Giftschlange in der Kleiststraße entflohen am 18. März 2010
In einer Wohnung des Hauses Kleiststraße 161 war am Abend des 17. März 2010 eine Schlange aus ihrem Terrarium entwichen. Der Wohnungsinhaber hatte das Tier erst vor kurzem auf einer Reptilienbörse erstanden.
Als den gegen 1.00 Uhr am Donnerstag, den 18. März alarmierten Einsatzkräften der Feuerwehr eröffnet wurde, dass es sich um eine Giftschlange handelt, wurde die Reptilienfachgruppe der Feuerwehr Düsseldorf zur Unterstützung angefordert. Das Jungtier, eine ca. 30 cm lange, etwa fingerdicke Monokelkobra (naja kaouthia) war zunächst nicht aufzufinden.
In NRW gibt es kein Gesetz, dass den Kauf und die Haltung von giftigen Schlangen oder anderen Reptilien verbietet. Auch Halter werden nicht auf ihre Eignung geprüft.
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Nachdem die gesamte Wohnung gründlich durchsucht worden war, wurde damit begonnen, die Holzdielen aufzunehmen. Es wurde vermutet, dass das schlanke Tier sich durch eine Ritze der Dielen dorthin verkrochen hatte. Bis in die Abendstunden wurde die Wohnung komplett ausgeräumt, die Dielen in jedem Zimmer herausgenommen und die Schotterfüllung durchsucht. Die Möbel wurden bei einem Umzugsunternehmen zwischengelagert.
Die Wohnung des 19-jährigen Schlangenhalters war nicht mehr bewohnbar. Die Bewohner der zwei darunter befindlichen Wohnungen im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss hatten auf Anraten der Ordnungsbehörden ebenfalls das Haus verlassen und kamen vorläufig bei Verwandten unter.
Zweimal täglich fanden in der mittlerweile vor Ort eingerichteten mobilen Führungsstelle Lagebesprechung statt, an denen neben allen Entscheidungsträgern von Feuerwehr und Ordnungsamt auch die Experten der Reptilienfachgruppe der Feuerwehr Düsseldorf teilnahmen.
Das Medieninteresse war enorm. Zeitweise hielten sich bis zu 20 Journalisten von allen bekannten Sendern, Agenturen und Zeitungen vor dem Haus in der Kleiststraße auf. Immer wieder mussten Sprecher von Stadt, Ordnungsamt und Feuerwehr den Journalisten Rede und Antwort stehen. Zwischendurch wurden auch spontan Pressekonferenzen auf der Straße abgehalten.
Fachleute aus der ganzen Republik boten immer wieder ihre Hilfe und gute Ratschläge an.
Für den Fall eines Bisses wurde ein Gegengift vor Ort vorgehalten. Es wurde extra aus Düsseldorf angefordert. Neben einem Rettungswagen stand ständig ein Notarzt in Bereitschaft und im Evangelischen Krankenhaus Mülheim wurde ein Intensivbett bereitgehalten.
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Am ersten Tag waren Feuerwehr und Ordnungsamt mit insgesamt 20 Einsatzkräften bis gegen 18 Uhr vor Ort. Die Suche sollte am nächsten Tag fortgesetzt werden.
Mit Handzetteln und Flugblättern wurden die Bewohner in einem Umkreis von 500 Metern informiert. Mitarbeiter des Ordnungsamtes gingen von Tür zu Tür. Betroffen waren auch die Anwohner aus der Nachbarstadt Essen. Ansprechpartner in Notfällen war die Feuerwehr über den Notruf 112. Für sonstige Fragen wurde eine 24h-Hotline eingerichtet.
Freitag, 19. März 2010
Um 8 Uhr ging die Suche nach der Monokelkobra weiter. Als weitere Maßnahme wurde beschlossen, sämtlichen bisher angefallenen Schutt aus den Zwischenböden und den freigelegten Hohlräumen zu entfernen. Eine Baufirma sollte mit Arbeitskräften und Containern unterstützen. Mühevoll und unter ständiger Aufsicht von Experten wurde der Schutt ins Freie gebracht.
Die Verpflegung der Kräfte an der Einsatzstelle wurde mittlerweile durch das Deutsche Rote Kreuz wahrgenommen. Nicht nur die Einsatzkräfte durften sich an belegten Brötchen, Gulasch mit Nudeln oder Eintopf stärken. Auch die Vertreter der Presse, die teilweise 12 Stunden vor Ort ausharrten, wurden versorgt. Diese Maßnahme ist dann auch mit großem Wohlwollen aufgenommen worden.
Samstag, 20. März 2010 und
Sonntag, 21. März 2010
An beiden Tagen waren wieder die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Ordnungsamt und Rettungsdienst ab 8 Uhr vor Ort. Vier Möbelpacker eines Mülheimer Umzugsunternehmens rückten am Morgen zunächst die Möbel der Wohnung im 1. Obergeschoss von den Wänden. Inventar, das im Weg war, wurde nach draußen in den Umzugswagen und später wieder zurückgetragen. Alles unter den wachsamen Augen der Schlangenexperten.
Später wurde eine Ortungstruppe des THW aus Duisburg angefordert, die mit einer Endoskop-Kamera am Nachmittag mögliche, nicht einsehbare Schlupflöcher und Zwischenräume im Haus inspizierte.
Noch im Laufe des Sonntags wurde die Suche vorerst eingestellt.
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Ab Montag, 22. März 2010
Es wurde entschieden, die Wohnung zu versiegeln und die Schlange auszuhungern. Um eventuelle Bewegungen der giftigen Kobra zu entdecken, wurde an neuralgischen Punkten Mehl ausgestreut und Klebeband aufgebracht. Die Hausbewohner schliefen bei Verwandten und hielten sich nur tagsüber in ihren Wohnungen auf.
Am Montag morgen verteilten Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Nachbarschaft Informationszettel, die den Anwohnern die neue Strategie erläutern. Darauf war zu lesen, dass Experten es für sehr unwahrscheinlich halten, die Schlange könnte das Haus verlassen und im Freien überlebt haben.
Bis dahin wurden das Dachgeschoss, das Treppenhaus und der Keller täglich gründlich von der Feuerwehr abgesucht, um verräterische Spuren am ausgelegten Mehl und dem Klebeband zu entdecken.
Donnerstag, 8. April 2010
Seit dem 22. März wurde das Haus täglich von Einsatzkräften der Feuerwehr inspiziert.
Die gewählte Strategie sollte sich als Erfolg beweisen:
Bei der Kontrolle wurde die Jungschlange unter einem Nachtspeicherofen entdeckt. Sie hatte sich in dem ausgelegten Klebeband verfangen, war aber beim Auffinden bereits verendet.
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Aus Sicht der Feuerwehr konnte der Einsatz damit abgeschlossen werden. Die tote Monokelkobra wurde der städtischen Veterinärin übergeben.
Endlich konnten die Mieter beruhigt in ihre Wohnungen zurück. Nur die Wohnung des Verursachers ist bis zur Sanierung nicht mehr bewohnbar.
Kontakt
Stand: 27.05.2010













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