht in die zweite Halbzeit.

Große Veranstaltungen und wunderbare Feste haben seit Februar stattgefunden, und seit Ende Mai gab es eine Vielzahl von besonderen Ereignissen - von BürgerInnen für MitbürgerInnen und für ihre Stadt veranstaltet.

Der jährliche Festkalender 2008 hat jene besonderen Jubiläumsakzente erhalten, die aus den Ideen der vielen Arbeitsgruppen entstanden, die seit 2005 an den Vorbereitungen zum Jubiläumsjahr beteiligt waren.

Bürgerempfang der Stadt Mülheim an der Ruhr und Auszeichnung Helden des Alltag. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Stadthalle.22.08.2008Foto: Walter Schernstein

Ein ganz besonderes Fest steht unmittelbar bevor. Am kommenden Wochenende können die MülheimerInnen und ihre Gäste das größte Stadtfest erleben, das je in Mülheim gefeiert wurde. Auf den "Inseln des Glücks" werden wir Ruhrufer und Innenstadt drei Tage lang neu entdecken und genießen können.

Ich lade Sie alle ein, dabei zu sein und mitzufeiern und unser "altes Mädchen" Mülheim hochleben zu lassen!

Und dazu gibt es ja nun wirklich allen Grund.

Mit Stolz und Genugtuung können wir auf das in den letzten 200 Jahren Erreichte blicken. Freuen können wir uns an den Schönheiten und den Vorzügen dieser Stadt. Und natürlich dürfen wir unsere Liebe zu ihr auch einmal so richtig zelebrieren!

Ein Stadtjubiläum ist natürlich viel mehr als ein willkommener Anlass zum Feiern. Man würde dem Ereignis auch überhaupt nicht gerecht, wenn man nur versuchen würde, in unserer schon jetzt Event-besoffenen Zeit nur noch eins drauf zu setzen.

Ihr Stadtjubiläum feiern übrigens im Jahr 2008 mit uns über 100 andere Städten in ganz Deutschland. Zu Beginn des Jahres gab es im ZEIT-Magazin eine Landkarte, auf der sie alle vermerkt waren.

Bürgerempfang der Stadt Mülheim an der Ruhr und Auszeichnung Helden des Alltag. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Stadthalle.22.08.2008Foto: Walter Schernstein

Darunter gibt es Städte, die gerade mal 30 Jahre alt werden, und daneben stehen ehrfurchtgebietende Zahlen wie die 850 Jahre der Stadt München oder gar die 1250 Jahre des mit uns befreundeten Müllheim im Markgräfler Land.

Auch konnte man im Magazin erkennen, dass sehr unterschiedlich mit den Jubiläums-Anlässen umgegangen wird. Je nachdem, ob urkundliche Ersterwähnung, Siedlungsgründung oder Stadtrechte-Verleihung zugrunde gelegt werden, kann das leicht zu einer sehr unterschiedlichen Alterseinschätzung für die einzelne Gemeinde führen.

Mülheim an der Ruhr ist siedlungegeschichtlich weit über 1000 Jahre alt, und auch die urkundliche Ersterwähnung 883/84 n. Chr. hätte uns locker 1025 Jahre eingebracht.

Unsere Vorfahren jedenfalls haben sich im Jahre 1908 entschlossen, die Stadtrechte-Verleihung zur Grundlage der Stadtchronologie zu machen. Also feiern wir in diesem Jahr 200 Jahre Mülheim an der Ruhr.

Bürgerempfang der Stadt Mülheim an der Ruhr und Auszeichnung Helden des Alltag. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Stadthalle.22.08.2008Foto: Walter Schernstein

Stadtjubiläum feiern heißt auch, sich der eigenen Stadt und ihrer Geschichte zu vergewissern, Begegnungen mit dieser Geschichte zu suchen. Heißt, Rückschau zu halten und dann Ausblick zu wagen.

Darum gibt es eine große Zahl von Veranstaltungen, Vorträgen, Buchpublikationen und Ausstellungen, die in diesem Jahr in unserer Stadt der Spurensuche gewidmet sind. Es geht um Erinnerungen und darum, Zeitzeugenwissen zu sichern.

Es geht auch um neue Antworten auf alte und noch offene Fragen. Und natürlich geht es um neue Interpretationen von historischen Prozessen. Noch immer sind Leerstellen in der Geschichtsschreibung der Stadt zu füllen, und natürlich müssen wir beginnen, den neuen historiographischen Strängen nachzugehen, z.B. der Geschichte der Zuwanderer.

Wo das Stadtjubiläum diese Aufgabe der historischen Standortbestimmung übernimmt, wächst das Wissen darüber, woher wir kommen. Da werden die Leistungen der Generationen vor uns sichtbar, auf deren Schultern wir stehen, deren Werke uns überantwortet wurden, die wir fortführen und weiterentwickeln müssen.

Bürgerempfang der Stadt Mülheim an der Ruhr und Auszeichnung Helden des Alltag. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Stadthalle.22.08.2008Foto: Walter Schernstein

Fotos: Walter Schernstein

Und da wird Mülheim als eine Stadt des ständigen Wandels sichtbar, in der übrigens schon immer ein starkes, gewachsenes lokalpatriotisches Bewusstsein existierte.

Oft, sehr oft war Mülheim an der Spitze einer Entwicklung und Bewegung, die sich später prägend verbreitete.

1849 ging hier der deutschlandweit erste mit Koks befeuerte Hochofen in Betrieb.

Bis zur Verkehrserschließung durch die Eisenbahn dominierte die Ruhrschifffahrt von Mülheim aus das Transportgewerbe.

Die Weltbedeutung der Mülheimer Lederindustrie zählt zu diesen Spitzenpositionen ebenso wie die innovativen Unternehmerpersönlichkeiten Stinnes und Thyssen, die Firmen gründeten, die zu Weltkonzernen wuchsen.

Schon die ersten 100 Jahre waren von stetem, z.T. tiefgreifendem Wandel geprägt. Für das folgende Jahrhundert gilt das gleiche. Denn die Auswirkungen der beiden Weltkriege, die eine neue Dimension von Leid, Verlust, Elend und Niederlage brachten, verlangten unserer Stadt und allen EinwohnerInnen äußerste Kraftanstrengungen ab, um den Wiederaufbau zu bewältigen.

Großartiges ist in den 200 Jahren geleistet und Schwieriges gemeistert worden. Die Kraft dazu kam immer von den hier lebenden Menschen. Mut, Zuversicht, Einsatzbereitschaft, Durchsetzungskraft und Ideenreichtum – das waren und sind die Zutaten der vergangenen 200 Jahre Mülheim.

Schön, stolz, selbstbewusst und anspruchsvoll, liebenswert, weltoffen und doch ein wenig provinziell – auf jeden Fall etwas Besonderes. So sehen wir Mölmsche unsere Stadt.

Unsere Nachbarn haben gelegentlich gesagt, in Mülheim trüge man die Nase höher als anderswo.

Ob das wirklich so stimmt? Vielleicht diskutieren Sie das später am Abend noch miteinander.

Mülheim war und ist in der Tat vieles – nur eines nicht: Diese Stadt war und ist nicht konservativ - sie hält allerdings schon immer auf Tradition! Und zu der haben immer Offenheit, Kreativität und Wandlungsfähigkeit gehört.

Und so macht der Blick zurück gleichzeitig unsere Verantwortung in der historischen Kette sichtbar.

Hier und heute, in unserer eigenen Lebens- und Verantwortungszeit, bilden wir als Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt die Brücke in die Zukunft.

Was leiten wir für uns aus dem Gewesenen ab? Wir alle – nicht nur die Oberbürgermeisterin, die PolitikerInnen, die Beschäftigten der Stadtverwaltung! Wir alle sind diese Stadt und sind für ihr weiteres Wachsen und Gedeihen zuständig. So wie unsere Vorfahren, die unserer Stadt mit prägenden Bauwerken wie Rathaus, Stadtbad, Stadthalle und Wasserburg, mit der Gründung bedeutender Unternehmen, mit Maßnahmen des Strukturwandels wie dem Bau des RRZ, mit stadtentwicklungspolitischen Kraftakten wie Fußgängerzone, MüGa, der Gründung des Theater an der Ruhr, der ersten Gesamtschule und dem Bau von Volkshochschule und Kunstmuseum ein unverwechselbares Gesicht gaben und ihr in der Region zu Geltung verhalfen - und dabei natürlich auch viele Hindernisse, Widerstände und Schwierigkeiten zu überwinden hatten.

So ist es jetzt an uns, mit ebenso mutigen, nicht immer von vornherein nur Zustimmung und Beifall auslösenden Projekten unsere Stadt lebenswert und zukunftsfest zu machen. Die guten Fortschritte, die hier am Ruhrufer, beim Medienhaus und natürlich in der neuen Verkehrsinfrastruktur der Innenstadt sichtbar und erlebbar sind, dürfen als Beleg gelten.

Ein Stadtjubiläum ist – ich habe es bereits erwähnt - mehr als ein Reigen von Festen:Rückblick, Standortbestimmung und Blick nach vorn gehören zusammen.

120 Schüler und Schülerinnen haben das bereits getan, haben den Blick nach vorn gewagt.

Sie waren die TeilnehmerInnen am Jubiläumsprojekt "Yourbiläum", eines der Projekte, die von der Mülheimer Wirtschaft zum Stadtjubiläumsprogramm entwickelt, geplant und gesponsert wurden.

18 Klassen/ Kurse aus 8 Schulen waren beteiligt. Die Aufgabenstellung lautete: Mülheim 1808 – eine Geschichte / Mülheim 2208 – eine Vision.

Da sind hellsichtige und sehr visionäre Blicke in die Zukunft gerichtet worden. Fest verankert in den Realitäten des Hier und Jetzt, fest verankert im Jahr 2008, sehen die jungen Menschen die Chancen und Risiken der Stadt sehr klar. Sie lassen sich inspirieren und entwickeln kraftvolle Ideen zur Lösung. Zu betrachten sind die Wettbewerbsbeiträge bis zum 23.08.08 im 1. OG des RRZ. Ich kann Ihnen versichern, ein Besuch der Ausstellung lohnt sich.

Die WAZ hat am 15.08. sehr treffend kommentiert: "Während Erwachsene noch grundsätzlich streiten, plant der Nachwuchs schon die Weiterentwicklung von Ruhrbania. Kreativ und vor allem frei von Ideologie blicken die Schüler in die Zukunft."

Natürlich wissen wir heute nicht, welche Arbeit Idee, welche Vision bleibt und welche das Zeug zum Plan und dann zur Umsetzung hat! Das spielt auch überhaupt keine Rolle. Wichtig und allen Beiträgen gemeinsam sind der Mut zur Gestaltung unserer Welt und die Zuversicht in die Zukunft.

Damit stehen diese Schülerarbeiten in bester Tradition all jener bereits erwähnten mutigen Projekte, die unsere Stadt in 200 Jahren immer wieder eine wichtiges Stück vorangebracht haben. Projekte, die nicht einfach zu schultern, nicht immer einfach zu vermitteln waren. Die aber von den in Politik und Verwaltung Verantwortung Tragenden mit Geduld und Nachdruck zum Wohle der ganzen Stadt zur Umsetzung gebracht wurden. Und sie stehen auch in der Reihe mit Ruhrbania oder der Fachhochschulbewerbung, um bei aktuellen Beispielen zu bleiben.

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft – denn in ihr gedenke ich zu leben."

Dieses Bekenntnis von Albert Einstein passt gut zu den Schülerarbeiten, passt gut zu den Mülheimer Zukunftsprojekten und ist gleichzeitig Handlungsaufforderung an uns alle, uns zuversichtlich und aktiv an der Gestaltung der Zukunft unserer Stadt zu beteiligen.

Dabei können wir unter günstigen Bedingungen starten, denn mehr als die Hälfte aller in Mülheim lebenden Menschen, exakt 56 %, sind mit ihrer Stadt so zufrieden, dass sie kein akutes Problem benennen können. Damit habe ich eines der Zwischenergebnisse der großen repräsentativen Umfrage verraten, deren vollständige Auswertung im Herbst vorliegt und dann veröffentlicht wird.

Lassen Sie uns das doch zum Ausgangspunkt unseres Blicks auf unsere Stadt und unseres Handelns für diese Stadt nehmen. Denn dieses Stadtjubiläum ist auch berechtigter Anlass zum Mutfassen, zum Mutmachen, zum Zuversicht haben.

Und ganz ehrlich – nehmen wir uns alle doch auch ruhig manchmal ein bisschen weniger wichtig und gestehen wir uns ein, wie relativ unser eigenes, zeitlich beschränktes Hier-Sein und Hier-Wirken letztlich ist.

Dann wächst vielleicht sogar wieder die Chance, zu erkennen, was die Suche nach dem für die Stadt Besten uns allen zu tun abverlangt! Mülheim hat das verdient.

Zeigen wir unserer Stadt, dass wir sie lieben und damit nicht nur ihr vergangenes Gesicht meinen. Zeigen wir ihr, dass wir uns um sie kümmern und für sie sorgen wollen. 2008 und in den nächsten Jahrhunderten.

Darum ein weiteres Mal: "Herzliches Glückwunsch, altes Mädchen" und weiterhin "Glück auf"!

Kontakt


Stand: 26.08.2008

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